Ein 2000-Liter-„Luftballon“ für 12 m² Ausbildungsplattform

Erster Gemeinsamer Taucheinsatz für Tauchsportler und UnterwasserArchäologen


Ein Aufgebot von 13 Tauchern traf sich am vergangenen Samstag am See Niederweimar. Das Ziel war es, eine Ausbildungsplattform zu versetzen, welche in 8 m Tiefe auf dem Grund des Sees steht. Dies wurde notwendig, da der Taucher-Einstieg am Ufer gut 100 Meter verlegt wurde und die Tauchstrecke zur Plattform somit zu weit geworden war.

Erstmalig waren hierbei Taucher des Tauchsportclubs Marburg (TSC) und Unterwasser-Archäologen der Philipps-Universität Marburg gleichzeitig im Einsatz. Im Rahmen einer in diesem Jahr neu entstandenen Kooperation wurde durch den TSC erstmalig ein Tauchkurs speziell für Studenten der Nautischen Archäologie durchgeführt. Im Gegenzug profitieren die Sporttaucher nun von der großen Erfahrung der Unterwasser-Archäologen im Bergen von Gegenständen.

Unter der technischen Leitung des Unterwasser- und Schifffahrtsarchäologie-Experten Prof. Ralph Pedersen, einem der wenigen Spezialisten auf diesem Gebiet, wurden zunächst in einer ausführlichen Vorbesprechung die Aufgaben unter und über Wasser verteilt. Die Sicherheit stand hierbei selbstverständlich an erster Stelle, galt es doch, eine ca. 12 m² große und mehrere hundert Kilo schwere Plattform zu versetzen. Dies wurde auch bei der Zusammenstellung der einzelnen Tauchgruppen durch den Ausbildungsleiter des TSC, Martin Stümpfig, berücksichtigt.

Des Weiteren mussten bereits im Vorfeld besondere Gerätschaften organisiert werden. Die DLRG Ortsgruppe Marburg stellte dem TSC freundlicherweise einen speziellen Hebesack zur Verfügung. Dieser mit 2000 Liter Luft befüllbare Gummiballon, der u.a. zum Bergen von großen versunkenen Gegenständen verwendet wird, wurde von den Tauchteams unter Wasser mit starken Seilen mit der Plattform verbunden. Nach der fachmännischen Überprüfung aller Seilverbindungen durch Prof. Pederson konnte schließlich Luft in den Hebesack eingelassen werden. Der so erzeugte Auftrieb ließ die Plattform langsam bis zur Wasseroberfläche steigen.

Nachdem dieser erste Teil geschafft war, wurde der Hebesack mitsamt der Plattform per Motorboot langsam und vorsichtig an seinen zukünftigen Standort gezogen.

Als nächstes galt es, die Plattform wieder auf den Grund des Sees zu stellen. Dies wurde durch kontrolliertes Ablassen der Luft aus dem Hebesack erreicht. Die gesamte Montur sank langsam hinab, bis die vier Füße der Plattform in ca. 9 Meter tiefe in einer imposanten Schlammwolke den Seeboden erreichten. Nach Anbringen einer Markierungsboje und eines Führungsseils ist die Plattform an ihrer neuen Stelle nun wieder bereit für die Ausbildung neuer Tauschschüler.

von Martin Stümpfig, Ausbildungsleiter Tauchsportclub Marburg
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