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Darmstädter kauften Wundermedizin für 1.298,00 Euro - Lieferung erfolgte heute gegen Barzahlung

Gestern ging aus dem Raum Darmstadt eine Kaffeefahrt in Schorsch Eger´s Weinstadl, Hauptstraße 74, 65375 Oestrich-Winkel. Hier wurde bei einer Verkaufsveranstaltung das Nahrungsergänzungsmittel Hercugen als Wundermedizin verkauft. Der Verkäufer, der sich mit dem falschen Namen Burkhard Meinert, vorstellte, hielt einen 1,5 Stunden langen Vortrag über die medizinische Wirkungsweise des Hercugen. Diese Medizin sei von dem Dr. Förster aus Neu-Isenburg entwickelt worden. Der Mensch komme mit 251 Hormonen und Enzymen auf die Welt. Mit der Zeit werden diese Hormone abgebaut und der Mensch altert. Mit Hercugen werden diese verlorenen Hormone und Enzyme wieder im Körper produziert. Damit wird die Alterung verlangsamt. Hercugen hilft u.a. gegen Gelenkverschleiß, Rheuma, Herzerkrankungen wie Herzinfarkt, verstopfte Arterien und Adern werden gereinigt, das Blut verflüssigt, Demenz und Alzheimer werden gestoppt. Das Mittel helfe gegen Schlaganfälle und beugt gegen Erkältungen vor. Überhaupt werde das körperliche Wohlbefinden gesteigert. Dies wird alles durch die wiederhergestellten Hormone bewirkt. Der medizinische Vortrag wurde durch Bilder auf einer Leinwand untermauert.

Der Burkhard Meinert schimpfte noch über die Pharmaindustrie und die Ärzte, die nur die Symptome behandeln, weil die Medizin dafür billiger sei. Hercugen würde aber die Hormone ersetzen und damit die Ursachen bekämpfen. Die Pharmaindustrie habe daran aber kein Interesse. Das Mittel koste eigentlich 3.098,00 Euro. Die Veranstaltung werde aber von den Krankenkassen gefördert, so dass bei Bestellungen in der Veranstaltung ein Zuschuß von 1.700,00 Euro gebe. Weiter werde bei Barzahlung ein Rabatt von weiteren 100,00 Euro gegeben, so dass die Medizin für 1.298,00 Euro in der Veranstaltung zu bestellen sei.

Viele Teilnehmer schenkten dem Glauben und bestellten das Mittel.

Heute wird im Raum Darmstadt von einem weißen Lieferwagen mit dem Kennzeichen OHZ PK 123 das Nahrungsergänzungsmittel Hercugen ausgeliefert. Die Kunden zahlen bei der Lieferung 1.298,00 Euro in Bar.

Der Verkauf des Nahrungsergänzungsmittel Hercugen ist als Betrug strafbar.

Die Täter geben sich Mühe die Spuren zu verwischen. Auf dem Kaufvertrag für das Hercugen stand als Verkäufer die Biolind B.V.N.L., 7811 HH Emmen, Baander 61 M, Tel 0177 88 44 81 21. Es handelt sich um eine niederländische Scheinfirma bei der eine Anfechtung des Kaufvertrages nichts bewirkt und eine Rückforderung der Gelder erfolglos ist. Das Geschäft wird in Wirklichkeit von Drahtziehern aus dem Raum Bremen betrieben. Der Lieferwagen ist den Autoverleih P+K Vermietung GbR, U. Krahlheer & E. Pludra, Heidlerchenstraße 15, 28777 Bremen, zugelassen und wurde von einem Strohmann gemietet.

Ich wurde heute um 10.10 Uhr durch einen Griesheimer Bürger, der ebenfalls bei der Verkaufsveranstaltung Hercugen bestellte informiert und um Rat gefragt. Eine Lieferung bei ihm sollte zwischen 10.00 und 11.00 Uhr erfolgen.

Ich versuchte um 10.15 Uhr die Polizeidienststelle in Griesheim zu informieren um eine Festnahme des Lieferwagenfahrers bei der Anlieferung in Griesheim zu erreichen. Es drohte aus meiner Sicht sonst die Lieferung an weitere Betrugsopfer, die bei der Lieferung 1.300,00 Euro in bar zahlen. Der Dienststellenleiter weigerte sich zu handeln mit der Begründung, dass die Leute doch selbst schuld seien, es könne doch jeder kaufen was er wolle, manche fühlen sich auch nach der Einnahme besser. Damit hat die Polizei den Betrügern ermöglicht, ihr betrügerisches Geschäft fortzusetzen und zahlreiche Rentner zur Zahlung zu veranlassen.

Hersteller des „Wundermittels“ Hercugen ist die Firma Wichmann & Stiefel GmbH, 63128 Dietzenbach. Diese Firma verkauft das Mittel für knapp 40,00 Euro weiter. Die Betrüger sind aber vermutlich keine Kunden dieser Firma. Die Spuren führen vielmehr in den Kreis Oldenburg.

Der Verkauf dieses Produktes als Wundermittel ist als Betrug strafbar! Zu Strafbarkeit wegen Betruges durch Verkauf von Wundermitteln hat der BGH (BGH NJW 1987, 388f.) ausgeführt:


„In dem hier vorliegenden Fall des Verkaufs von "Wundermitteln" durch Nachnahmesendung führt jedenfalls das Zusammentreffen von mehreren Umständen dazu, daß bei objektiv-wirtschaftlicher Betrachtungsweise das Vermögen des Getäuschten um den Kaufpreis vermindert worden ist, wenn man die Summe der geldwerten Güter der Getäuschten (vgl. BGHSt 16, 220 (221) = NJW 1961, 1876) vor der Geldhingabe einerseits und danach, also nach Erhalt des wirkungslosen Präparates mit dem Rücktrittsrecht andererseits vergleicht. Die Geschädigten haben nämlich weniger erhalten, als ihr Anspruch wert war (vgl. Cramer, in: Schönke-Schröder, StGB, 22. Aufl., § 263 Rdnr. 135). ... Durch die Täuschung über die Wirksamkeit der zwar harmlosen, aber auch wirkungslosen Präparate hat er bei den Bestellern einen Irrtum erregt; denn es ist anzunehmen, daß diese aufgrund der Angaben des Angekl. in den Werbeanzeigen glaubten, die Präparate hätten im Kern die versprochene - wenn vielleicht auch übertrieben geschilderte - Wirkung, zumal ein wissenschaftlicher oder fachmännischer Hintergrund, eine erfolgreiche Benutzung durch Testpersonen und eine "100%ige Garantie" vorgespiegelt wurden.“


Durch den Verkauf von Wundermitteln wird daher der Straftatbestand des Betruges gem. § 263 StGB erfüllt. Dies erst recht, wenn der Verkauf zu so überhöhten Preisen erfolgt.

weitere Informationen zu dem Verkauf von Hercugen als Wundermedizin auf der Seite www.rechtsanwalt-erdel.de unter "Aktuelles".
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4 Kommentare
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M B aus Duisburg | 25.05.2009 | 17:45  
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Eike Erdel aus Stadtallendorf | 25.05.2009 | 18:09  
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M B aus Duisburg | 25.05.2009 | 18:13  
Dieter Günther
Dieter Günther | 20.10.2010 | 12:43  
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