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Vom Narr an sich! Von Harlekinaden, Clownerien, von Tricksters Tricksereien und anderen Spassmachern im internationalen Maskenmuseum

Glattlarve, Narro aus Oberndorf, Schnitzer Gehring
 
Totenmaske eines Adligen aus Mykene ("Agamemnon")
 
Griechische Gipsmaske auf Stoff
 
Totenmaske Beethoven
Diedorf: haus der kulturen | Da haben Sie Sich vorgenommen , Sie möchten den Abend mal so wieder aus ganzer Seele ablachen, wollen den Wohlfühlhormonhaushalt wieder auffüllen, möchten die Seele entkrampfen und einfach mit sich und der ganzen Welt zusammen glücklich sein und dann das !
Da blättern Sie erstmal stolze 50,-- Euro pro Person hin für Sich und dann auch nochmal soviel für Ihre Begleitung. Das kosten 2 Karten beim großen Fasnachtsball. Dann haben Sie anprobiert, abgenommen, verzichtet, Luft angehalten, Grimassen und Baucheinziehen geübt, bis Ihr altes Clownskostüm wieder passte und was ist: Nichts ist - der Ball fällt aus! Alle anderen Maskenfeiern selbst in kleinstem Rahmen ausverkauft!! Enttäuschend, aber dann noch ein einziger Lichtblick: Am nächsten Wochenende Karnevalsumzug in der Nachbargemeinde. Wieder maskiert, geschminkt, Grinsen geübt, dann Regen, Schneeregen!
Was nun?
Im Internet recherchieren! Masken, Ball, Event, Maskenlauf, Verkleidung, Fasnet, Fasching, Karnevalssitzung. Jetzt nur schnell alle relevanten Begriffe eingeben und dann kommt nur das:
www.maskenmuseum.de
Was?, Sie glauben nicht, daß man da nichts anderes angeboten bekommt?
Dann schauen Sie doch selber, probieren Sie ruhig auch in Ausländisch: ball du masque, mummery, masquerade, danca de mascara, festa des mascheres - und wieder:
www.maskenmuseum.de
Das glaubt man doch selber nicht!
Immer nur: www.maskenmuseum.de
Was soll das! Sie wollen Gaudi und etwas erleben, oder? Ein Museum, da waren Sie doch schon seit Ihrer Kindheit nicht mehr, das war ein Graus für Sie? Erinnern Sie Sich?
Warum sollte das ausgerechnet jetzt für Sie etwas bringen?
Sie klicken mal drauf - nur , weil ja sonst nichts anderes Relevantes angeboten wird. Man will ja nichts unversucht lassen!
Und da steht´s dann auch schwarz auf weiss - nun ja, da sind ja doch noch eine Menge an farbenfrohen Bildern dazwischen:
Dieses Museum ist wirklich spannend und da sind ja auch Unmengen an eindrucksvollen, grausligen, lustigen, karikierten, abschreckenden, seltsamen, einfachen, künstlerischen Gesichtern drin. Gesichter, die Sie anstarren, die Ihnen Grimassen schneiden, die Sie in andere Länder entführen und jede dieser 5000 Gesichter kann Ihnen seine besondere Geschichte erzählen! Sicher finden Sie dort auch dasjenige, mit dem Sie ins Gespräch kommen wollen. Sie wollten doch lustige aber auch spannende Geschichten erzählt bekommen, stimmt´s?Sie wollten Sich gut unterhalten! Sie wollten Sich doch auch amüsieren, wenn ich mich richtig erinnere!


Vom Clown an sich, vom ewigen Tollpatsch:
Nun so geht es dann los!

Akt 1

Langobardische und griechische Totenmasken.
Das klingt ja furchtbar verstaubt und langweilig , vielleicht noch etwas gruselig oder eher noch traurig . Da kann man doch sicher niemand zum Lachen bringen, oder?
Vielleicht wollte man früher als langobardischer Großerbe der Nachbarschaft im Dorf beweisen, daß es dem Opa, der da im Grab lag, wahrscheinlich doch wohl ganz recht gewesen wäre, daß man sein Vermögen nicht gar so lange brach liegen liese ,sondern eher einfach so in aller Schnelle verzechte und verprasste. Was tun? Nun dann nimmt man ganz einfach diese eklige Maske aus verklebtem Tuch von seinem eingetrockneten Schädel, die ihn noch weit über den Tod hinaus in seinen letzten Jahren bewahren sollte und gibt sie dem nächstbesten Sklaven oder einem billigen Schmierenkomödianten. Dann lässt man diesen Kerl mit Opas Totenmaske einfach bei der nächsten Familienfeier, zu der auch alle Verstorbenen eingeladen sind, wahre- unwahre Lobeshymnen auf seinen zugegeben missratenen Enkel herunterasseln. Jetzt werden die Nachbarn endlich sehen , daß man wirklich nur im Sinne des Verstorbenen gehandelt hat!

Akt 2
Sokrates und die Kyniker: Nicht philosophisch Verstiegenes, sondern ganz was Pragmatisches: Versuche nie jemandem besserwisserisch zu Deiner Meinung zu bekehren - das nervt und der andere blockt ab. Stell Dich im Gespräch eher unwissend und tollpatschig, Führe den anderen, indem Du ihn führen lässt. Stelle geschickt unwissende Fragen, die den anderen selbst auf den Deiner Meinung nach richtigen Weg bringen! So Klappt es!

Akt 3
Saturnalien - zum Donnerwetter bei Zeus, was heißt das?
Bei Römern und Griechen war es am Ende des alten Jahres- oder zu Beginn des Neuen für all die Diener und Sklaven erlaubt, in die Rolle Ihrer Herrn zu schlüpfen und diesen herzhaft auf solch lustige, weil ungewohnte Weise, die Meinung zu sagen, welche die als Diener verkleideten Herren, dann auch als solche zu respektieren hatten. Leider versteckt sich darin zwar nur eine verkehrte Welt, es entpuppt sich aber hiermit auch hilfreiches Rollenspiel, das zu besserem Verständnis führen sollte.

Akt 3
Comedia dell Arte oder einfach nur Volkstheater vom Dorfleben?
Jedes Dorf hat seine besonderen Typen, die ins Dorfleben hineingewachsen sind : Der Pfarrer, der Lehrer, der Dorftrottel, der Schelm - immer die gleichen Rollen, man weiss , was man erwarten sollte und dann wird die Handlung ein wenig durchgemischt und alles wird abwechslungsreich, spannend und lustig: Vielleicht wie "Schillerstrasse" zum Beispiel. Na ja schon interessanter, weil früher zur Zeit des Barock ja nicht ständig der Fernseher lief.

Akt 4
König Lear, die Lepra, die Pest, der Schandblock:
Nun stellen Sie Sich vor: der Fernseher läuft wirklich nicht mehr jeden Abend: Das ist schlimmer als die Pest! Was machen Sie dann? Nun (siehe oben) weil ja auch keine Karnevalsveranstaltung mehr freie Plätze hat, konnte ich Ihnen nur mit dem Museum drohen: hässliche Gesichter, zermartert und karikiert . Teurer Eintritt zu 5 Euro die Person mit Gruselführung oder 20,-- die Gruppe!!
Im Barock gab es das gratis! Zermarterte Gesichter: Lepra und Pest waren allgegenwärtig und falls gerade mal nicht in Ihrem eigenen Dorf, so gab es ja auch Schandpfahl und Marter, da wo man unerwünschte Leute quälte, bis sich Ihre Gesichter im Schmerz verzerrten. Geschmacklos aber billig, was meinen Sie? Ja doch: Man lachte über die von Krankheit und Schicksal gezeichneten. Halb froh darüber, daß man nicht selber betroffen war, halb aus purer Neugier gaffend und gleichzeitig von all dem Schlimmen erschreckt. Man lachte über den buckligen Zwerg, den hinkenden Tollpatsch, den sabernden Alten.

Akt 5
Der Dorfschreck
Nun diesen alten Herrn, dem gelegentlich mal ein Tröpfchen aus dem Mundwinkel lief, kennen wir ja aus unserer Kindheit –das war ein einprägsames Bild . Aber auch diese alte Frau, die sich so wie eine 16-jährige schminkte, fiel im Dorf auf . Besonders erschrocken waren wir aber über den alten Kriegsveteran, dem ein Auge und das halbe Gesicht fehlte, und wir hätten zu gern die Mama an gestupft und gefragt, warum die denn so häßlich, so ungewohnt aussehen mußten. Unser Anstand, den man uns beigebracht hatte, schloß das allerdings aus. Aber der Karl vom Nachbarn, der konnte diese alte Frau (die keinen abgekriegt hatte, wie sein Vater immer sagte) der Karl, der konnte „d ólle Vettel“ super nachmachen, so daß wir alle herzhaft lachen mußten. Genau solche „ ungewohnt aussehenden“ Leute, waren beim Faschingsspiel auf den Dörfern, aber immer gerne getragene Masken. Sie konnte man zum Narren machen.

Akt 6
Des Königs Narr:
Nur Kinder und Narren sagen die Wahrheit, weil man nur Ihnen diesen quasi unwissend geplapperten Frevel zugesteht. Der kleine Bucklige, des Königs Hofnarr, durfte nur lästern, weil man auf ihn herabsehen konnte, weil man die Wut über das Gesagte in Verachtung umwandeln konnte. Nun Narren konnten naturlich auch köstlich unterhalten, lustige Spässe inclusive.

Akt 7
Und da war natürlich auch Ullenspiegel
All jene Hofnarren und weisse Berater , die man nicht nur von oben betrachtete ,sondern auf deren verborgenen orakelhaften Rat die Herrschenden nolens-volens hörten.
Also wissen Sie! Als Kind fand ich Eulenspiegel mit all seinen belehrend unverständlichen eher fast moralisierenden Geschichten fast schon wieder langweilig, Ging es Ihnen ähnlich?

Akt 8
Loki und Prometheus.
In allen alten Religionen finden sich Götter und Helden, die innerhalb des Götter- und Heldenhimmels dadurch brillierten, daß sie dem in ihrem Ablauf genau geregelten Zusammensein der Himmlischen mit chaotischen Scherzen und Streichen eine neue Wendung gaben. Das habe ich mit Erwartung gelesen. Auf diese Art und Weise kam ja das Feuer zu den Menschen und Witz und Spannung in die Geschichte.

Akt 9
All the tricksters.
Sie erinnern sich an diesen Zeichentrickfilm, in dem ein aberwitziger Kojote seine Streiche spielt und dafür immer wieder in die Luft gesprengt oder anderweitig in Mitleidenschaft gezogen wird? Nun diese Geschichte entstammt der Mythologie der Navajo und anderer wüstenbewohnender Indianervölker Nordamerikas : Das ist Trickster! Das ist aber auch Prometheus in Tierform . Das ist der Ulkvogel, über dessen Missgeschick man sich freut, und dessen Taten man genießt - so ein selbstloser Narr!
Auch viele der Affen,- und Hühnermasken Afrikas kann man hier einordnen, die Clownmasken, die Mudthrower der Hopi-indianer ebenso wie die grinsenden Seehundmasken der Inuit, die Bonges-masken mit ebenso traurigen wie auch karikierenden Kranheitssymptomen in Bali, die Pockennarbigen aus Hahoe in Südkorea und bei den Cherokee der Smokey-montains .Über Tier- und Krankheitsmasken läßt sich lachen. Über das Fremde aber auch. Der Pockennarbige bei den Indianervölkern ist der weisse Eindringling, der sich überall mit Gewalt unbeliebt macht.

Akt 10
Carne vale, Karneval. Fleisch leb´ wohl und alle Freude auch !
Aber warum alle in Uniform mit Dreispitz gar . Der Franzose war´s , dessen adrettes forsches Auftreten man ja im 19. Jhdt. insgeheim bewunderte, den man als Erbfeind um wirtschaftliche Interessen aber gezwungen war anzufeinden, über ihn sollte man sich lustigmachen. Aber heute: Wollemerehnreinlasse?Schunkel,schunkel, kille,kille, wer darf hier heute über wen lachen? Ekelhaft abwertend, spöttisch sind wir zu Fremden: Die Kerner mit ihrer Hucken, die bis ins Inntal herabsteigen und dort als Zugereiste zu Groteskmasken geschnitzt werden , die Rotschägata (zerlumpt Gekleideten) im Lötschental, die blaue Jöid in der Rhön. Sie waren fremd und deshalb immer schon Auslöser von Spott und Verfolgung.

Akt 11
Weissnarr und Glattlarve
Warum lacht man aber über diesen Weissnarren, dieses glatte, fein geschnittene und fast jugendliche Gesicht, dieses Gesicht, das so zurückhaltend, so wenig angreifbar erscheint?
Haben Sie Sich das noch nie gefragt? Was soll denn dieser Harlekin in seinen schönen weissen Gewändern im Zirkus? Die Clowns machen blöde Spässe, stürzen, fallen kugeln herum. Da lacht sichs leicht, oder?
Aber diese Weissgeschminkten, sauber weiss Gekleideten mit edlen Rüschchen, die sind doch gar nicht lustig, die sind doch eher abweissend. Ohne Makel ohne Witz, oder?
Diese weder männlich noch weiblich, weder alt noch jung gehaltenen Einheitsmaskengesichter der Barocklarven waren vom Spielcharakter her völlig uninteressant. Aber sie konnten gut verhüllen und das Gesicht hinter der Maske verstecken. War jemand an Lepra, Pocken oder Pest erkrankt, so wollte er solch elend körperliches Gebrechen, welches ihm so deutlich ins Gesicht geschrieben war, naturlich verbergen. Der Kranke war aber auch verpflichtet, zu verhindern, daß sein furchtbares und als unzumutbar angesehenes Äußeres ganz unverhüllt ohne Tücher und Maske die Blicke der Allgemeinheit verletze. Glattlarven, Barocklarven waren dünngeschnitzt, edel , mehrschichtig grundiert bemalt und damit teuer - leider nur was für Reiche.
Letzter Luxus vor dem Tod. Bei Masken wie den Flecklesleuten in Oberfranken wie dem Fasenickl aus Kipfenberg mit Schellenaufsatz, damit man den "Gelbsüchtigen ("Göisucht) auch schon von weitem hören kann, wird dieser Zusammenhang deutlich.

Worüber lachen wir?
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1 Kommentar
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www.maskenmuseum.de michael stöhr aus Diedorf | 23.01.2010 | 23:03  
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