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3. Konzert beim 5. Dillinger Orgelsommer mit dem Engländer Andrew Dewar aus Paris

Wann? 02.07.2011 11:15 Uhr

Wo? Basilika St. Peter , Dillingen an der Donau DEauf Karte anzeigen
Der Engländer Andrew Dewar erfreute die Besucher in der Basilika mit eine romantischen Programm und einem großen Werk von J.S.Bach
Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter | Die Orgelkonzertreihen leben auch im fünften Jahr von der prägenden Substanz der Werke, die renommierte Organisten am Samstagvormittag anbieten. Stilistische Vielfalt auf der einen und die "Behandlung" der Sandtner-Orgel auf der anderen Seite wecken Neugierde. So waren wieder mehr als achtzig Besucher gespannt, welche Titel der gebürtige Engländer Andrew Dewar, Organist an der American Cathedral in Paris, in der Basilika präsentieren und wie er sie gestalten wird. Zehn Reisen hat Felix Mendelssohn-Bartholdy ab 1829 nach England unternommen, dort als Orgelvirtuose reüssiert und sich ins kulturelle Bewusstsein der Briten eingegraben. Mag das nachwirkend der Grund sein, dass sich der 30jährige Dewar mit der deutschen Romantik und mit Mendelssohn-Bartholdy beschäftigte? Dewar fand, dass sich die für Klavier geschriebenen sechs Präludien und Fugen op. 35 hervorragend für Orgel eignen würden. Deshalb will er sie alle in einer Neuaufnahme mit Werken von Liszt demnächst in London aufführen. Zwei der von Christoph Bossert arrangierten Stücke in As-Dur und f-Moll stellte Dewar in St. Peter vor. Dank der überlegenen Registrierung eroberte die Orgel nach und nach aus dem tiefen Melodiengrund durch Klangfülle, Beschleunigung des Zeitmaßes und formale Auflockerung immer mehr den romantischen Charakter und gewann an expressiver Dichte.

Den Geist Mendelssohn-Bartholdys atmete auch der Anfang von Max Regers Fantasie und Fuge in d-Moll op.135b, das dieser ein Jahr vor seinem Tod 1915 geschaffen hatte. Andrew Dewar interpretierte die ungekürzte Fassung des "Orgelwerks größten Styls", das Max Reger Richard Strauss widmete. Bei Reger, dem "Urenkel Bachs", wird die Orgel zum Orchester. Manualakkorde, Pedalexerzitien, Melodieaufschwünge ließen Klangtürme entstehen, die zu Zwischenapplaus animierten. Dewar verstand es zu differenzieren, Einheitlichkeit herzustellen, Transparenz zu erzeugen. Regers harmonische Eingebungen blühten auf, wenn Andrew Dewar die poetische Kontrapunktik entfaltete. Das Pedalwerk der Sandtner-Orgel hat es dem englischen Organisten angetan. In der Toccata und Fuge (BWV 540) von J.S.Bach bediente er bei zwei gewaltigen Orgelpunkten schon am Beginn den 32-füßigen Contrabass. Dabei setzte er die kanonischen Durchgänge etwas in den Hintergrund, hob mit unglaublicher Präzision die Pedalsolostellen heraus und befeuerte die Toccata mit kadenzreichen Achtelschlägen. Die Parallelität zwischen Diskant- und Bassbewegungen war frappierend, eine unabhängige Mittelstimme bereicherte das fließend gestaltete Trio-Musizieren. Der Doppelfuge gab Dewar das anspruchsvolle Gewicht sowohl im ersten Thema mit den langen Notenwerten als auch im beschleunigten zweiten mit pulsierenden Achteln, ehe sich beide Subjekte zum triumphalen Schluss vereinten. Großer Beifall für exemplarische Deutungen.
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