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Anton der Mäusebussard

Zuerst hat man seine Bäume gefällt. Auf den beiden zunächst verbliebenen Eichen saß er noch manchmal ab und zu, – ein prächtiger Mäusebussard mit einem auffällig weißen Brustgefieder, -- bis auch die letzten beiden Bäume der Motorsäge zum Opfer fielen, Dann rückten die Baufahrzeuge an. Eine neue Straße sollte gebaut werden. Eines Tages sah ich den Vogel auf der höchsten Stelle des Baukranes hocken. Plötzlich breitete er seine mächtigen Flügel aus und schwang sich in den rötlichen Abendhimmel. Er war mir inzwischen so vertraut, dass ich ihn Anton genannt habe. -- Danach war er längere Zeit verschwunden. Die Überführung der zukünftigen Umgehungsstraße war inzwischen fertig gestellt. Die kurvenreiche, hoch geschwungene Brückenkonstruktion stellt nun einige Anforderungen an den Fahrzeugverkehr, Radfahrer und Fußgänger haben ihre Mühe. Vom höchsten Punkt der Straße kann man jetzt weit ins Land schauen und den Fortschritt der neuen Bundesstraße betrachten. – Eines Tages war er wieder da. -- Auf einem der Hügel mit aufgeschüttetem Mutterboden blickte der Mäusebussard aufmerksam in die Runde. Als er aufflog, um die aufgerissene Landschaft zu überqueren, sah man deutlich seine weißgraue Brust. Es schien, als wollte er sein Jagdrevier rund um das Baugelände nicht verlassen, -- wer weiß schon, warum er das tat.
Es vergingen ca. 2 Wochen, bis ich ihn wiedersah – als ein Häufchen von Federn und zerrissenen Gliedmaßen in einer Kurve der Überbrückungsstrasse. Seine Ortsgebundenheit war ihm zum Verhängnis geworden. Es tat mir weh.
Adieu Anton, ich werde dich vermissen.
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