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Bekannter Antiquar und Verleger Louis Lamm stammt aus Buttenwiesen

Die Forschungen von Louis Lamm über die jüdischen Friedhöfe von Kriegshaber, Buttenwiesen und Binswangen gehören auch 100 Jahre nach ihrer Veröffentlichung zu den wichtigsten Arbeiten zu diesem Thema.
 
„Das Memorbuch in Buttenwiesen“ – ein Beispiel für die heimatkundlichen Arbeiten von Louis Lamm.
„Meine glühende Liebe zum jüdischen Schrifttum“

„Habent sua fata libelli“ – Bücher haben ihr eigenes Schicksal. Dies war der Wahlspruch des Berliner Antiquars und Verlegers Louis Lamm (1871–1943), der sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, seltene und längst verloren geglaubte Bücher über jüdische Geschichte und Kultur aufzuspüren und in seinem Antiquariat in Berlin zum Verkauf anzubieten. Er damit so erfolgreich, dass seine Buchhandlung in den Jahren vor 1933 zu den fünf größten und besten Spezialantiquariaten für jüdisches Schrifttum in ganz Europa zählte.

Die Wurzeln dieser bei Buchliebhabern heute noch geschätzten Persönlichkeit liegen in Buttenwiesen. Im Rahmen des Europäischen Tags der jüdischen Kultur beleuchtete Gemeindearchivar Dr. Johannes Mordstein die Biografie und das Lebenswerk von Louis Lamm.

Dessen Vater Max Lamm hatte in Buttenwiesen die Stelle eines Synagogendieners und Gemeindedieners inne. Als Herausgeber von „Max Lamms jüdisch-deutschem Wochenkalender“ war er es wohl auch, der seinem Sohn Louis die „glühende Liebe zum jüdischen Schrifttum“ in die Wiege gelegt hatte.

Die Begeisterung für Bücher prägte das gesamte Leben von Louis Lamm: Nach der Ausbildung in einem Frankfurter Antiquariat eröffnete er 1903 in Berlin seine eigene Buchhandlung, dessen Bestand mehrere Tausend Bücher zur jüdischen Geschichte und Kultur umfasste.

Neben der Buchhandlung gründete Louis Lamm einen eigenen Verlag, der dank der Fachkenntnisse und weltweiten Verbindungen bald ebenfalls einen hervorragenden Ruf genoss. Die maßgeblichen jüdischen Geistesgrößen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts veröffentlichten im Verlag Louis Lamm, so etwa Leo Baeck als der bedeutendste Vertreter des liberalen Judentums und Abraham Berliner, der zu den wichtigsten Vertretern der „Wissenschaft des Judentums“ zählte.

Auch im Verlagsprogramm von Louis Lamm standen jüdische Geschichte und Kultur im Vordergrund. Buchtitel wie „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben“, „Hebräische Amulette“, „Palästina – seine Geschichte und Kultur“ und „Sammlung jüdischer Geschichten in der Schweiz“ verdeutlichen die Ausrichtung des Verlags auf diese Themenschwerpunkte.

Nicht nur Bücher haben ihr Schicksal, sondern auch Buchhändler. Mit der Emigration nach Amsterdam versuchte Louis Lamm bereits 1933 den Nazis zu entkommen, aber letztlich vergebens: Zusammen mit seiner Tochter Ruth Fanny wurde er 1933 deportiert und in Auschwitz ermordet.

Obwohl er nur wenige Kindheitsjahre in Buttenwiesen verbracht hatte, pflegte Louis Lamm stets eine enge Verbindung zu seiner Heimatgemeinde. Dies wird vor allem in seinen heimatgeschichtlichen Veröffentlichungen deutlich: 1903 publizierte er einen Aufsatz zur „Ortsgeschichte von Buttenwiesen“, die acht Jahre später seinem Glaubensgenossen Israel Lammfromm als Vorlage für dessen Buttenwiesen-Chronik diente. Auch mit dem jüdischen Friedhof und dem „Memorbuch in Buttenwiesen“ beschäftigte er sich. Memorbücher sind Gedenkbücher, in denen sich jüdische Gemeinden ihrer Verstorbenen und Wohltäter erinnern.

Wie wichtig die heimatkundlichen Studien von Louis Lamm sind, zeigte sich erst vor kurzem: Trotz Recherchen in diversen Archiven, archäologischen Ausgrabungen und dendrochronologischen Untersuchungen des Dachstuhls war bislang das exakte Baujahr des jüdischen Ritualbads (Mikwe) in Buttenwiesen nicht bekannt. Erst ein unveröffentlichtes Manuskript Lamms, das heute in einem Jerusalemer Archiv aufbewahrt wurde, gab die Antwort. Darin konnte Louis Lamm aufgrund heute nicht mehr existierender Archivquellen nachweisen, dass die Buttenwiesener Mikwe 1857 direkt im Anschluss an die Synagoge gebaut worden war – eine wichtige Erkenntnis für die anstehende Sanierung des Gebäudes.
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