Olga und die Oligarchie : "Deities likeness"

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Denn sie wollen nicht wissen, was er tut – die Vertikale der Macht unter Putin


Er stand noch ein wenig schüchtern in Armnähe zu seiner Mutter, 8 Jahre, nicht wissend , ob die Teufel der westlichen Zivilisation, die sich im Museum als Krampus- und Perchtenmasken artikulierten, wirklich nicht plötzlich zu Leben erwachen würden. Sie waren in großer Besetzung angerückt: die liebenswerte Privatchauffeurin aus München, die ob der Übernahme eines wohlbezahlten und eher seltenen Jobs so wirkte, als ob sie sich für solch kapitalistischen Frevel immer entschuldigen wollte. Etwas unglücklich wirkte auch die persönliche Übersetzerin: gemütliches Russisch-deutsch, aber ja kein Englisch. Hochragend mit Brille mitten unter all unseren tief von der Decke herunter hängenden Masken, vorsichtig bemüht sich in diesem Wirrwarr aus Teufelshörnern, Holzmasken und langhaarigen Fellapplikationen nicht eben jenes Wissenschaftlichkeit verkörpernde Attribut von der Nase stoßen zu lassen : der Herr Professor, was immer welcher Forschungsrichtung, der wie versichert wurde, in Privatbetreuung die Hauptperson, um die sich diese Geschichte eben dreht, wissenschaftlich nach außen hin zu bestätigen, nun und dann eben Olga.

Sie war ein ganz zierliches Persönchen, wirklich hübsch, sehr aufmerksam und zuvorkommend, fast schüchtern. Sie wirkte schlicht und locker gekleidet, wobei ein kurzer Blick schon verraten hätte, dass alles vom Feinsten war. Gerademal im Vorbeihuschen in den teuersten Geschäften Münchens gleich ums Eck zu Ihrem Hotel in der Maximilianstrasse musste sie wohl den frisch-flauschigen Pulli und die weißen fleckenlosen Turnschuhe ohne überlegen zu müssen, einfach mal so aus den Regalen gezogen haben. Sie nickte höflich, sprach nicht viel und lies die anderen machen.
So der von ihr sicher gut dotierte Herr Professor, ein paar russische Wörter an die Übersetzerin, Lob über Olga in Deutsch zurück an mich, ich dankte mit Blick auf Olga und den Professor in Englisch für den Besuch und das Interesse. Olga verstand Englisch, sprach aber selten, der Professor schon, die Übersetzerin nicht.

Der Professor erklärte mir, dass Olga eine ganz bekannte Fotografin und Bloggerin in Russland sei. Mit privatem Kapital versuche sie, durch Ihre Publikationen die Naturvölker am Aussterben zu hindern und da schon ein vielbeworbenes Buch: „Vulnerable“ verlegt hätte. Ein fast verletzend großer und schwerer opulent ausgestatteter Bildband wurde mir in die Hände gedrückt. Drinnen flächendeckend nobles Schwarz mit detailscharfen Portraitfotos prächtig geschmückter afrikanischer Krieger, unter der Last der Halsringe schmerzhaft duldender thailändischer Schlangenhalsfrauen und herausgeputzt erstarrter sibirischer Nomadenkinder.

„ You have been in the Omo-valley in Southern Etiopia ? “, wollte ich wissen. Der Professor erklärte, wie schwer es gewesen war, die schwere Kamera-ausrüstung und ein gänzlich vor Sonnenlicht schützendes fotographisches Zelt, in dem die ab zu lichtenden Stammesexemplare in vollem Ornat schwitzend der fotographischen Verewigung entgegen sehen mussten. Die Tortur des Transports für bezahlte Kräfte und der Aufnahmen selbst konnte ich mir vorstellen.

Auch ich und meine Frau hatten die wirklich einzigartigen und so unterschiedlichen Volksgruppen im Dreiländereck, Äthiopien, Sudan und Kenia vor 20 Jahren schon mal besucht.
Auch Tausende von anderen Erlebnisreisenden mussten mittlerweile durch die vielen Fotoprachtbände namhafter Autoren angelockt, diese Dorfgemeinschaften besucht haben. Schon zu meiner Zeit lähmte der angekündigte Besuch für Stunden den täglichen Ablauf in den Dörfern. Männer wie Frauen ließen Hirsestampfer , Feuerholzbündel und Feldhacken fallen, rannten geschäftig hin und her, versorgten sich mit Palmwedeln, Blattgirlanden, Fellstreifen und Erdfarben, um sich für die vom Besucher erwarteten Fotos zu kostümieren. Entlang des Zugangsweges, durch den wir ins Dorf geführt wurden, erstarrten sie dann im vollen Ornat zu lebenden Bildern.

„One foto one Dollar“ . Da ich gewohnt bin, lieber mit „Schnappschüssen“ einmalige Szenen fest zu halten, hielt ich den Foto gesenkt , erregte damit allerdings doch fast schon handgreifliche Wut bei den mit Kalashnikows und selbst gebauten Flinten durchaus wehrtüchtigen Männern. Sehr erregt wurde ich dann beim „Rutenlauf“ bis zum Dorfoberen begleitet, der uns begrüßte und um weitere Werbung in unserer Heimat für dieses Ereignis bat. Ihm übergab ich einen kleinen Betrag für das Wohl des gesamten Dorfes. Wie so ein Besuch wohl bei Olgas Erscheinen abgelaufen ist und was dieser sicher fürstlich gesponserte Aufenthalt jetzt für die Zukunft dieser Völker bedeutet hat ?

Im Norden Thailands hat Olga mit Ihrer gesamten Crew und Ausrüstung die Angehörigen der Minoritäten fotografiert, die dort im Norden in den unzugänglichen Wäldern leben , aber bei Chian Mei in einem in halbstündigen Rundgang leicht begehbaren abgeschlossenen Park wie in Wohngehegen vorgeführt werden: ein „Völkerzoo“ wie bei den Weltausstellungen des 19. Jhdts. Dort auch die sogenannten „Schlangenhalsfrauen“, die früher durch immer wieder zusätzlich um den Hals gelegte Bronzereifen Ihren Wohlstand zeigen mussten und dabei durch das Strecken der Wirbelzwischenräume, Abbau von Muskelstützgewebe einen langen schlanken Hals bekamen. Eine bei lebenslanger Dauer sehr schmerzhafte Pozedur. Hat das Olga gefallen, die auch mit diesen Unglücklichen Ihre sametschwarzen Seiten im Prachtband interessant macht? Der Professor sagt, Olga möchte diese in Ihrem Leben bedrohten Naturvölker bewahren helfen: „Vulnerable People“!

Olga kommt mit ganzer Crew, um die ungewöhnlichen Bräuche und Religionen der anderen Völker durch eindrucksvolle Fotos unserer Masken zu bewahren und bekannt zu machen. Ein opulenter Bildband ist geplant. Das ist schön für ein mit wenig Geld finanziertes Museum, sagt der Professor.
Olga entlohnt mich fürstlich für die Fotos und den Zeitaufwand im Maskenmuseum Diedorf.
Kurze Texte zu unterschiedlichen Bereichen werden bei mir angefordert und ebenso honorig entlohnt. Gute kurze Texte zu schreiben macht auch viel Freude und ist auch für die Führungen im Museum von Vorteil.

https://olgamichi.com/en/projects/deity-s-likeness...

Das Buch: „ Deities likeness“ erscheint: Ich denke, es ist eine Katastrophe: Olga hat die Masken, die ja als Kulturgüter genauso , wie sie sind, Wesentliches über Kultur, Menschen, Religionen erzählen, mit Computerprogrammen übermalt, so dass sie kaum mehr zu sehen sind, und Texte beigefügt, die gänzlich subjektiv und wenig sinnvoll deutend , leider immer an der Bedeutung und Verwendung der Masken in eben jenen darzustellenden Kulturen vorbei gehen. Hatte ich Ihr eine feuerrote Maske der Senufo in der Elfenbeinküste aus Maske für die Feuerläufer dargestellt, so wird sie durch Ihre computertechnische Bearbeitung ganz nach Blau als Wassergeist tituliert, um über die Bedeutung des Wassers auf der Welt zu sinnieren. Olga sieht von der Welt nur, was Sie sehen will - alternative Unwahrheiten. Natürlich haben da meine Texte auch nicht rein gepasst.

Olga hat ja fürstlich dafür gezahlt. „ Deities likeness“ - die russische Oligarchie ist mächtig reich und einflussreich. Ich habe das Geld in die Ukrainehilfe einfließen lassen.
Über die alten Kulturträger im Buch zieht sich ein Schleier aufschreiend greller Blitze und Lichtstreifen.
Ich muss an die Detonationen und das aufblitzende Gewehr- und Bombenfeuer in den ukrainischen Städten denken.
Warum gelingt es uns immer wieder an Anderes zu denken und den Krieg für Momente zu vergessen?
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