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Der beste Freund

      Liebe Leserinnen und liebe Leser,
ich heiße Sie herzlich willkommen im Jahr 2018. Ich hoffe, dass Sie viele schöne Momente mit uns erleben werden und sich mit uns über viele Auszüge freuen dürfen.

Ich habe mit Creamy einen tollen Co-Autor für das Tagebuch gefunden und mich sehr über seinen ersten Eintrag gefreut und hoffe auf weitere bemerkenswerte Einblicke.
Creamy ist zur Zeit beim Tierarzt, da seine Medikamente neu eingestellt werden - ja, auch das machen unsere Menschen toll. Wir werden nicht nur hin und wieder untersucht, wir werden jeden Tag genau angeschaut, ob es uns auch gut geht und wenn irgendwas nicht richtig ist, dann wird nicht überlegt, ob das Geld kosten könnte. So kommt Creamy also gerade in den Genuss der Rundumpflege bei unserem fantastischen Tierarzt-Team.
Ist wahrscheinlich fast wie Urlaub.
Gut, das ist nur eine Vermutung, da ich selbst bisher immer nur kurz dort war und geimpft wurde oder Blut abgenommen wurde - ich bin einfach ein gesundes Kerlchen. Hoffentlich bleibt das auch weiterhin so. An sich wüsste ich nicht, was da dagegen sprechen sollte. Gut, ich habe im Moment vielleicht etwas wenig Auslauf, weil ich doch - ja, Schande über mich - zum Leineziehen neige und das kommt nicht so gut bei unseren Gassigängern an. Aber Sie kennen mich, ich meine das nicht böse, ich habe nur so viel zu entdecken und ich weiß ja nicht, wie viel Zeit der Mensch mitbringt, der mit mir Gassi geht. Also versuche ich so viele Eindrücke wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich zu sammeln. 
Charly sagt immer zu mir, ich solle mich da etwas entspannen. Ich könne nicht immer so vorne weg laufen und hoffen, dass der Mensch hinterher kommt. Ich weiß ja, dass er vermutlich Recht hat, aber ich kann mich selbst noch nicht davon überzeugen. 
Ich hatte noch nie die Erfahrung, dass ich mich wirklich auf den Menschen verlassen kann. Ich hatte immer das Gefühl, selbst besser entscheiden zu können. Charly sagt, ich soll an mir arbeiten, ich soll den Glauben an den Menschen aufbauen, ich soll den Menschen als meinen Bezugspunkt sehen und ihn nicht alleine lassen. Das will ich auch gar nicht, ich will nicht ohne Mensch sein. Ich liebe Menschen. Vor kurzem hat sich einer unserer Menschen zu mir in den Zwinger auf den Boden gesetzt und saß da einfach. Zuerst war ich so überwältigt davon, dass sich ein Mensch einfach so Zeit für mich nimmt, dass ich gehüpft bin und rein und raus gerannt bin und in diesem Rennen ist mir eingefallen "Pino was machst Du, wenn der Mensch wieder weg geht, weil du so stürmisch bist?".
Doch der Mensch ist da sitzen geblieben und hat sich gefreut, wenn ich wieder rein gekommen bin, hat mich gestreichelt, mir gesagt, ich könne ruhig gucken gehen, sie würde da sitzen bleiben. Das war toll. Also bin ich raus und habe geguckt, aber es war gar nicht mehr so wichtig, denn ich wollte an sich einfach nur wieder zurück rein zu dem Menschen, der bei mir einfach so am Boden saß und gewartet hat. Dann habe ich mich kurzerhand auf die Beine von dem Menschen gelegt und mich kuscheln lassen und das war unendlich schön. Ich konnte nicht ganz aus meinem Fell ... als draußen gebellt wurde, musste ich gucken gehen. Aber der Mensch hat gesagt, dass das in Ordnung wäre. Und so eine Überraschung für mich, als ich mit gucken fertig war, war der Mensch immer noch da. Wir haben dann noch weiter gekuschelt und etwas gespielt und das war ehrlich schön. Dann musste der Mensch leider gehen, aber ich weiß, dass sie wiederkommen wird und ich freue mich schon. Das hat Spaß gemacht und ich verstehe, was mir Charly sagen will. Vielleicht muss ich mich ein wenig entspannen, aber vielleicht war bisher einfach auch noch nicht der richtige Mensch für mich da. Aber solange unsere Menschen immer wieder Zeit für mich haben, bin ich eigentlich ein ziemlich glücklicher Pino.

Ich bin mir aber trotz dieser Erfahrung nicht sicher, ob der Mensch der beste Freund des Hundes ist. Verstehen Sie mich nicht falsch, der Mensch ist ein wirklich guter Freund für uns Hunde, aber es gibt einen Freund in einem Hundeleben, der wahrscheinlich ein noch besserer Freund für einen Hund ist: der Baum. Warum? Nun ja, zum einen gibt es ganz viele davon, die uns Hunden immer wieder über den Weg "laufen". Wir können an ihnen schnuffeln, wie dürfen dort Zeitung lesen und auch unsere Geschäfte erledigen, manchmal beherbergen sie so etwas tolles wie Katzen oder Eichhörnchen und man darf als Hund stehen bleiben und bellen so viel man will - der Baum wird sich nicht beschweren. Ein Baum ist im Hundeleben so unendlich wichtig und so vielfältig einsetzbar - ich weiß nicht, ob der Mensch da wirklich mithalten kann. Charly sagt wieder, dass ich das nicht vergleichen könnte. Ein Baum können mich nicht kuscheln und mir eine Decke schenken oder mich in den Arm nehmen - da hat er wohl wieder einmal recht, mein schlauer Freund Charly. Er wird glaube ich wirklich unterschätzt unser Charly, in ihm steckt ein unfassbar toller Hund. 
Er hat mir auch erklärt, warum wir Hunde so ein zwiespältiges Verhältnis zu Katzen, Hasen und solchen Tieren haben und warum wir diesen hinterherjagen. Charly sagt, dass es gar nicht darum geht, die Katzen zu erwischen, sondern sie nur der Anreiz sind, sehr schnell zu rennen. Wir Hunde sind Adrenalinjunkies - sagt Charly - und lieben es sehr schnell zu rennen, solange wir körperlich dazu in der Lage sind. Wenn er da recht hat und wir nur hinter einem Hasen her rennen, weil wir schnell rennen wollen, weil das Rennen so Spaß macht, dann sind wir eigentlich keine Jäger, sondern wir sind Rennläufer. Das klingt irgendwie richtig gut! Pino der Rennläufer! Das wäre doch eine schöne Überschrift für ein Buch. Ich habe eine Geschichte von einem ehemaligen Bewohner gehört, der für sein Leben gern hinter Hasen hergerannt ist. Sogar Rehe fand er sehr spannend und wollte sie kennen lernen. Dann eines Tages hat sich ein Reh im Weglaufen wohl gedacht "warum mache ich das?" und ist stehen geblieben. In der Sekunde hat sich unser ehemaliger Bewohner gedacht "Warum bin ich nochmal so schnell gelaufen?" Hat sich das Reh betrachtet, das einfach nur vor ihm stand, hat sich überlegt, ob diese zarte Stimme, die nach ihm ruft, die seines Menschen ist, hat sich umgedreht und ist zu seinem Menschen zurückgelaufen. Mensch und Hund sind glücklich weitergelaufen, Hund war genug gerannt und Mensch hat sich eingebildet, sein Hund würde auf ihn hören und das Reh hat sich wahrscheinlich immer noch überlegt, was das jetzt alles zu bedeuten hatte.
Natürlich weiß ich, dass wir nicht alle so sind und solche Erlebnisse haben nur die wenigsten von uns. Aber Charly sagt, dass selbst ich mit den richtigen Menschen an meiner Seite das Rennen nicht mehr so spannend finden werde, wie es mir im Moment erscheint. Mal sehen, ob er Recht behält.

Meine Güte, jetzt habe ich aber sehr viel über mich geredet. Das war in keinem Fall meine Absicht. Ich wollte ja über die vielen schönen Auszüge berichten, die wir in den letzten Wochen erlebt haben. Da war ich so begeistert darüber, was mir Charly alles erzählt hat, dass ich meine Hauptaufgabe im Tagebuch vergessen habe. 

Also, es gab ganz wundervolle Auszüge.
Da wäre als aller erstes einmal Jacky, der endlich Menschen gefunden hat, die ihn so quietschlebendig wir er ist lieben und die er aber auch so sehr liebt, dass er unendlich gerne mit ihnen schmust. Sie hätten sehen sollen, wie er sich angekuschelt hat, als es klar war, dass er mitgehen darf. Das war sooooo schön!
Aber auch aus dem Katzenhaus und von unseren Pflegestellen gibt es viele Auszüge zu berichten.
Midnight und Mia konnte endlich gemeinsam in ein neues Leben starten. Unser Batzi hat auch Menschen erobert, die sicherlich sehr gerne mit ihm schmusen. Auch Bubbles, Ilka, Jonny, Damian, Amber, Ally, Aaron, Carlotta, Merlin, Dilli, Billy, Betty, Tim und Simba haben alle ein neues Zuhause gefunden und können nun endlich ein gutes Katzenleben führen. 
Leider ist damit das Katzenhaus nicht leer. Viele Schnäuzchen, die ein Zuhause gefunden haben, haben auf unseren Pflegestellen gelebt, aber sind dennoch unsere Bewohner gewesen. Aber leer kann man uns nicht gerade nennen - weder das Katzen- noch das Hundehaus. Oft ist es für unsere Menschen schwer, gerade im Katzenhaus immer aktuelle Bilder zu machen. Ich kann as verstehen, den Sinn von "Sitz" und "Platz" und "Halt doch mal still" versteht wahrscheinlich nur ein Hund .... vielleicht sollte ich versuchen Creamy ein wenig in dem Sinn einzuspannen, dass er da mal ein freundliches Wort mit seinen Artgenossen redet...unsere armen Menschen.
Ich habe gesehen, dass unsere Quarantäne Station im Katzenhaus voll ist und auch im Mietzhaus warten ein paar ganz herrliche Katzen und Kater auf ihre neuen Familien. Da wäre zum Beispiel Dino mit seiner Schwester Dunja, die zusammen bleiben wollen. Oder Emil, Debbie und Django, Rocco, Leon, Paul und Pia, Odin, Ron und Roxy oder Jordan und Jules, die auch gerne zusammen bleiben wollen und zur Zeit auf einer Pflegestelle leben. Alle suchen sie Menschen, die Geduld haben und ihnen helfen, in ein neues Leben zu starten. So sieht es eben auch bei uns im Hundehaus aus. Wir haben viele neue Gesichter und dann natürlich meine Freunde, die mich schon sehr lange begleiten wie Charly, Keks und Fynn. Besonders aufgefallen sind mir Anton und seine Freundin Meggi bei unseren Neuzugängen. Warum? Anton ist ein ehemaliger Tagebuchschreiber und war viele Jahre bei einer Familie, hat dort seine Freundin Meggi gefunden und beide musste nun, weil ihr Besitzer verstorben ist, hier bei uns einziehen. Das ist echt hart. Wenn ich mir Anton so ansehe, dann tut er mir sehr leid, er scheint nun begriffen zu haben, dass er wieder im Tierheim eingezogen ist. Gefallen tut ihm das gar nicht. Ich hoffe, dass sich bald eine neue Familie für die Beiden findet. Ich werde mich in den nächsten Tagen aber trotzdem einmal vorsichtig an ihn heranwagen und fragen, ob er sich überlegen kann, einen Gasteintrag ins Tagebuch zu schreiben. 
Vielleicht sollte ich doch vorher Charly fragen, ob das sehr unsensibel ist, ehe ich den armen Anton in die vollkommene Krise stürze. 

So oder so kann ich Ihnen nur sagen, dass wir dringend Gassigänger brauchen - vor allem unser Keks könnten einen hundeerfahrenen Spaziergänger gebrauchen. Aber, ehe sich hier jetzt unendlich viele Menschen bei unseren Menschen melden und sagen "ich hatte mein Leben lang Dackel" - nichts für ungut Rusty und Leroy - aber für Keks bedeutet das keine Hundeerfahrung. Hier muss schon ein Mensch her, der am besten die Rasse Owtscharka kennt, der 47 Kilo halten kann und bestimmt, aber freundlich immer das Sagen behält. Gut, wenn ich mir das so recht überlege, ist es eine große Aufgabe für unseren weißen Riesen einen passenden Menschen zu finden. Keks sieht halt leider einfach kuschelig aus und auch wenn er sich meist so gibt, so steckt viel Hüten und Beschützen in ihm - damit muss man umgehen können. Aber trotzdem, solche Menschen muss es doch auch geben....
Wenn Ihnen also an einem schönen Tag oder an einem vollkommen verregneten Tag langweilig ist, dann kommen Sie vorbei - wir sind Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag Nachmittag zum Spazierengehen bereit. Ich bin mir sicher, dass unsere Menschen sich freuen. Gut, ich kann Ihnen nicht versprechen, dass Sie dann mit wem Sie dann spazieren gehen können oder ob überhaupt, aber kommen Sie mich und meine Freunde doch einfach einmal besuchen. Wir werden hüpfen, bellen und Hallo sagen - darauf können Sie sich verlassen.
Jetzt habe ich aber genug geplaudert....vergessen Sie uns nicht.
Ihr
Pino

http://www.tierheim-hoechstaedt.de
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1 Kommentar
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 18.01.2018 | 21:43  
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