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Mode und Maske

ko-oh-mote, maske der schönen Frau aus dem Japanischen Noh-theater
 
Maske des rundlichen Glücks (Okame)aus dem japanischen Nohtheater
 
Make des grauen Alters aus dem japanischen Noh-theater
Diedorf: haus der kultur(en) | Mode und Maske

Da hat man als Kunstlehrer über Jahre hinweg in der Unterstufe einen netten ruhigen, vielleicht eher etwas klein und ein wenig pummelig wirkenden Schüler und plötzlich mitten in der Pubertät lässt er die Haare lang wachsen, färbt sie grün oder knetet sie kunstvoll zu Threads um. Was sagt man da?
Nun als Lehrer weiß man natürlich, dass es für jeden notwendig ist, sich selbst an den Reaktionen der Anderen zu finden, dass man aus diesem Grunde auch natürlich sehr gerne in den Blickpunkt zu rücken, ganz besonders natürlich auch dann, wenn das Interesse am anderen Geschlecht erwacht.
Als Kunstlehrer wird man im Besonderen einmal, um den Mut zur Selbstdarstellung und Kreativität zu fördern, um andererseits die Wahrnehmung zu schärfen und vielleicht auch, weil man den Schüler insgeheim fast schon bewundert, weil er sich im Gegensatz zur biederen Beamtenwelt, dem vorwiegend grau orientierten Outfit des Schullehrers „halt endlich mal was traut“. Nun was wird man also sagen?
Selbst wenn man wie ich eher durch eine weitgehend verschwundene Haarpracht brilliert, wird man dann halt sagen: „Spitze! Wenn ich könnte, hätte ich auch gerne so lustig bunte Haare.“
Ich hoffe Sie können einem in Moderichtungen wohl eher etwas unerfahrenen und „wurschtigem“ Menschen hier zustimmen: Es gibt es in der Mode sicher zwei grundsätzlich verschiedene Pole:
Schick oder schräg. Zurückhaltend formreduzierte Noblesse oder Addition blickfang fördernder Einzelelemente –könnte man das so sagen?
Nun diese Noblesse neigt vielleicht, wie auch das fade und meist wenig überlegte Outfit eines Lehrers, ein wenig dazu, sich hinter der Kleidung einfach verstecken zu können, ohne
groß Rechenschaft darüber ablegen zu müssen. Edle Tuche –je nach gesellschaftlicher Verpflichtung ja oder nein, schwerer Stoff - leichter Stoff, länger –kürzer je nach Klima hellgrau, dunkelgrau, marineblau je nach Anlass. Mutig der Farbtupfer eines Schals oder einer Krawatte: Ist das alles?
Andererseits : erlaubt ist, was Blicke fängt? Man versucht, sich in Szene zu setzen und eine für sich jeweils gewählte Rolle bestmöglich durch die Kleidung - manchmal genügt davon bekanntlich wenig – im Theater der Öffentlichkeit zum Glanz zu bringen. Manches dient wohl primär gerade auch der Partnersuche.
Nehmen wir Beispiele:
Brilliant wirkte auf mich in jugendlichen Jahren kurz nach der Pubertät, wie der spanische Surrealist Salvador Dali sich in Szene setzte, theatralisches Auftreten mit auffallend und fast vollkommen rund gedrehten Schnurrbartspitzen, die ich bei meiner Imitation mit den wenigen Haaren auf der Oberlippe bedauerlicherweise nie so ganz hin bekam.
Mit subjektiv empfundenem kleinerem Wuchs und damit eher weniger Aufmerksamkeit bei den Mädchen meiner Umgebung bestraft, wollte ich zumindest durch mein äußeres Erscheinungsbild den vermeintlichen Idolen entsprechen. So war mein liebstes Kleidungsstück ein Hawai-hemd mit großen Flower-power-blumen drauf. Mit einer ausgeliehenen Ausgabe eines Musikmagazins mit den gefönten Frisurenköpfen der Smallfaces auf dem Cover ging ich selbstbewusst zum Friseur: „ So möchte ich ausschauen!“
Mit Dauerwellen-föhnfrisur kam ich heraus und musste daheim im Spiegel fairerweise feststellen, dass obwohl der Friseur sicher sein Bestes gegeben hatte, leider wohl durch das Tupieren mein ohnedies damals etwas kindlich pummeliges Gesicht noch mehr in die Breite gegangen war. Zu den „Smallfaces“ hätte ich so sicher nicht gerechnet werden dürfen.

Ist das nun wirklich so, dass man als Mann kleineren Wuchs und daraus sicher resultierende fehlende Aufmerksamkeit in der Damenwelt durch auffälliges Äußeres, besondere Aktivitäten, also verstärktes Geltungsbewusstsein kompensieren will?
Das beste Beispiel wäre hier Napoleon, dem man das allgemein ja nach zu sagen pflegt.

Es geht ja um Mode:
Wie ist das dann mit Carl Lagerfeld? Ist das Beruf oder kultiviert er nicht geradezu auffällig sein Aussehen? Ist das die Kunst, sich selbst am Besten zu verwirklichen und zur Geltung zu bringen? Gibt es für jede Persönlichkeit wirklich den genau passenden Stil?
Kann man durch Kleidung wirklich seine Persönlichkeit ausdrücken? Oder ist eben alles nur immer eine durch die Textilindustrie gesteuerte Uniformierung, die jährlich wechselt, um den Konsum durch eigentlich unnötige Neukäufe zu sichern?

Keine Frage: Man soll sich natürlich nicht hinter dem Grau der Stangenware gleicher Anzüge uniform verstecken müssen. Auch das maßgeschneidert graue Edeltextil verhüllt und versteckt unsere Persönlichkeit nicht minder und offenbart nur den Inhalt des Geldbeutels, der sicher nur schlecht wiederum zur Kompensation manchmal fehlender anderweitig fehlender Persönlichkeitsmerkmale missbraucht wird.

Grau allerdings ist nicht rücksichtsvoll und edel!
Grau ist der schleichende Vampir unter den Nicht-Farben, der allem belebt Farbigen die Kraft heraus saugt. Das kann man auch deutlich über die Simultanwirkung der Farben nach weisen. Grau nimmt damit unserem Gesicht aber auch die Kraft des besonderen Ausdrucks.. So zumindest sahen es auch die Künstler der beginnenden Moderne bis hin zur Bauhaus-ästhetik. Bei einer Farbenlehre eins Johannes Itten treffen wir sogar auf bestimmte Farb-kombinations-typen der Persönlichkeit. Nun das ist dann schon sicher grob vereinfachendes Schubladendenken. Ich akzeptiere, wenn man nicht auffallen will. Wer Gefühle zeigt, eckt meist an.
Grau schluckt das Rot unseres Gesichtes, wenn wir in Rage geraten und überspielt das Weiß, wenn wir vor Schrecken bleich werden.

Schwarz tritt ebenso in den Hintergrund. Es unterstützt aber die Farbnuancen und lässt unsere Mimik besser zur Geltung kommen. Schwarz unterstützt deshalb auch unsere Persönlichkeit.
Schwarz schluckt nur alles Unwichtige. Weiß lässt durch breitere Möglichkeit in der Modellierung der Gesichtszüge mit Hell und Dunkel mehr Persönliches erkennen. Schwarz und Weiß sind deshalb auch die Farben der Pantomime und verhalfen der frühen Portraitfotografie und dem Stummfilm zu künstlerisch übersteigertem Ausdruck.
Nehme ich die Wirkung einer Kleidung zurück, unterstütze ich nicht dann im gleichen Zug auch meinen wirklich ganz persönlichen und sich stimmungsmäßig laufend Gesichtsausdruck und meine Körpersprache?
Ist von der Textilindustrie gesteuerte Modeästhetik nicht im Gegensatz dazu nur ein fixierendes starres Korsett?
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