Anzeige

Haareis und Kammeis - eine Zauberei im Wald

Haareis - vor 3 Jahren zum ersten Mal entdeckt und lange gerätselt, was es sein könnte...
Bodenfelde: Amtsmühle | Auf den Tag genau vor drei Jahren erlebte ich dieses Wunder im Naturpark Solling-Vogler im Weserbergland bei Bad Karlshafen; genau gesagt beim dortigen Hutewald-Projekt.
Auf den mittlerweile geschlossenen Seiten auf mz-buergerreporter.de berichtete ich damals in mehreren Beiträgen darüber. Da ich zu dieser Zeit bei myHeimat noch nicht registriert war, will ich das jetzt nachholen.
Im Wildpark Haus Solling hatte mir eine nette Rangerin den Tipp gegeben, unbedingt den Hutewald mit seiner Waldmast zu besuchen. Hier ist eine Wandermöglichkeit gut beschrieben:

Durch Hutewald und Reiherbachtal (Ni 2)

Ich startete am Parkplatz Amtsmühle/ Zehntscheune Nienover. Nicht später im Wald; aber zumindest im Schaugehege, bekamen wir auch einige Exmoor-Ponys und Heckrinder zu Gesicht.
Schaurig schön wurde es aber erst im umzäunten uralten Eichenwald; „Vorsicht, freilaufende Bullen“ warnten mehrere Schilder.

Doch ich will über etwas anderes berichten.
Auch ohne Wild im Walde zu Gesicht zu bekommen entzückten mich stattdessen zwei noch nie gesehene Naturphänomene, die ich zunächst irrtümlich für eine Art Baumpilz gehalten hatte.

Haareis, auch Eiswolle genannt und Kammeis, (Stängeleis)

Während das weiße, watteähnliche Haareis auf Totholz anzutreffen war, wuchs das Kammeis scheinbar aus dem Waldboden heraus.
Hier eine nette Kurzfassung über Kammeis
„…Kamm- oder Stängeleis – ein seltenes Phänomen, das nur auftritt, wenn die Voraussetzungen genau stimmen: Es braucht einen feuchten, schneefreien Boden, einen unterirdischen Wasservorrat und Temperaturen knapp unter dem Nullpunkt. Unter diesen Bedingungen ist das Wasser im Boden nicht gefroren, aber es gefriert an jener Stelle, wo es an die Oberfläche tritt. Wenn nun genug Wasser nachdrückt und fortlaufend gefriert, wachsen die Eiskristalle in die Länge. Im Extremfall können sie sogar Steine anheben….
Noch interessanter als das Kammeis ist das viel feinere Haareis. Es wächst lockenförmig aus totem Buchen- oder Eichenholz.
Ein spannender Punkt beim Haareis ist, dass die Details seiner Entstehung erst vor wenigen Jahren geklärt wurden, und zwar vom Schweizer Naturforscher Gerhart Wagner „... beim Haareis handelt es sich im Gegensatz zum Kammeis) nicht um ein rein physikalisches Phänomen: Es ist vielmehr ein Pilz (beispielsweise der Goldgelbe Zitterling) daran beteiligt. Das Totholz muss dabei von diesem Pilz durchsetzt sein. Wiederum wachsen die Eisnadeln, wenn genug Wasser an die kalte Luft gelangt. Das Wasser stammt diesmal aber nicht aus dem Boden, sondern aus dem Holz: Es handelt sich um ein Stoffwechselprodukt des im Holz lebenden Organismus. Das Haareis ist also gewissermaßen der gefrorene Atem des Pilzes.“
Siehe auch: „Eis, so fein wie Wolle“

Bei den Wetteraussichten für die nächsten zehn Tage hat man wohl auch in anderen Wäldern mit Totholz durchaus Chancen Haareis zu entdecken.
6
1
3 3
2
4
1
1
4
2
2
2
5
2 5
4
2
5
1 4
4
3
2
1 6
3
21
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
5 Kommentare
13.770
Romi Romberg aus Berlin | 14.02.2019 | 23:32  
9.790
Günther Gramer aus Duisburg | 15.02.2019 | 10:44  
79.181
Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 15.02.2019 | 18:04  
13.216
Katalin Thorndahl aus Hamm | 15.02.2019 | 23:02  
3.399
Wolfgang Erler aus Sandersdorf | 16.02.2019 | 09:58  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.