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Panta rei - oder: warum die Masken laufen, woher sie kamen

Schönperchten aus Oberammergau
 
Gips- und Tuchmaske aus Magna Graecia
 
Arlecino, Ledermaske aus der Comedia dell arte
Panta rei: alles fliesst - das Leben ist vergänglich.... nun wir wissen das natürlich.... und erneuert sich in jedem Frühling .... wir schöpfen daraus Trost und Freude.
Aber die Freude über die aufkeimende Natur will immer so lange auf sich warten lassen.
Laßt uns doch unsere Freude in die Natur hinaustragen, vielleicht lässt sie sich dann schneller erwecken!

Kaum ist der letzte Schnee geschmolzen, sieht man im Ladino und in Südslovenien blumengeschmückte junge Männer von Dorf zu Dorf und über die Felder laufen. Der Frühling kann kommen.

Maskenspiel und Maskenlauf

'''Maskenspiele''' waren im Europa der Renaissance und vor allem in der italienischen Frührenaissance eine Form der theatralischen wie auch zunächst volkstümlichen Unterhaltung.

Wie im Narrenwiki zu Maske in der Bergriffserklärung angedeutet (Maske = Masche), entwickelte sich bei den Langobarden um Venedig aus einem Totenkult ein Repräsentationsspiel mit der Maske des Toten. Ein Familienangehöriger, Sklave oder bezahlter Schauspieler trug die Maske (bemalt und unbemalt) aus kaschiertem Leinengewebe als Teil der Körperbandage ,um den Toten in frei erfundenen oder nachgespielten Situationen wieder zu verkörpern.

Das bleiche Tuchgesicht des Toten wurde Vorbild für den Arlecchino und vor Allem die späteren Weißnarren. Die Geister der Verstorbenen (Lares - Larve) konnten offensichtlich auch bei den Römern so wie in anderen Kulturkreisen ( z.B.: Mexiko) an bestimmten Feier,- und auch persönlichen Gedenktagen in Person des Schauspielers zu Rate gezogen werden.

Neben dieser eher barbarisch langobardischen Tradition spielen auch die Aktivitäten der römischen Saturnalien mit in die frühen Maskenspiele hinein. Dort und nur an diesem Tag war es den Armen und den Sklaven erlaubt, in die Rolle Ihrer Herrn zu schlüpfen. Endlich war es dem Gesinde erlaubt, einmal schlemmerisch zu speisen, sich von den Herren bedienen zu lassen, diese in lustigem Spiel nachzuäffen ( verkehrte Welt) und evtl. natürlich auch nach Herzenslust die Meinung zu sagen.

Ein Konglomerat dieser Bräuche hielt sich wohl über das Mittelalter im Maskenspiel der Volksschausteller auf den Marktplätzen vor der Kirche. Dort galt es durch einen moralisierenden Inhalt der Zensur für solch lästerlich lustiges Treiben zu entgehen. Erste Formen eines auch lustigen Totentanzes als Vorform vom Bad Mittendorfer Armenspiel und Salzburger Jedermann stammen schon aus dieser Zeit.

Hier im Salzkammergut wird auch heute noch beim Nikolauslauf der arme und damit zu Kirchspenden unfähige Tunichtgut, der den letzten Groschen lieber für körperliche Genüsse ausgibt, vom Tod und den Teufeln abgeholt. Die Eintritt zahlende und zu Spenden bereite, weil etwas reichere, Handwerkerschicht des Mittelalters wie auch der Klerus fühlte sich wohl durch ähnliche Moralitäten bestätigt. Der hieraus umgeschriebene "Jedermann" zog ursprünglich andere Zuschauerschichten nach Salzburg.

In der Spätrenaissance hält der pfiffige Narr beim Maskenspiel den noblen Herren den Spiegel hin, indem er mit Ungeschick und Peinlichkeit die Oberschicht äffisch nachahmt. Im Barock und Rokoko fanden bei burleskem Spiel auch die Herren wieder Gefallen an dieser verkehrten Welt, den tölpelhaften Streichen der maskierten Schausteller bei der Commedia del Arte. Höfische Maskenspiele, eine Mischung aus Kostümfest, Theaterstück und Ball, sowie die Masques sind Vorformen der Oper.

Das einfache Volkstheater wanderte mit den Schaustellern verstärkt durch anderes "Gesindel" auf der Walz von Dorffest zu Dorffest und verdiente sich in den Wirtstuben und vor den Gutshöfen eher bettelnd denn über festen Eintritt sein Einkommen (winterliche Heische-bräuche).

Gerade in den großen Fasnachten im Inntal spielen die Maskentypen dieser über die Alpenpässe wandernden Gelegenheitsarbeiter und Huckepack-händler eine wichtige Rolle. Sie verweisen auch darauf, dass das Spiel der Marktplätze in Oberitalien sich quer durch die Alpen sogar bis in die schwäbisch-alemannische Fasnacht hinein auswirkte.

Die wie in der Antike ursprünglich aus Stoff gefertigten Larven haben sich vor Allem in Bergamo im Laienspiel noch so erhalten. Leder, wie bei den Masken der Commedia del Arte, gab es eher im höfischen Theater südlich der Alpen. Die Herstellung von Ledermasken setzt spezifisch hohe handwerkliche Fähigkeiten voraus. Leder,- wie geklebte Stoffmasken sind für den Einsatz unter freiem Himmel und im Regen eher ungeeignet.

In den Alpentälern, über das Ladinische , bis ins Inntal und die Schweiz setzten sich daher grob behauene Holzlarven durch. Lediglich einige wenige nach Norden in Wanderarbeit gehende Kirchenmaler und Restauratoren aus Venedig und Norditalien machten die holzgeschnitzten Masken zu feingesichtigen und dünnwandigen Kunstwerken im Werdenfelser Land, Inntal und bei den schwäbisch-alemannischen Barocklarven.


Anders der Maskenlauf:

Aus den ursprünglich kultischen Fruchtbarkeitsläufen der Dionysischen Mysterien entwickelten sich in Italien prachtvolle Umzüge mit prunkvoll maskierten und kostümierten Gestalten und fantasiereiche Maskenspiele.
Ebenso wie beim Krampuslauf, der sich ja aus dem thrakischen Mithras-kult entwickelt hat, sorgten die römischen Soldaten auch über das gesamte Alpengebiet bis zur Donau für eine schnelle Verbreitung dieser Erlösungs,- und Fruchtbarkeitskulte.

Erst als Konstantin, der die Gefahr einer Revolte unter den Soldaten aufgeputscht durch die Heerführer (teilweise auch Oberhäupter des Kultwesens) befürchtete und deshalb das Christentum als harmlosere Variante zur Staatsreligion erklärte, wurden Heiligtümer beider Religionen mit Kirchen überbaut, die Heilsfiguren ausgetauscht (Mithras - Apoll - Sol invictus - Christus) und die kultischen Sonnwend-tage mit christlichen Namens-, und Geburtstagen überlagert.

Der Stiergott (Krampus), der ziegenbeinige Pan, der trunkene Dionysos durften an anderen Tagen im Narrenschiff ( dem Sonnenwagen einer verkehrten Welt) vor der Fastenzeit noch ein wenig für Unruhe sorgen oder sollten in Erinnerung längst vergessener Kulte durch die Felder laufend Tier, Mensch und Natur Fruchtbarkeit und Heil bringen.

Berühmt ist aber bis heute auch der historische Maskenzug beim [[Karneval in Venedig]], der auf dem Markusplatz endet.
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2 Kommentare
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Peter-Michael Köhler aus Ronnenberg | 11.10.2009 | 08:13  
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michael stoehr aus Diedorf | 19.12.2017 | 21:14  
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