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Maskenbrauch – Anlass und Intention

Masken werden zu vielen unterschiedlichen Zwecken und bei unterschiedlichsten Gelegenheiten getragen. Stets ist die Maske dabei in den Zusammenhang der Verkleidung des gesamten Körpers eingebunden. Präsentiert die Maske die Mimik des Gesichts meist starr in gefrorener Charakterform, so unterstützt das Kostüm die Gestik und pantomimische Ausdruckskraft des Körpers zwar auch typisierend, im Gegensatz zur Maske aber lebendig und nonverbal erzählerisch.
Bei den Naturvölkern gibt es zur Aussaat Fruchtbarkeitskulte, die wie bei den Yoruba in Nigeria und den Makonde in Mozambique mit männlichen und weiblichen Bauchmasken den Geschlechtsakt nachahmen und damit Fertilität für Feld und Gehöft erreichen wollen.
In der trockenen Sahelzone südlich der Sahara versuchen einige Völker wie die Bobo durch den Auftritt von Vogelmasken und anderer Tiere, die den Regen riechen können, sich der Hilfe dieser Tiere zu versichern. Bereits die ersten Wolken vor der Aussaat sollen durch das Orakel der Regenmasken rechtzeitig vorausgesagt werden können.
Bei vielen Initiationsriten spielen Masken eine wichtige Rolle, sei es, um beim Übergang vom Jungen- ins Mannesalter im selbst hergestellten Schutzkostüm mit Maske gegen böse Naturdämonen gerüstet zu sein. Es gilt aber auch, durch die schrecklichen Maskengesichter abgehärtet und furchtlos zu werden. Wie bei den besonders hässlichen Krankheitsmasken können damit aber auch die Dämonen selbst in die Flucht geschlagen werden. Ähnliche Initiationsriten finden sich hier bei fast allen Naturvölkern sowohl in Afrika ( z.B. Tschokwe-völker im Kongo), wie auch in Neuguinea (Asmat) und in Südamerika ( z.B. Tucuna-völker am Oberlauf des Amazonas ).
Auch einen weiteren wichtigen Übergang zwischen den Zeiten begleiten fast überall Masken tragende Wesen: den Tod und den Abschied aus der Dorfgemeinschaft. So versuchen bei den Beerdigungen der Senufo und verwandter Völker in der Elfenbeinküste, dämonische Tiermasken den Toten beim Hinaustragen so zu verwirren, dass er den Rückweg zum Dorf nicht mehr finden kann und nicht zum Wiedergänger wird.
Bei den Toten wie in Ägypten sollen aufgelegte Masken den personalisierten Gesichtsausdruck ideal für die Ewigkeit erhalten und den Hinterbliebenen in angenehmer Erinnerung bleiben. Abgenommene Totenmasken oder Masken, die den Toten darstellen, sollen von Sklaven auf dem Gesicht getragen für Lebende den Kontakt zur Unterwelt herstellen und den Rat weißer und vornehmer Ahnen auch im Jetzt verfügbar machen (wie bei den Pompae funebris).
Im europäischen Umfeld der unwirtlichen Gebirge soll bei auch heute noch lebendigen Maskenriten, der harte Winter und seine wüsten Naturgeister vertrieben werden (z.B. Krampus-, Perchtenlauf, Väterchen Frost, Hexenspiel). Daneben finden im Entstehungsprozess weitgehend unbekannt auch im heutigen Brauchtum europaweit noch viele andere altertümliche und jahreszeitlich bedingte Fruchtbarkeitskulte mit Maskierung statt (z.B. Wasservogel, Pfingstesel, Strohbär , Habergeiss, etc.).
Den breitesten Wirkungsumkreis hat in der christlich beeinflussten Welt freilich der Karneval oder die Fastnacht vor Beginn der immer schon kirchlich angeordneten Fastenzeit. Der Anlass war dadurch gegeben, dass alle verderblichen und verbotenen Lebensmittel, die vom harten Winter bei der reicheren Bevölkerung noch übrig waren, noch schnell genussvoll verzehrt werden mussten.
Da der größte Anteil der europäischen Bevölkerung den Winter aber ohnedies nur hungernd (und bettelnd =klöpfeln) überstanden hatte und jetzt im Frühling in der Saatzeit auch nicht mit viel mehr rechnen konnte, brachte die religiös verbrämte Fastenzeit neuen Motivationsschub. Bei der vorausgehenden Faschingszeit wurde armen Handwerkern und Tagelöhnern in einer Art verkehrter Welt nicht nur erlaubt, all das gute Essen noch von der Tafel der Reichen zu genießen. Evtl. konnte man sich wie in den Karnevalsregionen sogar in Faschingsreden über die Obrigkeit lustig machen. Man durfte sich wie all die wünschenswert Anderen verkleiden (z.B. wie die im 19. Jhdt. von der Damenwelt hofierte Besatzungsmacht der Franzosen). Zum allerbesten Vergnügen durfte man aber letztlich auch einmal im ganzen Jahr über alle Maß und Ordnung und ganz ausgelassen fröhlich sein. Damit war der Handwerker und Bauer wieder aufgeladen für ein ganzes weiteres Jahr harter Arbeit, Zins, Pacht und Steuern an Adel und weitere Abgaben zum Seelenheil an die Kirche.
Beim Anlass heutiger Karnevalssitzungen und Fasnetsumzüge sieht man zwar immer noch den starken und ursprünglichen Wunsch nach Befreiung aus einer überregelten Alltagswelt in eine überbordende Feierlaune. In der individuellen Freiheit stark eingeschränkt wird dieses Treiben dann aber tatsächlich erheblich durch die unendlich breiten Verordnungen und Regeln der hierarchischen Faschingsvereine. Schwäbisch-alemannisch tritt man dann auch mit identisch gleicher Maskerade auf. Im Karneval wird streng nach Trompetensignal gelacht und untergehackt in gleiche Richtung geschunkelt.
In vielen Ländern der Neuen Welt vermischen sich Feste der christlichen Kirche mit altindianischem Brauchtum. Die Auseinandersetzung spanischer und präkolumbianischer Kultur findet zum Anlass christlicher Heiligenfeste im getanzt fröhlichem Miteinander von „Christianos i moros“, von „Viejos i animales“ (den behäbigen Europäern und den wendigen Tierdämonen der alten Religion) statt. Auch hier scheint übergeordnet der Zweck dieser im Jahreskreis allerdings sehr häufigen Feste sicher hauptsächlich darin zu liegen, immer mal wieder hinter den Masken aus dem anstrengenden Alltag , vor dem Druck der reicheren Grundbesitzer und ausbeutenden Großindustrien zu entfliehen. Andererseits sind diese Maskenumzüge zu einem kleinen Teil aber auch erfreulicher Ausdruck kulturverbindender Kräfte.
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