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On Radtour: Südschweden - von der Süd- und West- zur Ostküste

Travemünde
   
Priwall
  Burgdorf: Bahnhof Burgdorf | Nachdem wir an der Westküste von Trelleborg nach Göteborg und dann noch mal von Göteborg nach Oslo geradelt sind, wollten wir auch mal das Inland und die Ostküste kennenlernen.

1. Tag: Burgdorf - Travemünde - 36 km
Anfahrt mit der Bahn bis Travemünde und Einschiffung auf die Fähre Peter Pan nach Trelleborg. Das Wetter war gut und da wir unsere Bahnfahrt großzügig ausgelegt hatten und auch einen günstigen Preis im Vorfeld buchen konnten, stiegen wir in Lübeck aus und radelten nach Travemünde. An der Seepromenade noch gemütlich Kaffee trinken und dann zum Skandinavienkai zur Einschiffung. Abfahrt: 22 Uhr

2. Tag: Trelleborg - Höllviken - 51 km
Morgens 7.30 Uhr Ankunft in Trelleborg. Frühstück auf dem Schiff, da wir gleich nach Ankunft starten wollten.
Bei der  Ausschiffung warteten wir ab bis die großen LKWs von Bord waren. 2 km Radfahrt durch den Hafen bis wir in Trelleborg an der Hauptstraße ankamen.
Wir hatten die Unterkünfte (meist B&B) vorab gebucht, so dass wir an diesem Tag erst unsere Unterkunft aufsuchten, unser Gepäck abgaben und dann einen Ausflug nach Falsterbo machten.
Die Strecke führte uns fast immer an der Küste entlang. Auch erste historische Orte wie alte Befestigungen, Dolmen etc. warteten am Wegesrand.
Unsere Unterkunft war schneller gefunden und wir hatten dann ohne Gepäck noch eine schöne Tour auf die Halbinsel Falsterbo. Ein Abstecher nach Falsterbo ist zu empfehlen.
Abends gab es direkt über unsere Unterkunft ein Erlebnis des Herbstes. Tausende von Wildgänsen führten ihren Vogelflug direkt über uns aus.

3. Tag: Höllviken - Lund - 60 km
Diese Etappe führte uns über Malmö nach Lund.
Die schöne Strecke immer am Meer entlang nach Malmö kannten wir bereits von unserer Westküstentour. In Malmö eine kleine Rast bei Kaffee und Kuchen und etwas ausruhen. Danach weiter durch an der Altstadt vorbei in Richtung Lund.
In Lund suchten wir auch erst mal unsere Pension auf. Diese lag sehr zentral, so dass wir die Innenstadt per Fuß erkundeten. Am Besten fanden wir kleinen Straßen mit den  kleinen Häuschen und den schönen Stockrosen soweit das Auge reichte. Hier merkte man dass Südschweden einmal zu Dänemark gehörte. Aber auch die romanische Domkirche ist imposant und Lunds Wahrzeichen. Ein Freilichtmuseum in der Stadt (Kulturen) hatte bereits geschlossen, aber wir schauten durch und über den Zaun, so dass wir einen Eindruck gewinnen konnten. Lund ist eine Stadt mit 83.000 Einwohnern,  ca. 40.000 Studenten sind dort immatrikuliert. Und das merkt man dieser Stadt an.
Nachts regnete es wie aus Eimern.

4. Tag: Lund - Grandliden -  75 km
Morgens scheint die Sonne und nach einem schönen Frühstück führte uns heute die Etappe weiter weg von der Küste ins Inland der Provinz Skane. Dort wird die Landschaft hügeliger und bewaldet. Bei Pausen hört man nur Stille. Außer das Bäume rauschen und Vögel zwitschern hört man NICHTS!    
Ein Teil der Strecke führte durch Militärgebiet. Wenn die Schranken hoch sind, kann man das Gebiet durchfahren. Leider führte uns das GPS nicht die Straße entlang sondern in die Wildnis. Da dort nichts ausgeschildert ist, standen wir manchmal an Abbiegungen, welche nur ein Kopfschütteln hervorriefen. Aber mutig wie wir waren, ging es durch Schotter und ca. 50 cm hohes Gras und irgendwie fanden wir auch die Straße nach Silvakra wieder. :-)
Eine kurzen Abstecher nach Hörby in die Innenstadt um bei Kaffee und Kuchen etwas aus den Sätteln zu kommen.
In der Nähe von Ludvigsborg war unsere Unterkunft. Nach dem wir uns vom Gepäck befreit hatten, ging es ganz leicht noch an den See Sätoftasjön und wieder zurück.

5. Tag: - Grandliden - Kristianstad - 60 km
Die Route führte in Richtung Norden. Wir nahmen heute die Abkürzung in Richtung Kristianstad. Wieder hat uns die Stille der Wälder überwältigt. Der Weg führte u.a. auch an den See Bosarpasjön vorbei. Dort steht an der Südspitze ein sehr altes Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert, welches in Ständerbohlenbauweise errichtet ist, d.h. zwischen den Bohlen wurden waagerecht Planken eingefügt.
Auf dieser Etappe sollte man alles dabei haben, da es hier keine Einkehrmöglichkeiten gibt. In Kristianstad angekommen, wollten wir unser Gepäck abladen und uns dann noch den Ort anschauen. Unsere Wirtin wollte uns aber erst den Schlüssel geben, wenn wir bar gezahlt hatten. In Schweden ist es gar nicht üblich, bar zu zahlen, so dass wir unser Bargeld zusammenkratzen mussten, um dieser Aufforderung nachzukommen. Das Frühstück war bereits im Kühlschrank fertig abgestellt und umfasste u.a. 4 Scheiben Graubrot. Frische Brötchen o.ä. gab es nicht. In Kristianstad gibt es bis in die Innenstadt hinein ein geschütztes Feuchtgebiet, das seit 2005 Biosphärenreservat der UNESCO ist. Es beginnt am Fluß Helge A und endet in Ahus. Auch einen Tivoli-Park gibt es mit einem wunderschönen Theaterbau.

6. Tag: Kristianstad - Kivik - 70 km
Die Etappe führte jetzt an der Westküsten entlang mit hübschen kleinen Hafenstädtchen. Bis nach Ahus ging es durch das Biosphärenreservat.
Die Region Österlen ist bekannt um Kivik für Apfelbaumplantagen.
Außerdem gibt es hier schöne Strände und viele Ferienhäuser. Einige Strecken führen an  Straßen entlang, die stark befahren sind und nicht so viel Spaß machen.
Es gibt eine neue Rad-Wegstrecke: Sydostleden. Dort sollte man unbedingt radeln. Sie ist 2016 eröffnet worden und führt abseits von Straßen.
Eine Enttäuschung war auch unser Abstecher zum Museumsbahnhof bei Brösarp.
Dort ist tote Hose, weder das Musem noch das Kaffee im Eisenbahnwaggon hatten auf. Von Brösarp bis Kivik sollte man unbedingt die neue Radstrecke Sydostleden nutzen, auch wenn es bedeutet, einen kleinen Umweg zu radeln.
Hier der Link:

In Kivik gibt es am Hafen geräucherten Fisch, Krabbensalate und anderes zu kaufen.
Wir nutzten dieses Angebot und genossen diese Pause mit Blick auf den Hafen. Eine Regenfront war angesagt und den Rest der Etappe war schnell abgeradelt, so dass wir unser Zimmer schon bezogen hatten, ehe es anfing zu regnen.

7. Tag: Kivik - Käseberga - 74 km
Am morgen war es bedeckt, aber trocken, so dass wir nach einem schönen Frühstück zur Route an der Westküste aufbrachen. Viele Apfelbäume konnte man sehen. Was aufgefallen ist: es gab viele alte Apfelbäume. Ein Teil der Strecke am Kivik führte an der Straße entlang - aber mit einem Radweg. In Simrishamn sind es die kleinen, in hellen Farben gestrichenen Häuschen mit schönen Haustüren, die auffielen. Viele Touristen gab es auch, so dass wir bald weiterradelten. 
In Brantevik legten wir eine Pause an einem kleinen, nette Kaffee ein. Gegenüber gab es auch einen Stand mit frischen Beeren, die uns anlachten.
Weiter führte uns der Weg nach Skillinge. Dort war vom bikeline empfohlen, einen Abstecher zur Burg Glimmingehus zu machen. Da wir noch genug Zeit hatten, ging es jetzt ca. 5 km ins Inland. Auf sehr kleinen Straßen mit einem stetigem mehr Auf als Ab, radelten wir zur angeblich besterhaltenen, mittelalterlichen Burg Skandinaviens. Wir kamen von der rückwärtigen Seite, der Zugang war durch einen Privatweg gesperrt. Wir mussten einen Umweg von ca. 2 km machen um dann zu sehen, dass man 1. keine deutsche Führung anbot und 2. 70 skr bezahlen sollte um überhaupt näher an die Burg zu kommen. So beließen wir es mit einem Blick aus der Ferne und radelten wieder zurück. Diesmal mit sehr viel Speed abwärts  ;-)
Danach ging es bis Käseberga immer auf der Straße entlang und gegen Windböen bis 50 km/h. Die Autofahrer überholten nicht mit genügend Abstand und mit einem ziemlichen Tempo. Von der Rücksicht, die wir bisher in Schweden erlebten, merkten wir an diesem Tage nichts - schade!
Es nervte immer an der Straße entlang zu radeln, so dass wir einen Abstecher nach Sandhammaren machten. Es liegt an der südöstlichen Spitze Schwedens und ist bekannt, dass es dort gefährliche Strömungen und den größten Schifffriedhof gibt. Ca. 1000 Wracks sollen hier vor der Küste liegen. Eine kleine Pause mit Aussicht über die Dünen auf das Meer entschädigte für die Fahrt.
Aber es mußte weitergehen. Nachdem wir unsere Herberge in der Nähe von Käseberga gefunden hatten (war etwas schwierig, es ging über einen Grasweg) und unser Gepäck abgeladen hatten. radelten wir noch in das kleine Städtchen rein um 1. das Stonehenge Schwedens zu besuchen und 2. uns für das Abendbrot mit Fisch einzudecken.

8. Tag: Käseberga - Trelleborg - 76 km
Nach einem Superfrühstück ging es auf die letzten Kilometer dieser schönen Radtour.
Unser nächstes Ziel war Ystad. Dort wollten wir die Altstadt erkunden und vielleicht einige der Plätze von Mankells Krimis mit Kurt Wallander erkunden.
Als erstes begrüßte uns das deutsche Segelschiff Roald Amundsen mit Leuten in den Aufbauten. Da mussten wir erstmal zu schauen und wir waren nicht allein, sondern es kamen immer mehr Leute, die ebenso neugierig waren.
hier mehr dazu
In der Altstadt war es dann voll von Touristen. Wir wollten jedoch unsere Ruhe und gingen nach einer Pause im Kaffee von Kut Wallander wieder auf Tour.
Das Wetter war uns noch bis ca. 17 Uhr wohlgesonnen, danach mußten wir dann das erste Mal auf dieser Tour unsere Regenjacken anziehen, da es ca. alle 20 Minuten einen - manchmal kleinen oder auch größeren - Schauer gab. Wir hatten immer Glück und konnten die Regenschauer entweder bei einem Eis oder bei einem Tee oder unter einem Baum verbringen. Deshalb zog sich der Rest der Etappe dann doch länger hin als geplant und als wir in Trelleborg eintrafen wollten wir nur noch aufs Schiff.
Da es auch an diesem Tag Windböen von vorn bis ca. 48 km/h gab, machten wir uns Gedanken über den Seegang. Zum Glück ließ der Wind zum Abend nach, so dass wir dann noch gemütlich abends essen konnten.

9. Tag: Trelleborg - Burgdorf - 23 km
Morgens wollten wir kein Frühstück auf dem Schiff nehmen. Es blieb beim Kaffee und nach der Ausschiffung  radelten wir wieder bis Lübeck mit dem Rad. Das schöne Wetter der vergangenen Tage war uns an diesem Tag nicht gegeben, so dass wir dann auch heute wieder die Regenjacken anziehen mussten. Es war auch viel kälter geworden. Der Radweg von Travemünde bis nach Lübeck war nach Schweden doch gewöhnungsbedürftig. Da muss mal nachgearbeitet werden.
In Lübeck schauten wir uns noch einem die Altstadt an, frühstückten in aller Ruhe, besuchten Niederegger und machten uns dann auf den Weg zum Bahnhof. Wir nahmen einen Zug eher, dass die Umsteigezeit in Lüneburg kurz war und wir wollten jetzt zum Ende der Reise uns keinen Streß machen.
Den machte dann die Bahn. Nur 1 Waggon mit nur wenigen Radstellplätzen gab es. Wir waren rechtzeitig da und konnten beobachten, dass nach uns noch einige Räder, auch mit Kinderanhänger und anderem Gepäck sowie ein Rollstuhlfahrer untergebracht werden mussten. Der Zugbegleiter war aber ganz cool und hat das alles in Ruhe organisiert. Ja, so etwas gibt es auch! Und es kamen alle mit.

Aber mal ein grundsätzulichen Hinweis an die Bahn: Man weiß, dass es in Lübeck einen Flughafen gibt und das hier auch viele Radler (Ostsee-Radweg ua.) ankommen. Wäre es nicht möglich, hier mindestens 2 Waggons auf diese Strecke einzusetzen??

Umstieg in den IC in Lüneburg und dann nochmal in Celle und wir waren zu Hause.

Fazit: 533 km
schöne Radtour mit einigen Mängeln (Straßenradeln)
Tolle Landschaft
Prima Radelwetter
bikeline: Südschweden - GPS-Daten auf dem Handy über Komoot das erste Mal genutzt

Gute Unterkünfte -  meist B&B - oft günstiger als Jugendherbergen s.u.
(in der Vergangenheit haben wir des öfteren in Jugendherbergen oder Vandrarhemmet übernachtet. Dort muss man jedoch noch zuzüglich Bettwäsche und Frühstück extra buchen und bezahlen).
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5 Kommentare
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 26.08.2017 | 19:58  
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 27.08.2017 | 05:45  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 27.08.2017 | 09:02  
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 27.08.2017 | 10:15  
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Beate Rühmann aus Burgdorf | 31.08.2017 | 09:15  
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