Anzeige

Bewegendes Finale beim 5. Dillinger Orgelsommer

Wann? 06.08.2011 11:15 Uhr

Wo? Basilika St. Peter , Dillingen an der Donau DEauf Karte anzeigen
Der italienische Orgelvirtuose Roberto Antonello an der Sandtner-Orgel in der Basilika
Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter | Das Abschlusskonzert des diesjährigen Orgelsommers hatte den erwünschten guten Besuch. Hans-Jürgen Weigl, der 1. Vorsitzende des Orgelfördervereins, konnte nahezu 150 Zuhörer begrüßen und ihnen für ihre Treue den Dank aussprechen. "Im fünften Jahr haben sich die Orgelkonzerte dank der außergewöhnlichen Qualität der Interpretationen zu einer vielbeachteten hochkarätigen Dillinger Institution entwickelt", betonte der Alt-OB. Das traf im Besonderen auf Roberto Antonello aus Treviso zu, der nicht zuletzt wegen der Stückauswahl für gesteigertes Interesse sorgte. Er blieb mit seinem Programm dem 20. Jahrhundert verbunden, lediglich Marco Enrico Bossi hatte seine Wurzeln im 19. Jahrhundert geschlagen. Als Musikhistoriker ehrte Antonello seinen Landsmann Bossi wegen dessen 150., den Franzosen Jehan Alain wegen des 100. Geburtsjahres, gedachte dem 25. Todesjahr Maurice Duruflés und stellte den 55-jährigen in Frankreich lebenden Libanesen Naji Hakim vor. Für die Stadt Ingolstadt hatte Hakim 1996 als Auftragswerk ein "Pange Lingua" geschaffen, acht Jahre später mit "Salve Regina" wiederum ein christliches Werk komponiert. Dabei modulierte Antonello die hohe Flötenmelodie über schwebende Harmonien auf dissonanter Basis, die er frappierend mit gebrochenen Harfenklängen ausklingen ließ. Ähnlichkeiten fand der 44-jährige Organist in Jehan Alains "Postlude" (1933), dessen gleichmäßige Bewegungsimpulse die Zuhörer in einen kontemplativen Zustand versetzen sollen. Über einer rhythmischen Schicht wurden gregorianische Gesänge spontan und geschmeidig in freiem Metrum vorgetragen. Dank trefflicher Registrierung erzeugte Antonello die geforderte originale Klangfarbe. Im gleichen Kontext erklang die "Meditation" von Maurice Duruflé, in der subtile Flötentöne den Schwellenwerkglanz überlagerten. Die Fuge im "Glockenspiel der Kathedrale von Soissons" (1962) lebte von der temperamentvollen Steigerung. Hier zog Antonello die Parallelen zu den Variationen über zwei Themen von Hakim, in der sich friedliche Stimmung mit aufreizend eindringlichen Klangmächten abwechselten. Festlich-thriumphal hatte Antonello Marco Enrico Bossis "Stunde der Freude" aufgebaut und ihr mit fulminantem Pedalspiel, majestätischen Akkorden, überraschenden Harmonien und virtuosen Elementen eine tragende Feierlichkeit verliehen. In dieser Tradition hat Antonello seine Trio-Sonate in Es-Dur (2000) angelegt. Ein rückwärts gewandtes dreisätziges Stück, das in Aufmachung und Stil an die Choralumschreibungen J.S.Bachs erinnerte und in seiner melodischen Erfindung Händels Orgelkonzerte zum Vorbild nahm. Verständlich, dass der ausführende Komponist seinen beiden schnellen Sätze und dem Moll-Largo der beste Sachwalter war und das technisch anspruchsvolle Werk mit transparenter Eleganz darbot. Viel Applaus für meisterliches Orgelspiel.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.