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Das internationale Maskenmuseum in Diedorf

Der Herr der Masken zwischen Masken aus der Gegend von Mittenwald
 
Eine 2000 Jahre alte Maske aus der ägyptischen Kultur
 
Maske aus getrocknetem Yak-dung (fremdländischer "Kuhpfladen") aus Tibet
Diedorf: Maskenmuseum | Nebel ist vom kleinen Berg mit der kleinen Zwiebelturm bekrönten Kirche heruntergezogen und zieht geheimnisvoll um das Bauernhaus an der Bundesstrasse in Diedorf herum. Eine Gruppe aus zwei Erwachsenen und mehreren Kindern hat sich mutig und mit Taschenlampen bewaffnet so spät am Abend vor dem Eingang zum Maskenmuseum versammelt. Es ist schon wieder kühl geworden jetzt um 9 Uhr und die Kinder frösteln ein wenig. Ist es jetzt Kälte oder die angespannte Erwartung, die sie befallen hat?. Dort an der Tür der Lindenstrasse 1 befindet sich ein Sprechfunkgerät und eine ausführliche Beschreibung: "Hallo Herr Stöhr wir sind schon etwas früher da. Würden Sie uns bitte zu einer Gruselführung begleiten?" "Gerne, in 5 Minuten bin ich bei Ihnen" Nur wenig davon ist vergangen, da schlängelt sich gewandt ein kleiner dunkelgekleideter Herr mit Brille und Schnauzbart durch den Feierabendverkehr der Bundesstraße.
Er begrüßt seine wartenden Gäste vor dem Haus und nestelt mit einem großen Schlüsselbund an der Eingangstüre herum: " Herrje schon wieder eingefroren!" murmelt er und dreht sich dann zu den Kindern herum: "Ihr müßt wissen, wir können aus Kostengründen das Museumsgebäude nicht beheizen. Hoffentlich seid ihr warm angezogen und habt auch warme Stiefel an den Füßen." Nachdem er mit etwas Rütteln das Schloß doch noch geöffnet hat, stapft er in das Dunkel des alten Hauses voraus und eine enge Treppe hoch. Die Kinder haben mitlerweile fast alle Ihre Taschenlampen an geknipst und folgen ihm gehorsam und etwas unsicher tapsend die knarrenden Stufen im alten Haus hinauf. An den Wänden hängen dicht an dicht grüngraue Hexen- und Dämonenlarven mit wirren Haaren und wildem Blick. Daneben glotzen feuerrote Teufelsmasken und bleiche Gespenster im Schein der suchend hin und herwandernden Lichtkegel auf die Kinder herab. Bis tief unter die Dachschräge sieht man die Augen schwarzer Fratzen mit rot herausheraushängenden Zungen herausleuchten. " Darf man die auch anlangen?" kommt immer wieder die Frage, die manche Eltern kalt überrascht und dabei in Erinnerung an sonstige Museumsgewohnheiten schnell abwinken läßt." " Natürlich könnt ihr, wenn wir uns überall ein wenig umgeschaut haben, auch die eine und andere Maske selber aufsetzen, denn dazu sind Masken ja da." verspricht der verständnisvolle Führer. "Ein paar der ganz alten Masken sind allerdings zu empfindlich und darum ist es wichtig, daß ihr mich vorher fragt. Da gibt es zum Beispiel diese 2000 Jahre alte Totenmaske aus der Zeit der spät-ägyptischen Pharaonen - Ihr seht da sind im Gipsüberzug schon Risse oder diese Maske aus der Südsee, die aus mitlerweile vertrockneten Blättern gemacht ist - die würden jetzt ja schon beim Anlangen zerbröseln oder auch diese Maske vom Amazonas aus wertvollen leuchtend bunten Papageien-federn würde viel zu schnell zerdrückt werden. Manches ist vielleicht auch Euch ein wenig zu unhygienisch, wie diese Maske aus Tibet. Weil dort in großer Höhe ja keine Bäume mehr wachsen, verwenden die Leute getrockneten Yak-dung statt Holz zum Feuermachen und dann auch manchmal zum Maskenmachen. Aber da werdet ihr sicher noch viele andere Masken aus Holz- , Knochen, Metall, Leder, Stoff, Korbgeflecht, Schildkrötenpanzer, Gummi, Papiermaschee und Plastik finden, die man problemlos aufsetzen kann.
Über und über vollgestopft sind dann auch die Räume der kleinen Zimmer, an deren Eingang man die Namen einzelner Länder und Kontinente, von denen die vielen Masken im Inneren stammen, an kleinen Tafeln lesen kann.
Der 58-jährige Kunstlehrer vom J.-v.-Liebig-gymnasium in Neusäss hat all diese völkerkundlichen Schätze zusammen mit seiner Frau auf Reisen in fremde Länder zusammengetragen. Als seine Begeisterung für die Kunst der Naturvölker das gemeinsame Haus der Familie zu einer immer enger zusammen wachsenden Grotte mit stalaktitisch von der Decke hängenden Masken und als Pendant dazu am Boden stehenden Statuen und anderen Objekten der "Tribal" oder "Primal Art" werden lies, war es an der Zeit für neue Wege. So mietete er kurz entschlossen das Obergeschoss dieses leer stehende alte Gebäudes an , renovierte einige Räume und brachte einen Teil der ethnologischen Kostbarkeiten zur Dauerausstellung hierher. "Masken sprechen die Menschen wegen ihrer eingefrorenen Mimik, dem starken Ausdruck ihres quasi zweiten Gesichtes besonders an. Masken erzählen uns ihre Empfindungen, ihre erlebten Geschichten", weiß der Museumsmacher zu berichten . "Der Herr der Masken" hat dann auch bei seinen Führungen all jene Geschichten um die Herkunft und Bedeutung jeder einzelnen Maske parat, um die Fragen seiner interessierten Besucher beantworten zu können. Da der Hobby-ethnologe auch weiterhin immer wieder auf neue Reisen geht und auch hierbei unbekannte Landstriche nicht ausläßt, wächst die Sammlung immer weiter. 6000 auserlesene alte Sammlerstücke sind es mitlerweile geworden, die aber noch auf einen Eintrag in´s Guiness Buch der Rekorde warten müssen. Erst wenn der Rest des Gebäudes, das der Sammler ankaufen will, ausgebaut ist, kann ein Notar die Aufgabe übernehmen, die bereits schon jetzt mit Fotos und Beschreibung archivierten Masken nachzuzählen.
Dabei verbirgt sich im unscheinbaren Gebäude längst ein anderer Superlativ:
Nachdem der sammelwütige Lehrer bei seinen umfangreichen Recherchen feststellen mußte, daß es im deutschsprachigen Raum kein einziges Museum gab, daß europäische Maskenbräuche in Ihrer Vielfalt nebeneinander zur Ausstellung bringen kann, hat er mitlerweile auch speziell hier die umfangreichste Sammlung dieser Art zusammengetragen, hat vor Ort geforscht und noch vorhandenes Wissen über das Brauchtum aufgearbeitet.
Viel Interessante Geschichten aus Brauchtum und Aberglaube haben ihm alte Leute in abgelegenen Gegenden erzählt. Daß er hier vor Allem auch bei den wild anmutenden Masken der Alpen-, Karpaten- und Pyrenäentäler seinen Schwerpunkt gefunden hat, hat sich schnell herumgesprochen. Gerade auch der bayrische Raum ist mit seinen wenigen Maskengebieten umfassend und reichlich vertreten. Weil es hierbei nicht nur begeisterte Kindergruppen und interessierte Fotographen, die sich gleichermaßen auf die grimmig verzerrten Gesichter und alten zurückhaltend schönen Glattlarven stürzen , sondern vor Allem Institutionen und Museen sind, die Ihre temporären Ausstellungen aus dem reichen Fundus, aus der Kombination von heimischem Brauchtum und fremden Bräuchen bestücken wollen, hat der Hausher auch im Museum immer viel zu tun . Zwar werden diese Ausstellungen anderenorts dann von eigenen Ethnologen und Handwerkern meist selbstständig betreut, trotzdem bleibt im Museum aber viel vor zu bereiten und dann wieder aufzuräumen.
Jetzt gibt es zwar seit dem letzten September einen Förderverein der geplanten öffentlichen Aktivitäten des Museums, dem aber leider erst wenige Interessierte angehören. Schon immer mit Jugendgruppen kreativ im Museum aktiv involviert war der Verein KKE (Kunst, Kreativität, Engagement) mit der Museumspädagogin Frau Kugelmann-Schmid gleich nebenan im bunten Haus. Auch der engagierte Vorsitzende des Fördervereins Herr Ekkehart Novak (T.:08238/967021) unternimmt gerne spannende Führungen durchs Museum. Sogar eine Restauratorin aus Anhausen und ein befreundetes Architekten-ehepaar aus der Schweiz ,das mit künstlerischen Events Erfahrung mitbringt, stünden beratend zur Verfügung.
Gerade aber Fördermitglieder, die auch Ihre Zeit oder ein wenig Geld in den jetzt anstehenden Ausbau des Gebäudes einbringen könnten, fehlen leider noch einige. Schade, beträgt doch der Mitgliedsbeitrag gerade mal 12 Euro im Jahr und winkt den Mitgliedern nicht nur ständig freier Eintritt mit Führungen zu allen Brauchtumsbereichen und in alle Weltkulturen, sondern auch Zugang zu einer immensen Bibliothek und Mediensammlung zu Brauchtum, Archäologie, Volkskunst, Ethnologie. Natürlich bestimmt und taxiert dann der weitgereiste Sammler auch mitgebrachte Ethnologica oder Unbekanntes aus dem Brauchtum anhand von Maskenfotos kostenlos(Freilich auch für Nichtmitglieder!) .Der Eintritt beträgt dann aber mit Führung für Gruppen 20 Euro kpl. und für Einzelpersonen 5,-- p.P.. Ein Fotokatalog mit Film über das Museum auf 2CD-roms ist incl. Versand für 10 Euro erhältlich (Mitglieder kostenlos). Mehr unter: www.maskenmuseum.de
" Während der bayr. Schulferien und oft auch an den Wochenenden übernimmt nur Herr Nowak die Führungen....wer weiß warum?"meldet sich der Museumsleiter zurück...
"...Ach ja und wer ist heute das Geburtstagskind gewesen?" meint der Sammler "Den kann ich doch nicht ohne ein Geschenk nach Hause gehen lassen, sonst meinen alle, ich will nichts mehr von meinen Schätzen abgeben." Was wird das wohl gewesen sein?
Auswahl hat er ja sogar an etwas häufigeren neueren Kindermasken genug.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin neusässer | Erschienen am 26.03.2010
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