Das Märchen von der Varusschlacht - Teil 4 (Ende)

grafische Darstellung der Berechnung | Foto: www.datenbank-europa.de
2Bilder
  • grafische Darstellung der Berechnung
  • Foto: www.datenbank-europa.de
  • hochgeladen von Jürgen Schindler

Es war 1980 als Gerda Weller bei einer Feldbegehung in der Nähe von Waldgirmes antike römische Keramik fand. Bei einer ersten Grabung entdeckte man erste Gruben, später ein Forum und in einem Brunnenschacht einen bronzenen Pferdekopf, der ehemals vergoldet war. In Waldgirmes spricht man von einem "einzigartigen" Fund. Dieser Fund wird von den Fachleuten als "Augustus zu Pferde" gedeutet.
Man übersieht dabei aber die Goldbronzen von Cartoceto di Pergola in Italien. Legt man nämlich die Fotos der Pferdeköpfe aus Waldgirmes und Italien nebeneinander, kann man verblüffende Ähnlichkeiten in der Gestaltung erkennen. Sollten die unterschiedlichen Denkmale in einer Werkstatt hergestellt worden sein?

1. Waldgirmes ist Mattium
Im Herbst 2010 kam dann die Nachricht aus Berlin, dass man errechnet hätte, Waldgirmes wäre das von Germanicus zerstörte Mattium gewesen. Man freute sich in Waldgirmes unbändig. Die Damen und Herren hätten sich schon ein Jahr eher freuen können, da schickte ich Ihnen eine Mail, in der ich auf völlig neue Erkenntnisse meinerseits hinwies. Eine Antwort habe ich nie erhalten, vielleicht wurde die Mail auch nie gelesen. In Deutschland zählt eben nur, was ein Professor sagt. Ich habe meine Erkenntnisse dann 2009 auf meiner Homepage veröffentlicht.

Ich habe mir die Mühe gemacht, die Karte zu drehen und zu strecken, so dass ich anhand einer Winkelberechnung Waldgirmes als Mattium bei einem relativ kleinen Messfehler identifizieren konnte. Eine Grafik soll dies verdeutlichen (Bild 1).

Liest man aber Tacitus, so zieht im Jahr 15 n. Chr. nach Mattium und kommt dabei an den Fluss Adrana (Eder). Das kann aber mit diesen neuen Erkenntnissen nicht sein. Bisher hieß es doch immer, Varus war an der Weser bzw. an der Eder.
Es gab aber auch historische Karten, die die Lahn bereits als Adrana bezeichneten. Spätstens aber mit der Errechnung der Koordinaten für das von Germanicus zerstörte Mattium, dürfte jedem Leser klar sein, dass hier nur die Lahn gemeint sein konnte. Ob das ein Fehler von Tacitus oder eines Kopisten war, kann man heute nicht mehr ermitteln.

2. Waldgirmes ist der Sterbeort von Drusus.
Der spätere Ort Mattium rückt zum ersten Mal in den Blickpunkt der Römer, da hier der Ort ist, an dem Drusus auf dem Rückweg nach Mainz an Wundfieber starb.
Als Augustus dann nach dem Tod seiner beiden Enkel Tiberius aus dem Exil hollte, ging dieser im Jahr 4 n. Chr. nach Germanien und beendete den Aufstand der Cherusker. Zu dieser Zeit muss auch die Entscheidung gefallen sein, hier ein Denkmal für Drusus zu errichten.

Als sich aber Tiberius um die von Marbod/Pannonien ausgehende Gefahr für das römische Reich kümmern musste, sollte ein Vertrauter von Augustus die Arbeiten leiten. Das konnte kein gewöhnlicher Legat sein, ein Vertrauter, ja besser noch, ein Verwandter sollte die Arbeiten fortführen. Hier kommt Varus ins Spiel.

3. Varus leitete die Arbeiten am Denkmal.
Nach Tiberius übernahm Varus die Leitung der Arbeiten. Deshalb kann man annehmen, dass sich Varus mit einer Legion in jedem Sommer in der Nähe von Waldgirmes (Dorla) aufhielt. So auch im Jahr 9 n. Chr. Von hier aus zog die Legion nach Norden in die Falle des Arminius.

4. Die Reiterstatue stellt Drusus, den Eroberer Germaniens, dar.
Warum sollte sich Augustus eine Statue mitten in Germanien aufstellen lassen. Hier kämpfte sein Sohn, den er mit der vergoldeten Reiterstatue ehren wollte.
Diese Erkenntnis kann man nachvollziehen, wenn man sich mit der Geschichte von Germanicus in den Jahren 14 bis 16 n. Chr. beschäftigt.

5. Germanicus, der Rächer seines Vaters
Germanicus zieht im ersten Feldzug des Jahres 15 mit der Hoffnung nach Mattium, dort Verbündete zu finden. Auf dem Weg nach Mattium kommen seine Truppen an die Adrana (Lahn). Dort versuchten Chatten den Übergang über den Fluss zu verhindern, was Germanicus durch Pfeilschützen unterband.
Was Tacitus nicht beschreibt, ist der Grund, warum Germanicus Mattium niederbrennen ließ.
War die Zerstörung der Reiterstatue der Anlass zu dieser Gewalttat? Gleichzeitig entführt Germanicus außer Segestes und seiner Familie auch noch die herrschende Oberschicht der Chatten und Cherusker. Unter diesen Entführten befinden sich Sesithakus (Sohn des Cheruskerfürsten Segimer) und seine Frau Ramis (Tochter des Chattenfürsten Veromer) und noch andere Anführer weiterer Völksstämme.

Quellen:
- www.waldgirmes.de
- www.roemerforum-lahnau.de
- faz-community.faz.net/blogs/antike/archive/2009/07/21/spektakulaere-spekulationen-oder-sozialgeschichtliches-schwarzbrot-die-goldbronzen-von-cartoceto-di-pergola.aspx
- www.datenbank-europa.de

grafische Darstellung der Berechnung | Foto: www.datenbank-europa.de
Wer war Segestes?
Bürgerreporter:in:

Jürgen Schindler aus Dessau

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.