Anzeige

Halifax, Nova Scotia und Werne an der Lippe – die Polizei, Freund und Helfer für Autoren

Neben meinen Regionalkrimis schreibe ich immer wieder auch Romane, deren Handlungsorte in Kanada oder Alaska liegen. Eigentlich spielt mein neuer Roman in Ontario an der kanadischen Ostküste. Aber im letzten Jahr waren wir im Urlaub in Nova Scotia unterwegs. Und da mich einige Fragen zu den Ermittlungsmethoden der kanadischen Polizei sehr beschäftigten, habe ich kurzerhand der Polizei in Halifax einen Besuch abgestattet.

Das Headquarter der Halifax Regional Police (HRP) befindet sich in der Nähe der Zitadelle, dem historischen Fort von Halifax, das auf einem Hügel über dem Hafen liegt. Gemeinsam mit meinem Mann und meiner Freundin – bei sprechen nur relativ wenig Englisch – betrat ich das Headquarter. Der Eingangsbereich unterschied sich nicht wesentlich von größeren Polizeiwachen in Deutschland. Es gab zwei Informationsschalter, jeweils mit einer Polizeibeamtin in Uniform besetzt.

Als ich ihr erklärte, dass ich eine deutsche Autorin sei, die gern ein wenig mehr über die Ermittlungsmethoden der kanadischen Polizei erfahren wollte, fragte sie mich zuerst, aus welcher Stadt ich denn käme. Da es mir zu kompliziert war, ihr zu erklären, wo genau sich Ascheberg im Münsterland befindet, erwähnte ich die Nähe zu Dortmund. Sie lächelte und erklärte mir, ihre Familie stamme ursprünglich aus Iserlohn. Sie sei allerdings in Kanada zur Welt gekommen und spräche deshalb auch kein Deutsch. Wieder einmal bewies sich also, dass die Welt doch ziemlich klein ist. Das passiert einem nämlich speziell in Kanada relativ häufig, auf deutschstämmige Einwohner zu treffen. Sie versprach, mir zu helfen und bat uns, Platz zu nehmen.

Wenig später erschien ein Officer, der zur Royal Canadian Mounted Police gehörte. Das zeigte mir das Abzeichen der RCMP auf seinem blauen Pullover. Michael Philipps war der für Public Relations zuständige Officer. Er führte uns in einen kleinen Besprechungsraum und bat mich, ihm zu erklären, was genau ich wissen wolle.

Ich erzählte ihm kurz, wovon mein neuer Roman handelt und fragte, ob er mir etwas über die Tatortermittlung erzählen könnte. Zunächst erklärte mir Officer Philipps, dass es durchaus regionale Unterschiede zwischen Ontario und Nova Scotia gäbe. Wenn ich also speziell etwas über die Ermittlungsmethoden am Schauplatz meines Romans, Kingston in Ontario, wissen wolle, müsse ich mich an die Behörden in Toronto oder Ottawa wenden. Aber wenn es um grundsätzliche Fragen ginge, könnte er mir schon etwas erzählen.
Natürlich gab es etwas, das mich brennend interessierte. Ich bin ein großer Fan amerikanischer Krimiserien wie zum Beispiel CSI. Meine erste Frage war also, ob das, was man im Fernsehen über die Spurensicherung und Spurenauswertung zu sehen bekommt, den Tatsachen entspricht.

Erstaunlicherweise bestätigte der Police Officer, dass in den Kriminallabors so gearbeitet würde und diese Serien relativ authentisch seien. Dann aber wurde es richtig spannend.
»In Kanada haben wir eine Special Blood Unit. Diese besondere Einheit der Kriminaltechnik ist in der Lage, selbst winzigste Blutspuren auszuwerten. Bei einem Kapitalverbrechen wie Mord wird immer dann die Special Blood Unit hinzugezogen, wenn es keine eindeutigen Täterspuren gibt. Diese Spezialisten sind in der Lage, Blutspuren, die miteinander vermischt sind, aufzuspalten und daraus DNA-Spuren zu sichern, die Rückschlüsse auf den Täter zulassen, falls er sich verletzt haben sollte. Außerdem ist die Special Blood Unit fähig, aus Blutspuren Fremdpartikel zu isolieren und zu analysieren.“

Diese Aussage von Michael Philipps war für mich deshalb so interessant, weil ich genau nach einer solchen Ermittlungsmethode für mein Buch gesucht hatte, mir aber nicht sicher war, ob so etwas überhaupt möglich ist. Damit hatte sich der Besuch im Halifax Regional Police Headquarter für mich schon absolut gelohnt. Aber Officer Philipps war bei Weitem noch nicht am Ende. Sehr detailliert erklärte er mir die Hierarchie der einzelnen Polizeidienststellen und gab mir Adressmaterial aus Toronto und Ottawa mit, falls ich noch weitere Informationen über die kanadische Polizei in Ontario brauchte. Außerdem bot er mir an, dass ich mich jederzeit per E-Mail an ihn wenden könne, wenn ich wieder zu Hause sei.
Die Polizei, dein Freund und Helfer, das war hier in Halifax eine absolute Tatsache. Die Informationen, die ich in dem fast einstündigen Gespräch mit Officer Michael Philipps sammeln konnte, haben mir beim Weiterschreiben sehr geholfen.

Da wollte ich doch sehen, ob das in Werne auch funktioniert!

Wieder zu Hause stellte ich mir die Frage, ob die deutsche Polizei wohl ähnlich kooperativ wäre wie die kanadische. Ich war gerade dabei, ein paar Fotos in Werne an der Lippe zu machen, die ich in einen Videoclip für meinen neuesten Regionalkrimi einbauen wollte. Ein Teil der Handlung liegt natürlich auch in der Werner Polizeiwache im Bahnhofsgebäude der Stadt. Mit meiner Kamera in der Hand machte ich mich also auf den Weg zur Wache. Gerade fuhr ein Mannschaftswagen vor, aus dem fünf uniformierte Beamte ausstiegen. Einen davon sprach ich einfach an und fragte, ob ich wohl im Inneren der Wache ein paar Fotos machen könnte für den besagten Videoclip. Er bat mich, kurz zu warten, damit er mit dem Chef vom Dienst sprechen könne. Das dauerte weniger als zwei Minuten, dann wurde ich hineingebeten.
Ich durfte die Einsatzzentrale aufnehmen, und da die Wache eigentlich keine Vernehmungszimmer mehr hat, hat man dort speziell für meine Fotos ein Büro so hergerichtet, dass es einem Vernehmungsraum zumindest ähnlich sah. Dann kam die Frage, die ich kaum erwartet hätte.
»Im Keller gibt es noch den alten Zellentrakt. Der wird zwar nicht mehr benutzt, um irgendjemanden einzusperren. Aber wenn Sie den gern sehen oder fotografieren möchten, ist das kein Problem.«
Ich war begeistert. Ein junger Beamter führte mich durch ein ganzes Labyrinth an Treppen, mal rauf, mal runter, bis wir endlich in dem Kellerbereich des Bahnhofsgebäudes ankamen, in dem sich früher die Zellen befunden hatten. Ein wenig beklemmend war das schon, aber auch sehr interessant. Natürlich war ich stets darum bemüht, keinen der Beamten mit aufs Bild zu bekommen. Ich glaube, der Chef vom Dienst wäre nicht sehr angetan gewesen, einen seiner Beamten auf einem YouTube-Video zu sehen.
Hilfsbereit waren sie aber allemal, die Werner Polizisten und hinterließen bei mir damit einen ebenso positiven Eindruck wie Officer Michael Philipps von der Polizei in Halifax. Eines haben diese beiden kleinen Ausflüge in den Polizeialltag mir aber auch sehr deutlich gemacht. Es ist gar nicht schwierig, realitätsnah zu recherchieren und Antworten auf Fragen zu bekommen, die man als Autor von Kriminalromanen nun mal hat. Ein offenes Wort und eine höfliche Anfrage sind eigentlich alles, was notwendig ist.
Inzwischen habe ich übrigens auch schon ein Angebot erhalten, mich in einer Justizvollzugsanstalt einmal näher umzusehen. Mal sehen, wann ich das verwirkliche und die Erfahrungen, die ich dort sammeln kann, in einem Kriminalroman umsetze.
©Renate Behr 2013
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.