Anzeige

Das Maskenmuseum Diedorf bei Augsburg: 2. Die Perchten,- und Krampusmasken der alpenländischen Winterbräuche

Eine Klappkiefer-Perchtenmaske aus dem Pongau vom Schnitzer Gangl sen. (1970-ger Jahre)
 
Buttenmandl Berchtesgaden von Marius Brandner
 
Badgastein
 
Bad Griesbach Percht der Klopfersleut
 
Rauris Schnitzer Reiter sen.
Diedorf: Maskenmuseum | Heutige Krampus- und Perchtenläufe und Ihre Ursprünge:

https://maskenmuseum.de/unser-bestand-an-masken-mi... (Hier der gesamteBestand des Maskenmuseums an Krampus,-Perchten,-Klaubäuf,-Teufel,- Buttenmandl,- Rauwuggl,-- und anderen Winterbrauchtumsmasken)

Die Griechischen Maskenspiele sollen aus dem Kult des Dionysos mit den Figuren der widder- und ziegenbocksähnlichen Satyrn um den Naturgott Pan entstanden sein. Die Figur des phallusschwingenden bocksbeinigen und ziegengehörnte Pan auf griechischen Vasenbildern soll im 7. Jhdt . nach Christus von den Päpsten zum Bild des Teufels umgedeutet worden sein (vorher findet man keine Teufelsdarstellungen). Der Krampus, der uns hier in Hunderten von Masken anschaut, ist die Entwicklung einer Maskenfigur aus den Weihnachtsspielen , bei der diese Schreckgestalt des Christentums den „bösen“ Kindermörder König Herodes oder auch unfolgsame Kinder selbst zur Strafe und als pädagogische Drohung mit in die Hölle nimmt.
Frau Perchta, eine Jahreszeitengöttin mit zwei Gesichtern, geht möglicherweise aus jungsteinzeitlichem Brauch über den griechischen Mythos von Persephone und die Mysterien von Eleusis in das Brauchtum ein. Persephone als Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter schenkt den Frühling mit Blumen und Kornaussaat. Hades entführt Persephone, so dass die Menschen hungern müssen. Demeter handelt mit Hades aus, dass Persephone –jetzt auch Todes- und Wintergöttin- die halbe Zeit zu Aussaat und Ernte oben bei den Menschen und den Rest der Jahreszeiten für den Winter und die Toten zuständig sein soll.. Sonnenmädchen und Winterhexe, Teufel und schöne Jungfrau sind die doppelgesichtigen Masken des Perchtenlaufes.
Die dionysischen Satyrtänze im Ziegen –oder Widderkostüm, der Kult um die Naturgöttin Artemis , den kult um den in die Unterwelt absteigenden Orpheus, der Mitraskult mit dem Stierbezwinger und Sonnengott Mitras, die Feuerkulte um Zoroaster und der Manichäismus sind alles Kulte, die später von römischen Soldaten und Legionären aus Thrakien und Kleinasien verbreitet wurden… in Konkurrenz zum Christentum und in der gleichen Hoffnung um Wiederauferstehung.
Konkurrenz wurde im Laufe der letzten tausend Jahre ausgeschaltet, Kultstätten überbaut, Feste umgedeutet. Frau Perchta wurde zur Hexe oder bösen Fee, Krampus ein unter Nikolaus Knute kettenschleppender Wüstling… und die Hintergründe sind leider längst vergessen, obwohl vor Allem das Krampuslaufen im Alpengebiet immer noch ungeheuren Zulauf unter den jungen Leuten hat.
Ohne jedes oder zumindest jedes zweite Jahr eine neu geschnitzte Holzmaske und ein neu gestyltes Fellkostüm vor zu weisen, ist man im Österreichischen Winter ja schon ziemlich out, zumal der geleaste Ferrari oder die liebevoll gepflegte Honda in der Garage überwintern muss.
Der große Maskenboom für Krampus- und Perchtenläufe und von Bildhauern geschnitzte Masken begann tatsächlich auch erst mit der Wirtschaftsblüte nach dem 2. Weltkrieg. Die dem wandelnden Geschmack des Publikums Sorge tragenden Maskenschnitzer hatten und haben seither Hochkonjunktur. Kultfilme beeinflussen den Stilgeschmack der jungen Leute und so folgt den Vampirfilmen der Alienboom, den lebenden Toten folgen die Orks aus dem „Herrn der Ringe“, um nur einige zu nennen. Heute scheint der Trend wieder zu „ Brauchtumsmasken“, also traditionell älteren Formen zu gehen, allerdings werden dabei lokale Einschränkungen weitgehend übersehen.
In früheren Zeiten msste man sich seine Teufelsmaske entweder aus dem Kirchenfundus für das Weihnachts- und Osterspiel ausleihen, oder mit primitivem Werkzeug wie einem scharf geschliffenen Schraubenzieher oder Meisel oder einem größeren Messer aus einem dicken Holzbrett notdürftig selber schnitzen. Zusammen mit dem heiligen Nikolaus, evtl. einem gabenspenden Engerl oder einem korbtragenden Knecht, dem Bartl, zog man von Haus zu Haus.
Gab es Perchtenläufe, bei denen die jungen Burschen mit prachtvoll geschmückten Hüten und blumenbekränzten Kopfaufsätzen die jugendlich schöne Frühlingszeit mimten, so durften diese wilden Tuiflmasken als Wüaschtperchten in schneeweißen zottigen Schaffellen für den kalten Winter stehen.
Im Alpengebiet des 20. Jhdts .hat man dagegen zwischen den zwei Maskenoccasionen im Winter eindeutig und genau unterschieden: Der Krampus oder Tuifl hat 2 Hörner und ein eher menschlich Aussehen, die Perchten mit Ihren vielen Hornaufsätzen erinnern dagegen mehr an tierische, drachenhaft dämonische Wesen. Oft liegen die Masken heute freilich auch dazwischen, damit die jungen Leute mit ihrem teuren Hobby zu möglichst vielen Veranstaltungen der Winterbräuche gehen können.

Die lokal unterschiedlichen Maskentypen

Tatsächlich haben sich aber im Laufe der Geschichte lokal doch unterschiedliche Maskenformen und Festabläufe gebildet. Und Die stelle ich nun im Einzelnen vor. Bei uns im Bayerischen Wald und Teilen Niederbayerns sagt man zu den verschiedenen Figuren des Perchtenlaufs: Rauhwuggl (rauhe Gesellen). Darunter gibt es im Einzelnen die blinde Luz (eine wüschte Form der als Märtyrerin geblendeten Santa Lucia), den bluatigen Thammerl (Die böse Kehrseite des heiligen Thomas) und die Hoabageiss (Ein tierisches Neckwesen Halb Ziegenbock halb –Geiss und wie der sagenhafte Wolpertinger mit etlichen fremdem tierischen Erbgut vermischt). Bei der Gestaltung der anderen tierisch-menschlichen Rauhwuggl sind dann der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Lokale Sagen und mythische Personen finden sich in den Masken wieder.
Ähnlich festgelegte Maskenfiguren aus der Sagenwelt des Untersberg bei Salzburg sind bei der „Wilden Jagd“ der Riese Abfalter, das Moosweibl, die um den Berg kreisenden Raben u. a.
Ebenfalls im Umfeld der Perchten an zusetzen, sind im Berchtesgadener Land die Buttenmandl. Ihre ursprüngliche Bekleidung aus ausgedroschenen Strohähren zeigt einmal, dass es auch ohne Felltrophäen geht, andererseits aber auch, dass , so wie bei den Strohbären und Pfingstlümmeln, einem Maibrauch, hier ein früher Fruchtbarkeitskult ursprünglich zu Grunde liegt. Holzmasken sind hier meist durchwegs tierisch und scheinen den griechischen Satyrn und Waldbewohnern sehr nahe zu stehen.
Auch einfache Fellmasken mit heraushängender Zunge sind wie im gesamten deutschen Alpengebiet, so wie bei den „Klausen“, den wilden Begleitern des Nikolaus im Sonthofener Allgäu bei den Buttenmandln als Teufelgestalten mit dabei und schließen den Bogen zu den Jägerkulturen der Steinzeit mit Ihren Tierverkleidungen lückenlos zurück. Die Klausen im Allgäu tragen außerdem wie Ihre steinzeitlichen Vorformen montierte Schädelkalotten mit Geweih oder Horn.
Dieser Schattenseite des Perchtengefolges in Form der tierisch wilden Klausen im Allgäu stehen die beleuchteten Lichterperchten, die Schönklausen in der Zentralschweiz und in Ebensee und die schönen Kopfaufsätze im Appenzeller Land gegenüber. Dort wiederum gibt es auch mit Tannenzweigen ,Baumbartflechten und Tiertrophäen wild gestylte Wüaschte.
Besondere Inseln mit traditionell alten Maskenformen der Winterbräuche vor Allem des Perchtenbrauchtums finden sich in den Nebentälern der Salzach: Im Gasteiner Tal finden Sich sogar zwischen Obertal ( Badgastein) mit ursprünglich sehr einfachen bretthaft reduzierten Larven mit vielen Hörnern, Mitte (Hofgastein) mit eher hexenhaft oder menschlicheren Formen, und schließlich Dorfgastein mit bildhauerisch raumgreifend phantasievollen Formen deutliche Unterschiede. Der Perchtenlauf im Gasteinertal und auch in anderen Gebieten der oberen Salzach wird mit vielen unterschiedlichsten Kostümfiguren als echter Umzug durchs Dorf von fast allen Dorfangehörigen mit getragen. Neben den beiden Hauptgruppen Schönperchten und Wüaschtperchten mit unterschiedlich gestalteten Kopfaufsätzen gibt es eben die beschrieben Teufel, die Bären, die Habergeiss, verschiedene Berufs,- und Trachtengruppen, die sich in den Zug einordnen.
Weniger umfangreich, etwas ursprünglich einfacher der Perchtenumzug und die Maskenform der tierisch Wüaschten im Rauriser Tal. Erkennungszeichen ist hier die heraushängende Zunge.
Auch in Stuhlfelden, Goldegg und im Großarler Tal gibt es Perchtenumzüge.
Im Embacher Tal, in Kaprun, im Habacher Tal bei Bramberg, in Krimml am Gerloospass wird mit großen Perchtenmasken in den Farben Schwarz (Dunkelheit ,Tod) , Weiss (Licht, Himmel) und Rot (Blut, Leben) an die ursprünglichen Kulte der Mutter,- und Fruchtbarkeitsgöttin Perchta erinnert.
Über die Pässe bei Krimml vollzog sich in frühen Tagen der Handel und auch der Kulturaustausch zu Ost-tirol und Südtirol, aus dem wohl die Tradition der Weihnachtsspiele an die Salzach kam und sich weiter über Enns- und Murtal nach Westen ausbreitete.
So zeigt das Nicolospiel von Bad Mitterndorf deutliche Anklänge an alte Südtiroler und Salzachtaler Weihnachtsbräuche. Der Nikolauskommt mit seinen fellgekleideten, kettenklirrenden Kramperln, die dann draußen vor dem Haus bleiben müssen. von Haus zu Haus, examiniert die Kinder auf Bibelwissen und Folgsamkeit. Wer durchfällt, verschwindet im Korb des Bartl und wird mit genommen. Der tanzfreudige und lebenslustige Bettelmann kann kein Almosen an die Kirche zahlen und wird zur Strafe vom Tod ereilt. Strohummantelte „Strohschaben“ und die mehrere Meter hohe Habergeiß umranden das Spiel in den Gasstuben vor dem Haus mit Peitschenknall und Schabernack.
Im Pongau und im Lunggau tragen die Wüaschtperchten seit dem letzten Jahrhunder t große fantasievoll gestaltete Klappkiefermasken.
Im Salzburger Umland finden sich wohl die historischen Vorläufer des Barock und des 19. Jhdts., die als kleine drachenähnlich gestaltete fantasievoll überbordende Masken an die Ungeheuer des Hieronymus Bosch erinnern und bei Kirchenspielen verwendet wurden. Heute sind sie natürlich alle in Salzburger oder Innsbrucker Museen bewahrt.
In der Exclave Osttirol dürfen die Teufelsmasken mit in die Stuben, um die Familien hinter die Tische gedrückt ,zur Herausgabe der Kinder zu zwingen.. Deshalb sind dort bei den Ungeheuern, den Klaubäuf, zwar recht wuchtige Burschen unter den schweren Masken versteckt, die langen Tierhörner aber fehlen wohlweislich.
Am mittleren Inn in Breitenbach und Angerbach im Umkreis Wörgl, erkennt man bei den sehr wilden Perchtenmasken, den „Peaschtln“, noch viel von der bildhauerischen Herkunft aus barockem Kirchenfundus.
Am oberen Inn und seinen Tälern (Kauner, Ötz,- und Pitztal, Landeck, Arlpass) gab es ursprünglich nur wenige Krampus,- und gar keine Perchtenmasken. Heutige Bildhauer schaffen traditionell anmutende schöne Teufel ebenso wie moderne Filmadaptionen.

Eine Sonderrolle nehmen die Perchten von Kirchseeon ein. Hans Reupold sen. schuf kurz nach dem zweiten Weltkrieg wohl oft aus großen Wurzelstöcken weit ausladende und phantasievolle Tiergeschöpfe Und mythisch anmutende Sagenwesen. Anklänge dazu fand er vor allem bei den hornlosen Klaubaufmasken Osttirols und den alten Dämonenmasken Salzburger Brauchtums. Holzfäller aus Österreich sollen dort in Kirchseeon schon im 19. Jhdt. den Perchtenlauf eingeführt haben.
Mit seinen ungewöhnlichen Masken und dem gut einstudierten abwechslungsreichen Perchtentanz ist Kirchseeon sicher das Highlight der alpenländischen Maskenveranstaltungen im Winter.
In kommenden Jahren soll dort mit den eigenen Masken und circa 150 Dauerleihgaben aus dem internationalen Maskenmuseum Diedorf das Perchtenmuseum „ Maskeum“ eingerichtet werden.
Seit einigen Jahren kann man auch einige der traditionell alten Masken des internationalen Maskenmuseums Diedorf beim Perchtenspektakel vor der Schmuttertalhalle in Diedorf bewundern.
Winterbräuche zum alten Jahreswechsel Ende Januar mit tierischem Maskenbezug gibt es in vielen abgelegenen Gebirgsgegenden Europas, in denen sich altes Brauchtum unbeeinflusst halten konnte. Dazu zählen z.B. die zentralen Gebirgszüge der iberischen Halbinsel. Da das dort verwendete Kastanienholz hart ist und nur derbe schwere Formen zulässt, werden die Tier,- und Teufelmasken gerne auch aus Blech und Leder gefertigt. Auch in Wallonien, im Baskenland und in den Pyrenäen gibt es entsprechende Maskenformen aus den Gegensätzen der Winter- und Frühlingskräfte. Die munter belebte Bärenmaske (Frühling) im Streit mit dem griesgrämig alten Bärentreiber(Winter) steht dort aber auch in vielen anderen Gegenden Europas so besonders im Tiroler Oberland und den slawischen Ländern für den Kampf der Jahreszeiten.
In Osteuropa vor Allem in Bulgarien, Rumänien, Serbien, ungarn und Kroatien sind wilde Tiergestalten Anlehnung an die uralten Bräuche der Donaukulturen und die Wiedergeburtsreligionen der späten Antike und Völkerwanderungszeit. Der Mitraskult fußte und entwickelte sich aus Persien kommend bei den Thrakern, Mazedonen und Illyrern, ebenso wie orphische, dionysische und eleusinische Fruchtbarkeitskulte. Hohe Feder- und Pelzaufsätze gibt es vor Allem bei den Kukeri um Pernik in Bulgarien und in Ptuj im Norden Sloveniens. Deutlich für den Mitras-stierkult und seine Verbreitung durch die Römischen Soldaten sprechen die Bosojares in Ungarn ebenso wie die Stiermasken im Distrikt Zamorra in Spanien.
Wer unseren ganzen Bestand an Krampus-, Perchten,- klaubäuf-, Teufel,- und winterbrauchsmasken sehen will, klickt sich auf unserer Homepage: www.maskenmuseum.de durch dieeinzelnen Sparten:
1
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
1 Kommentar
145
Georg Zausinger aus Reimlingen | 23.01.2019 | 13:41  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.