Durch die Lüneburger Heide nach Hamburg

Unterquerung des Mittellandkanals bei Seelze.
 
Die Leine bei Neustadt am Rübenberge.
 
Mühle Bothmer kurz vor der Mündung der Leine in die Aller.
 
Neugierige Zaungäste am Leine-Heide-Radweg bei Schwarmstedt.
 
Das Lönsgrab in Tietlingen bei Walsrode.
Nachdem wir am Himmelfahrtswochenende 2010 den ersten Teil des Leine-Heide-Radweg von Hannover bis zu den Quellen im Eichsfeld gefahren waren, sollte es bis zum August dauern, den nördlichen Teil von Hannover nach Hamburg in Angriff zu nehmen. Eine teilweise ziemlich strapaziöse Tour, aber eine mit vielen landschaftlichen Höhepunkten.

Los ging´s am Hauptbahnhof in Hannover, von wo wir über die Fahrradstraße Lange Laube in Richtung Herrenhäuser Gärten radelten. Dort links halten, schon ist man an der Leine. Der LH-Radweg verläuft zunächst links des Flusses, unterquert die Brücke der Bundesstraße 6, um vor dem Stichkanal Hannover-Linden wieder nach rechts zu wechseln. Die Beschilderung ist ausgezeichnet, auch wenn der LH-RW hier noch Leineradweg heißt. Macht aber nichts.

Wir lassen den Conti-Turm auf dem ehemals riesigen Fabrikgelände in Limmer hinter uns. Nun wird es ruhiger: links der Kanal, rechts schlängelt sich die Leine nach Nordwesten, genau gegen den Wind. Durch den Stadtteil Letter gelangen wir nach Marienwerder, wo der kurze Abstecher zum Kloster Marienwerder zu empfehlen ist.
Noch nieselt es ein wenig. Durch die weite Leineniederung, die bei Hochwasser weit überschwemmt wird, geht es nach Garbsen. Nach Durchfahren eines kleinen Waldgebietes mit einigen Steigungen landen wir bei der Waldschänke und pausieren kurz beim Morgenkaffee.

Zum Steinhuder Meer
Weiter geht´s unter der Autobahn 2 hindurch und entlang der Straße nach Schloss Ricklingen. Nun schwenkt der Fernradweg stracks nach Norden gen Neustadt. In Bordenau, wo das Geburtshaus des Generals Scharnhorst am Wege liegt, besteht die Möglichkeit zu einem Abstecher ans Steinhuder Meer (ca. 10 km hin). Wer dort noch nicht war, sollte sich im Jugendgästehaus in Mardorf, am Nordufer gelegen, einquartieren und einen Tag für die Erkundung und Umfahrung (ca. 35 km) des größten norddeutschen Binnengewässers einschenken. Vielleicht ist sogar ein Abstecher nach Wunstorf (ca. 4 km von Steinhude) drin und eine Einkehr im beliebten Biergarten von Altens Ruh. Es lohnt sich!

Nach Schwarmstedt
Wir jedoch kennen das Meer von früheren Radtouren bestens und strampeln weiter gen Neustadt am Rübenberge mit dem sehenswerten Schloss Landestrost (Torfmuseum!). Nun heißt es: Vorräte ergänzen und weiter. Das Neustädter Land ist dünn besiedelt, die Stadt Neustadt selbst ist laut Wikipedia flächenmäßig die achtgrößte in Deutschland (bei anderen Quellen sind es die Plätze 5 bzw. 6).
Riesige Windenergieanlagen bestimmen zunächst das Bild. Auch „richtige“ Wind- und Wassermühlen sind in dieser Region reichlich zu finden.

Unser nächstes Ziel ist das Kloster Mariensee, ein noch in Betrieb befindliches Zisterzienserkloster, das wir über eine gegenüber der Hauptroute etwa gleich lange Alternativroute erreichen. Auf der Homepage des Klosters heißt es: „Etwa 1207 als Frauenkloster gegründet, in dem die Regeln der Zisterzienser galten, wurde das Kloster in der Reformationszeit nicht aufgelöst. Bis heute lebt ein evangelischer Frauenkonvent im Kloster Mariensee.“ Es lohnt sich, einmal ins Innere zu gehen und die Kreuzgänge zu bewundern.

Nach diesem Ausflug ins Geistliche geht es über Wulfelade vorbei am Rittergut Evensen aufs platte Land. Der Weg zackt des Öfteren. In Mandelsloh verpassen wir mangels Hinweisschild die angeblich sehenswerte Osdagkirche, laut Wikipedia „erster monumentaler Backsteinbau Norddeutschlands“. Und weiter: „Die Backsteinbasilika St. Osdag wurde wahrscheinlich von Heinrich dem Löwen um 1180 errichtet. Sie wurde nach dem burgundischen Herzog Osdag benannt, der in einer Schlacht gegen die Normannen gefallen sein soll.“

Hinter Niederstöcken sehen wir mal wieder die Leine – ein recht seltener Anblick für einen Flussradweg – und erreichen bald Schwarmstedt. Die Homepage der Stadt listet einige Sehenswürdigkeiten auf, darunter diese: „Die Alte Burg in Schwarmstedt repräsentiert einen seltenen Typ des barocken Fachwerkbaus. Das Gebäude wurde 1632 erbaut und fällt besonders durch seine Geschossüberragende Giebelwand auf. Früher sollen hier die unverheirateten Töchter der Familie von Bothmer gewohnt haben.“
Bothmer heißt auch der nächste Ort, wo es rechter Hand ein Schloss anzuschauen gibt. Nicht zu verwechseln mit dem riesigen Schloss gleichen Namens in Mecklenburg-Vorpommern.
Kurz hinter Bothmer biegen wir bei der stattlichen Bothmer Mühle, einem Galerie-Holländer, rechts ab an die Leine, die kurz darauf in die Aller mündet, und radeln über Grethem weiter nach Ahlden mit seinem Schloss.

Das Lönsgrab in Tietlingen
Ab Ahlden geht die Fahrt ostwärts bis Hodenhagen, das durch seinen südlicher gelegenen Serengeti-Park bekannt wurde. Hier finden wir an der ziemlich lauten Hauptstraße endlich ein Lokal, das geöffnet hat. Nach der Stärkung nehmen wir nun die letzten Kilometer, vorbei an Düshorn und Walsrode, nach Bad Fallingbostel in Angriff. Die Einfahrt zum Lönsgrab in Tietlingen verpassen wir, weil diese nur aus Richtung Fallingbostel mit einem großen Schild gekennzeichnet ist. Für alle Fälle: Die Einfahrt befindet sich gleich neben dem schmucken Hotel Sanscoucci (mit Biergarten).

Nach Schneverdingen
Schreck in der Morgenstunde: Mein Mitradler hat muskuläre Probleme und kann nicht weiter. So mache ich mich alleine auf die zweite Tagesetappe, besuche zuvor aber noch das tags zuvor verpasste Lönsgrab, das in einer lieblichen kleinen Heidelandschaft liegt.

Östlich von Bad Fallingbostel befindet sich ein großer Nato-Truppenübungsplatz. Der Leine-Heide-Radweg führt nun gen Nordosten. Nach einer längeren Steigung, vorbei am sehenswerten Hof der Heidmark, verlasse ich die Stadt gen Adolfsheide und rolle bald durch Dorfmark mit seiner markanten St. Martinskirche von 1708. Die Weite der Landschaft und die Stille sind wahrlich erholsam. In Allerhop quert der Radweg die Trasse der Heidebahn, mit der man direkt nach Hannover fahren kann. Nun wird die Landschaft wildromatisch. Wälder und Wiesen, das Tal der Böhme, das Gut Fuhrhop. Meistens verläuft ein gut befahrbarer Radstreifen neben den Feld- und Waldwegen, so dass man ganz gut voran kommt. Bald ist das quirlige Soltau erreicht.

Kurz hinter dem Hof Falshorn – 34 km sind ab Bad Fallingbostel zurück gelegt -, einem mitten im Wald gelegenen stattlichen Gehöft, liegt links am Wege der „Friedrich Toedter Steingarten“. Findlinge aller Größen sind hier liebevoll zu einem ansehnlichen Ensemble zusammen gestellt worden. Ein paar Kilometer weiter liegt rechts des Weges der Schäferhof, eine beeindruckende Anlage heidetypischer Bauten. Sage nur einer, die Heide wäre langweilig.

Die Anlage des Schäferhofs wird übrigens von einem 1976 von Bürgern gegründete Verein unterhalten, der sich „um Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf Heide- und Moorflächen sowie der Schaffung von Rückzugsgebieten für bedrohte Tierarten“ bemüht. Er unterhält eine Gebrauchsherde von etwa 350 Muttertieren mit Lämmern.

Nach etwa zwei Kilometern Fahrt ist das Schnuckendorf Neuenkirchen erreicht. Die Wegeführung nach Schneverdingen zackt mehrfach und berührt Dörfer wie Sprengel mit der stattlichen Mühle, Schülern und Wieckhorst. Vor allem im Mai, wenn es blüht, ist das Pietzmoor südlich von Schneverdingen eine Augenweide. Von dort ist es nicht mehr weit in den Ort. Beim Bäcker im Zentrum kann man draußen sitzen und Kaffee und Kuchen genießen. Die Stärkung ist auch notwendig, denn bald darauf ist Schluss mit schönen Asphaltwegen: Es geht ins Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit endlosen Sand- und Schotterwegen.

Die Heide blüht kaum
Von Schneverdingen radle ich laut Karte vorbei an Sportplatz und Schwimmbad genau ostwärts. Bald darauf beginnt das Heidegebiet, wie man es aus dem Bilderbuch kennt. Es ist Freitag: Das Wochenende hat für viele schon begonnen. Und so wird es auf manchen Heidewegen eng. Die Touristen sind vielfach enttäuscht, weil die Heide wegen der Trockenheit im Juli kaum blüht, auf großen Flächen sogar völlig vertrocknet ausschauen. Der LH-Radweg ist ausgeschildert, doch die kleinen Schilder stehen auf der falschen Seite des Weges, nämlich neben den Sandwegen für die Kutschen, und sind leicht zu übersehen. Vorbei an dem in der Karte eingezeichneten Schafstall erreiche ich die Bundesstraße 3. Kein Hinweisschild mehr, geradeaus ist der auf der Karte eingezeichnete Weg versperrt. Was also tun?

Ich radle entlang der Bundesstraße nach Norden und biege in den nächsten Vertrauen erweckenden Waldweg ein. Links biegt ein Sandweg nach Niederhaverbeck ab, wohin ich auch will. Doch der ist kaum zu befahren. Ich nehme den Schotterweg durch die Hohe Heide und treffe an dessen Ende auf Radfahrer. Die geben mir einen Tipp, wie ich nach Niederhaverbeck gelange. Der Weg sei „gar nicht mal so schlecht“. Doch die Leute hatten kein Gepäck. Und so rumple ich über Stock und Stein, gelange an einen Pfahl mit ehemals drei hölzernen Wegweisern. Der nach rechts ist abgebrochen und verschwunden. Anscheinend schon seit langem. Aber nur dieser Weg kann der richtige Weg sein, sagen mir meine sicherheitshalber mitgenommene Radwanderkarte 1:100.000 und mein unentbehrlich gewordener Kompass.

Der Weg wird sandiger, steiler und schmaler. Weiter geht´s trotzdem – oder erst recht. Ich erreiche eine Waldkante und blicke über ein faszinierendes Tal, vermutlich das der Wümme. Kein Mensch, kein Haus, keine Straße ist zu sehen. Nach kurzer Verschnaufpause fahre ich vorsichtig weiter. Es geht leicht bergab – und plötzlich öffnet sich der Wald und ich sehe vor mir einen breiten Weg. Und dazu gleich zwei Wegweiser: Niederhaverbeck 1,8 km.
Ohne meinen Kompass wäre ich vermutlich längst umgekehrt. Aber nun radelt es sich endlich wieder besser. In Niederhaverbeck kehre ich – nach über 68 km Tagesstrecke - erstmal ein und feiere meine Rückkehr in die Zivilisation. Radreisen wird manchmal halt auch zum Abenteuer.

Der Wegweiser nach Wilsede (3,9 km) und Undeloh (8,1 km) zeigt in den Wald, was schlecht stimmen kann. Ich nehme die Straße, die bald zu einem Sandweg wird. Zahlreiche Pferdekutschen sind unterwegs und jede Menge Wanderer. Die Landschaft links und rechts ist schon beeindruckend und zwingt immer mal wieder zum Anhalten und genießen. In Wilsede und, noch extremer, in Undeloh ist der Bär los: Touristen ohne Ende, natürlich meistens per Auto oder Bussen angereist. Sie schwärmen aus, insbesondere rund um den fast 170 Meter hohen Wilseder Berg und bescheren den Gastronomen ein Riesengeschäft. Vielerorts ist noch Ferienzeit.

In Undeloh liegt die St.-Magdalenen-Kirche am Wege.

Raus aus dem Heidesand
Ab Undeloh bekomme ich wieder Asphalt unter die Räder. Es geht zunächst immer leicht bergauf über den Hingstberg nach Wesel. Entlang einer Straße radle ich nach Schierhorn, folge dem Bogen über Holm nach Thelsdorf und dem Anstieg zur Seppenser Wassermühle, einem verfallenden Bauwerk an einem See. Kurz vor Seppensen befindet sich der Alaris Schmetterlingspark.

Kurz darauf traue ich einem mickrigen Rechtspfeil, der ohne jede weitere Erläuterung ins Unterholz führt, nicht und bleibe auf der Straße. So verliere ich den Leine-Heide-Radweg nach Buchholz in der Nordheide. Die Straße führt durch einen Tunnel unter der Eisenbahntrasse hindurch. Obwohl ich längst wieder auf dem LH-RW sein müsste, ist kein Hinweis darauf zu finden. Erst hinter dem Hotel-Restaurant Zur Eiche an der Steinbecker Straße steht wieder ein Hinweisschild. Ich kehre kurz ein und erlebe mit, wie mit dem üblichen Hallo eine große Gruppe des ADFC Dreieich einquartiert wird. „Wir fahren mit GPS“, erzählt mir einer und klagt dazu über viele holprige Wege.

Lange Walddurchfahrt
Kilometerlange Fahrten durch Wälder bin ich ja durch die Tour auf dem Hessischen Fernradweg R 4 gewohnt. So schrecken mich auch die gut acht Kilometer durch den Stuvenwald nicht sonderlich, zumal der Untergrund meistens gut befahrbar ist. In Sottorf knurrt der Magen und ich verdrücke eine Bockwurst. Der Mann am Tisch nebenan erklärt mir ausführlich und gleich gefühlte fünf bis sieben Mal, wie ich zu meinem Quartier in Harburg gelange. Immerhin: Die Wegebeschreibung ist exakt und über das Autobahndreieck HH-Südwest gelange ich ruckzuck nach Appelbüttel, von wo es nur noch ein Katzensprung ist.

Einen Trailer gibt es YouTube unter hier klicken

Zum ausführlichen Bericht über diese Tour hier klicken
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Magazin Burgdorf | Erschienen am 03.09.2010
1 Kommentar
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Helmut Nimsgern aus Günzburg | 17.08.2010 | 13:43  
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