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Brief des Landrates Leo Schrell an den Bundesminister Sigmar Gabriel

Aufgrund verschiedener Medienberichte in den vergangenen Wochen und Monaten zum Auswahlverfahren zur Festlegung eines Standortes für ein Atommüllendlager hat sich Landrat Leo Schrell schriftlich an Bundesminister Sigmar Gabriel gewandt und eindringlich gebeten, unsere Region wegen bereits bestehender Belastungen und der gegebenen Situation bei der Suche nach einem Atommüllendlager auszunehmen.


Standort für ein Atomendlager

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

verschiedene Medienberichte in den vergangenen Wochen und Monaten zum Auswahlverfahren zur Festlegung eines Standortes für die Endlagerung hochaktiver, wärmeentwickelnder Abfälle sind der Anlass, dass ich mich direkt an Sie wende. Unser Landkreis Dillingen a.d.Donau befindet sich im westlichen Bayern, unmittelbar an der Landesgrenze zu Baden-Württemberg. Auf verschiedenen Landkarten des Bundesamtes für Geowissenschaften ist erkennbar, dass Teile unseres Landkreises als untersuchungswürdige Wirtsgesteinsformationen (Tonsteine) eingestuft werden. Aus verschiedenen Pres-emitteilungen und Aussagen Ihrerseits ist zu entnehmen, dass Sie bereits seit geraumer Zeit ein bundesweites Auswahlverfahren für ein Atommülllager anstreben.

In diesem Zusammenhang bitte ich in Ihre Überlegungen mit einzubeziehen, dass unsere Region seit mehr als vier Jahrzehnten die Belastungen des Kernkraftwerkes Gundremmingen zu tragen hat. Der zwischenzeitlich erfolgte Bau eines Zwischenlagers am Standort des Kernkraftwerkes hat in den vergangenen Jahren wiederum eine sehr emotionale und heftige Diskussion in der Bevölkerung ausgelöst. Mehr als 70.000 Unterschriften gegen die Zwischenlagerung des atomaren Abfalls sind ein Beweis für die hohe Sensibilität der Men-schen rund um das Kernkraftwerk Gundremmingen, das in unserem Nachbarlandkreis Günzburg liegt. Derzeit diskutieren die Menschen über die möglichen Ursachen einer erhöhten Kindersterblichkeitsrate und einer erhöhten Krebsrate in unserem Landkreis.

Vor diesem Hintergrund wäre es fatal, nunmehr eine neue Diskussion um ein Endlager für hochgiftigen Atommüll in unserer Region zu führen. Dies gilt unabhängig von der Tatsache, dass die Tongesteinsformationen entlang der Donau in Baden-Württemberg und Bayern weit weniger stark sind als vermeintlich geeignete Gesteinsformationen in anderen Bereichen Deutschlands. Darüber hinaus hat unsere Region für die Trinkwasserversorgung sowohl Bayerns als auch Baden-Württembergs eine sehr hohe Bedeutung. Es wäre nicht verantwortbar, im Bereich eines der wichtigsten und größten Trinkwasserreservoirs Süddeutschlands ein Endlager für hochgiftigen Atommüll vorzusehen.

Gleichzeitig erlauben wir uns den Hinweis, dass wir als Landkreis Dillingen ganz bewusst und sehr konsequent auf regenerative Energien setzen. Eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien dient nach unserer festen Überzeugung letztlich den klassischen energiepolitischen Zielen der Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. Deshalb haben wir - um Ihnen nur ein Beispiel zu nennen - in den vergangenen Jahren eine Vielzahl unserer Kreiseinrichtungen im Bereich der Heizanlagen auf regenerative Energien umgestellt. Bereits in ca. drei Jahren wird es keine Kreiseinrichtung mehr im Landkreis Dillingen geben, deren Heizanlage auf der Basis fossiler Energieträger betrieben wird. Unser energetisches Gebäudesanierungskonzept ist ein weiterer Baustein unseres konsequenten Umsteuerns. Mit diesen Beispielen möchte ich Ihnen aufzeigen, dass wir selbst unseren Beitrag dazu leisten wollen, in absehbarer Zeit auf die Nutzung von Kernkraft als Energiequelle verzichten zu können.

Abschließend erlaube ich mir die dringende Bitte, die genannten Argumente in Ihre Überlegungen mit einzubeziehen und bei einer möglicherweise anstehenden neuen Suche nach einem Atommüllendlager unsere Region wegen der bereits bestehenden Belastungen und der gegebenen Situation davon auszunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Leo Schrell
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