Fifthy Shades of Rehau – Ein Interview mit Lina Emanuel zu ihrem neuen Roman „Milch und Hot Chocolat“

In dem folgenden Interview mit der Autorin Lina Emanuel beantwortet sie Leserfragen zu ihrem neuem Roman „Milch und Hot Chocolat“, in dem es um Mathilda geht, die erstmals ihren Fantasien und Sehnsüchten nachgeht und dabei ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt.

“Milch und Hot Chocolat” ist nicht nur ein Roman voller Gefühle und Leidenschaft, sondern birgt Themen wie die sexuelle Emanzipation, die Rechtfertigung von Affären trotz der monogamen Gesellschaft, in der wir leben und alltäglichem Rassismus. Eine gelungene Kombination basierend auf wahrer Begebenheit, die sämtliche Klischees bedient und insbesondere Frauen dabei helfen soll aus ihren Normen auszubrechen und sich (sexuell) zu entfalten.

Milch und Hot Chocolat – Das Interview mit Lina Emanuel

Intro
Ich schäme mich manchmal dafür Weiße zu sein. Und eine Deutsche zu sein.

Ich glaube sagen zu können, dass mindestens jeder Zweite fremdgeht.

Damit möchte ich auch zeigen, dass unsere deutsche Kultur nicht das einzige wichtige und richtige ist, hier.

Ich denke doch, dass vor allem wir Frauen unsere Fantasien, unsere Wünsche, sehr unterdrücken.

Ich denke, dass es wichtig ist die Augen zu öffnen.

Möchten Sie sich selbst einmal kurz vorstellen?

Herzlich Willkommen und grüß Gott aus meinem Zuhause, aus meinem schöpferischen Paradies der Kreativität und der Inspiration.
Ja, natürlich möchte ich mich vorstellen:
Mein Name ist Lina Emanuel, das ist mein Autorenname und unter Monika Schelter wird man mich wohl mehr erkennen. Danke für alle superguten inhaltlichen Fragestellungen, die ich hier gleich beantworten werde und das große Interesse an meinem Buch.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Ja, wie bin ich zum Schreiben gekommen. Durch ein Coaching bei Wissenslehrer Dantse Dantse. Das ist eine Art Prozess und Entwicklungsarbeit für mich und ich habe das Schreiben für mich entdeckt, als eine Lebensaufgabe und auch als ein Ergebnis meines Lebenssinnes und Aufarbeitung meines eigenen Lebens. Ich möchte gerne in meinen Büchern etwas weitergeben, was ich selbst erlebt und erlernt habe und möchte damit etwas verändern und Menschen helfen.

Was bedeutet Ihnen das Buch „Milch und Hot Chocolat“?
Dieses Buch bedeutet für mich selbst einen großen Entwicklungsschritt und vor allem auch Mut, um etwas auch für andere zu bewegen und zu hinterfragen. Zu verdanken habe ich die Entstehung des Romans meinem Wissenslehrer Dantse Dantse und ich freue mich, dass dieses Buch veröffentlicht ist und zeigt, was so viel mehr möglich ist im Leben, was zu schaffen ist und was auch an Denkprozessen und an Verhalten zu verbessern und zu verändern ist.

Wenn Sie den Inhalt ihres Buches kurz zusammenfassen müssten, was würde Sie erzählten?
Mathilda ist eine Frau, Mitte 30, die eigentlich alles hat im Leben. Eine konventionelle, normale, feste Beziehung, wie man sie hier in Deutschland deklarieren würde. Sie hat ein Haus, einen tollen Job und könnte eigentlich rundum glücklich sein. Doch irgendetwas fehlt ihr. Sie hat sich selbst nicht gefunden und sucht immer nach dem gewissen „Mehr“ im Leben und für sich selbst. Sie ist überzeugt, es gibt noch etwas zu entdecken. Noch etwas neues zu entfalten, für sich und für andere und ihre sexuellen Fantasien und Sehnsüchte gelten den dunkelhäutigen Männern. Wie sie damit umgeht, wie sie ihren Gewissenskonflikt löst, dass lest ihr in meinem Buch.

Warum haben Sie das Thema „Fremdgehen/Affäre“ für Ihr Buch gewählt?
Affäre und Fremdgehen – Ein Tabuthema, dass sicherlich für Wirbel sorgen wird. Nicht nur hier in unserer Kleinstadt Rehau, sondern auch in der Gesellschaft. Monogamie ist die gelebte und richtige Partnerschaft hier in Deutschland. Aber ist das tatsächlich die Wahrheit und das was wir im Inneren leben wollen? Denn ich frage mich, warum jede zweite Ehe geschieden wird und warum diese Beziehungen nicht länger als 4 Jahre halten können. Wo haben Fantasie, wo haben Lust und Befreiung ihren Platz? Und in dem Roman dürft ihr Lesen, dass Treue, Fremdgehen, Eifersucht einfach einen ganz anderen Stellenwert bekommt und einen anderen Hintergrund. Ich bin gespannt, welche Diskussionen sich dazu ergeben.

Ist unsere Gesellschaft zu konservativ/engstirnig was Beziehungen angeht?
Ist unsere Gesellschaft zu konservativ? Diese Frage darf sich jeder selbst stellen. Ich möchte weder verallgemeinern noch Normen und Werte in unserer Gesellschaft verurteilen. Ich denke, dass es wichtig ist, die Augen zu öffnen und die Wege zu zeigen, was ich gerne mit diesem Roman machen möchte.

Nun möchte ich zu Treue und Ehrlichkeit gehen, denn dass würde viele Ehen retten und Beziehungen am Leben erhalten.

Das Gefühl „alles zu haben und dennoch nicht glücklich zu sein“, wie würden Sie das beschreiben? Wie nimmt Mathilda es wahr? Was macht es mit ihr?
Ja, Mathilda hat tatsächlich alles. Alles was sich in unserer Gesellschaft gehört und ausreicht um dazu zugehören. Haus, Job, Beziehung – eigentlich schade, dass es das ist, was in unserer Gesellschaft zählt. Mathilda spürt und weiß, dass sie mehr will, dass sie mehr kann und dass sie irgendwie auch mehr soll. Es ist wie eine innere Stimme in Form von Fantasie und Lust, die ihr mehr zeigen und mehr eröffnen will. Mehr eigenes hinterfragen, mehr zu sich selbst stehen, mehr herauszufinden wer und was sie ist und was ihr Ziel und ihre Lebensvorstellung ist. Sie begibt sich mit ihren Fantasien bewusst und aktiv auf die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Ist dieses Gefühl Ihrer Meinung nach ein generelles Problem der Gesellschaft? Wenn ja, woran könnte das liegen? Ordnen Sie es eher Frauen zu? Wenn ja, warum?
Wieder möchte ich hier nicht generalisieren, aber ich denke doch, dass vor allem die Frauen ihre Fantasien und Wünsche mehr unterdrücken. Die das nicht gelernt haben, von unseren Eltern oder auch von unserem Umfeld uns etwas mehr zuzutrauen, etwas mehr zu wagen und Grenzen zu überschreiten. Mathilda ist stellvertretend ein Vorbild für viele Frauen, die sich etwas Neues traut und etwas Neues wagt, über den Horizont hinausschaut. Vielleicht auch wagt, belächelt und kritisiert zu werden und am Ende sehr viel für ihr eigenes Leben gewinnt.

Was symbolisiert Fallou, der schwarze Lover, in der Geschichte für Sie? Steht er für die „große Liebe“, die „heiße Versuchung, der es zu widerstehen gilt“ oder den „kulturellen Austausch und Neues entdecken“?
Fallou, ein genialer Name wie ich gerade hörte, der Sinnbild ist, für ganz Vieles. Vor allem steht er für Natürlichkeit und eine andere Welt der Beziehung. Für eine andere Art der Sexualität, die frei und ohne Scham und Hemmungen gelebt werden darf. Für die Suche nach neuen Erfahrungen, neuen Entdeckungen und neuen Chancen. Und das Wissen über andere Kulturen. Ich möchte damit auch zeigen, dass unsere deutsche Kultur nicht das einzige wichtige und richtige ist, hier. Und wir voneinander viel lernen dürfen und uns öffnen dürfen für andere Wege und Möglichkeiten.

Wie viel Mathilda steckt in Ihnen? Welche Charakterzüge spiegelt Ihre Protagonistin wider?
In Mathilda muss ich zugeben, steckt schon einen ganze Menge auch von mir selbst. Es steckt viel Geschichte von mir, Lina Emanuel und Monika Schelter, in Mathilda. Es ist ja die Geschichte einer Bekannten aus der Kizomba-Szene, die ich wiedergebe in dem Roman. Jedoch ist es mir sehr leichtgefallen, mich in die Protagonistin hineinzuversetzen und mit einzutauchen in alle ihre Fantasien und Sehnsüchte. Es ist eine Entwicklung, es ist ein Prozess, es ist eine Veränderungsgeschichte, die hier erzählt wird von Mathilda und ein Stückchen von mir selbst.

Ohne das Ende zu verraten: Wie würden Sie Mathildas Entwicklung beschreiben? Wo hat sie gestartet und wie denkt sie jetzt über das Leben und die Liebe?
Mathildas Entwicklung gleicht einem Lebenswillen. Sie lernt Menschen von einer anderen Seite kennen und ihren wahren Kern, wenn Masken fallen. Vor allem am Ende weiß sie was sie nicht mehr will und wie sie in Zukunft leben möchte. Sie gewinnt an Persönlichkeit, Wert und Selbstvertrauen. Löst Blockaden und lernt sich in ihrer Einzigartigkeit kennen und lieben. Sie steht zu sich selbst und findet zu sich selbst.

Haben Sie selbst Erfahrungen mit Rassismus?
Ja, ich habe Erfahrungen mit Rassismus. Ich erlebe Rassismus fast täglich, beruflich und privat und bin manchmal sehr schockiert und ich schäme mich manchmal dafür Weiße zu sein und eine Deutsche zu sein. Ich erlebe Rassismus in Ämtern, in Behörden, in der Bevölkerung und vor allem auch den subtilen Rassismus, der von ganz oben kommt, von der Politik und von den Medien. Das ist ein Thema, worüber es sich lohnt, noch weiter auszuholen und noch viel mehr darüber zu erzählen, aber das würde dieses Interview in dem Rahmen sprengen.

Warum ausgerechnet „Milch und Hot Chocolat“? Was steckt für Sie hinter dem Titel?

„Milch und Hot Chocolat“ – ja, ein Titel, der viele Geheimnisse offenhält, der viel zum Fantasieren einlädt und noch nicht gleich alles am Anfang verrät. Vier Wörter, drei verschiedene Sprachen: Milch – Deutsch, Hot – Englisch, Chocolat – Französisch. Es soll das interkulturelle widerspiegeln, die Vielfalt in unserem Leben und die kulturelle gegenseitige Bereicherung. „Milch und Hot Chocolat“ – hier steht es. Es ist nicht die Ernährungsweise, für die ich plädieren möchte, nein, es ist einfach die Vielfältigkeit und trotzdem auch die Einzigartigkeit, die hinter weiß und schwarz, hell und dunkel, stehen.

Ab wann ist es für Sie „fremdgehen“? Reichen Blicke, Gedanken, oder muss etwas Physisches entstehen?
Ab wann ist fremdgehen fremdgehen? Ich stelle die Frage anders: Wie schaffen wir es, dass wir nicht mehr fremdgehen müssen? In der Monogamie ist fremdgehen ein alltägliches Problem. Eifersucht ein alltägliches Problem. Untreue ein alltägliches Problem und Trennungsgrund Nummer 1. Jeder plädiert für Monogamie, lebt aber insgeheim polygam. Wo beginnt fremdgehen? Fremdgehen kann ein Blick sein. Es kann auch ein Flirt sein. Und muss kein fremdgehen sein, wenn es physisch wird. Es kommt darauf an, wie man es deklariert, wie man es auslebt und wie man die Werte für sich definiert.

Wenn Sie die (deutsche) Gesellschaft betrachten, was würden Sie schätzen, wie viele Menschen schon einmal fremdgegangen sind?
Wie viele Menschen fremdgehen und wie viele Menschen fremdgegangen sind? Ich glaube sagen zu können, dass mindestens jeder zweite fremdgeht. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass es jeder schon auf irgendeine Art und Weise getan hat. Denn fremdgehen kann man sich selbst gegenüber und dem Partner gegenüber. Fremdgehen ist für mich mittlerweile alles was die Unwahrheit trägt.

Kann man eine Affäre verzeihen? Oder wird dieser Gedanke eine Beziehung langfristig beeinträchtigen? Was sagen Sie dazu?
Verzeihen. Verzeihen ist ein Wert, der meiner Meinung nach unverzichtbar für ein glückliches Leben ist. Was wären wir Menschen ohne die Vergebung Gottes? Vergeben heißt nicht vergessen. Aber es heißt die Chance jeden Tag zu haben, neu aufeinander zuzugehen. Zu reden, und sich auf einen gemeinsamen Weg zu machen. Das alte loszulassen und einfach noch einmal neu beginnen zu können.

Was ist Ihre Meinung zu interkulturellen Beziehungen? Kann es funktionieren?
Interkulturelle Beziehungen. Ja, es ist eine Herausforderung, aber noch mehr eine Bereicherung. Interkulturelle Beziehungen können in meinen Augen funktionieren, mit unendlich viel Geduld, Toleranz und dem Wissen und Verständnis für die andere Kultur. Nicht das was wir leben ist das einzig Richtige und Wahre. Eine andere Kultur lebt das vielleicht ganz anders und es passieren viele Missverständnisse, die einfach geklärt werden können. Ich möchte dazu von einer kurzen Begebenheit erzählen, die ich erst letzte Woche hatte bei einer Unterhaltung über interkulturelle Beziehungen. Eine Frau sagt zu mir: „Weißt du was uns über all die Tiefen und Verständnisprobleme hinweg getragen hat? Es war und ist unser christlicher Glaube und unsere gemeinsamen Ziele.“

Ich finde das macht ganz viel Mut und ich empfinde interkulturelle Beziehungen oder allgemein interkulturelles Zusammenarbeiten und sich austauschen immer als ein Gewinn, immer als ein neues Erfahrungsfeld, als ein neues Lernfeld. Und interkulturelle Beziehungen, Beziehungen schwarz-weiß, zwischen Deutsch und Afrikaner oder welcher Kultur auch immer kann gut gelingen, wenn wir aufeinander zugehen, kompromissbereit sind und vor allem, wie ich schon sagte, tolerant sind.

Dazu möchte ich gerne ein Zitat von meinem Wissenslehrer anfügen. Dantse Dantse sagte einmal zu mir: „Toleranz beginnt da, wo unsere eigenen Grenzen sind.“

Welche Botschaft möchten Sie mit ihrer Geschichte ihren Leser:Innen mitgeben?

„Milch und Hot Chocolat“ – was möchte ich den Frauen und auch Männern mitgeben, widerspiegeln und vielleicht welche Wege möchte ich eröffnen? Ich habe erst vor kurzem gehört, dass mein Roman hier in Rehau ‚Fifthy Shades of Rehau‘ genannt wird. Mein Roman sorgt für Wirbel, für Aufsehen, für Interesse, für Neugier und für Fantasie. Gedanken sind frei und das möchte ich auch euch allen mitgeben. Traut euch, euch zu öffnen. Vor allem ihr Frauen, in euch steckt so viel mehr. Wir nutzen nicht annähernd unser Potenzial.

Sexualität ist und darf kein Tabu mehr sein. Es ist etwas Natürliches, dass uns fast über Wolken tragen kann. Sexualität ist Persönlichkeitsentwicklung, es ist Entfaltung und wir dürfen frei und offen dazu stehen. Wir dürfen zu unseren Fantasien stehen. Es ist nichts was wir verstecken müssen oder sollen. Jeder darf einen eigenen Weg dazu finden und ich kann euch nur so viel mitgeben: Redet mit mir, öffnet euch mir, seid toleranter, egal wem oder was gegenüber. Seid aufgeschlossen und freut euch auf alles was die Welt zu bieten hat, denn die Welt ist viel mehr als das was wir sehen und greifen können. Darum grenzen sich, da beginnt vielleicht das worauf ich schon so lange gewartet habe und wonach ihr gesucht habt. Freut euch, seit jeden Tag dankbar und redet.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie ihren Leser:Innen mitteilen möchten?
Mein Schlussplädoyer und Herzensanliegen gilt der Toleranz. Der Toleranz in unserer Gesellschaft, anderen Kulturen gegenüber, anderen Beziehungsmodellen gegenüber, anderen Werten gegenüber, anderen Lebensweisen und Lebensphilosophien gegenüber.

Danke.

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