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Richard Wagners Ring des Nibelungen - Fortsetzung

Götterdämmerung

Mit der Götterdämmerung setze ich „Wagner für Dummies“ nun fort. Mein Beitrag „Den Ring“ in einfacher Sprache zu beschreiben, ist für alle gedacht, die mit Wagners Ring und mit seinen Figuren schon immer ihre Schwierigkeiten hatten und haben, und zum Teil auch gar nicht wussten, wer da gerade auf der Bühne wen darstellt.

Nach Ws. Terminologie ist der „dritte Tag“ angebrochen. Es geht hierbei um das Ende Siegfrieds und letztlich der Götter. Weder Gunther, noch Gutrune, noch Brünnhilde durchschauen Hagens Intrige; sie sind wie Siegfried dessen Opfer. Siegfried und Gunther werden von Hagen erschlagen. Durch die Rheintöchter endet letztlich auch Hagen, die ihn in den Tiefen des Rheins ertränken. Nur Brünnhildes Tod ist ein freiwilliger und frei von jeder Trauer, ein lachender Tod.
Das Entzünden des Scheiterhaufens, auf dem Siegfried liegt, steht symbolisch für das Entzünden von Walhall. Nur Alberich überlebt.

Hagen fällt durch seine erstaunliche Integration auf, ist er doch der außereheliche Sohn Grimhildes mit Alberich, dem Nibelung. Der Bastard Hagen ist also der Halbbruder Gunthers und Gutrunes. Die Herrschaft hatte zwar Gunther als der Ältere inne, als der Erstgeborene. Doch Hagen steht offensichtlich auf Augenhöhe mit Gunther im Clan der Gibichungen.

Obwohl W. hier die drei Nornen urplötzlich auftreten lässt, dominieren jetzt und erstmals in der gesamten Tetralogie nicht mehr die Götter, sondern die Menschen die Bühne. Der Untergang Walhalls wird auf der Bühne als ein Naturschauspiel am flammenden Himmel dargestellt. Die Götter erscheinen nicht mehr, ihre Existenz wird nur noch angerufen oder durch Opfergaben verehrt.

Brünnhildes Göttlichkeit wurde ihr genommen, sie ist Mensch geworden und handelt wie ein Mensch. Sie versteht ihre göttliche Halbschwester Waltraute nicht mehr, die Walküre, die für das Heil der Götter die Rückgabe des Ringes an die Rheintöchter einfordert.

Nicht mehr Wotan und Alberich kämpfen um den Ring, jetzt führen Hagen und Siegfried den Kampf darum, wobei Wotan keinen Einfluss auf Siegfried nimmt. Jener weiß gar nicht, dass er von Wotan abstammt.
W. lässt Hagen mit kühlem, wohlüberlegtem Handeln erscheinen, um dessen Macht darzustellen. Auf sein Geheiß bereitet Gutrune für Siegfried einen Vergessenstrank. Ws. Absicht: Hagens Fähigkeiten der Manipulation und der Manipulierbarkeit und Unschuld Siegfrieds zu verdeutlichen. W. erhöht auf diese Weise seinen Helden, der naiv genug ist, dieses Spiel nicht zu durchschauen.

Mit der Götterdämmerung als Ende kehrt W. wieder an den Anfang zurück – zum Rhein. An den „Tagen“ zuvor, in der „Walküre“ und in „Siegfried“ spielt das Geschehen abseits vom Rhein. Nun tritt in der "Götterdämmerung" dieser wieder in den Mittelpunkt. So liegt das Land der Gibichungen dort, Siegfried fuhr einst auf dem Rhein und dort wird er auch erschlagen. Und auch die Rheintöchter erscheinen nun wieder, um den Ring wieder an sich zu nehmen. Der Kreis schließt sich.

W. greift tief ins Nibelungenlied ein und nimmt für seine Handlungen eine Reihe von Veränderungen vor.

Siegfrieds Tod ist nicht das Ergebnis der Rivalität zweier Frauen – Kriemhild und Brunnhild des Nibelungenliedes –, sondern weil sich Brünnhilde von Siegfried betrogen glaubt. Sie verrät Hagen ganz bewusst Siegfrieds verwundbarste Stelle.
W. ändert hier die Namensgebung der Kriemhild des Nibelungenliedes in Gutrune, um deutlich zu machen, dass sie neben Brünnhilde keine Konkurrenz ist, keine Persönlichkeit mit eigenem Charakter ist. Gutrune ist lediglich Mittel zum Zweck in Hagens Intrige. Außerdem war in der Tetralogie „Kriemhilds Rache“ gar nicht vorgesehen, wie im Nibelungenlied, wo es eine Fortsetzung gibt.

Die Handlung beginnt auf dem Walkürenfelsen. Es ist noch dunkle Nacht, am Himmel und im Hintergrund ist Feuerschein zu sehen. Vor einer mächtigen Tanne und an Felsen angelehnt erkennt man drei Frauengestalten – sie schweigen lange. Es sind die drei Nornen, die an einem Seil weben (am Lebensfaden spinnen).
Sie erinnern sich, wie einst Wotan sich einen starken Ast aus der Weltenesche herausbrach und daraus seinen Zauberspeer schuf. Sie erinnern sich, wie einst Riesen Wotans Burg erschufen – Walhall. Das Drama nimmt seinen Lauf, so wie die Nornen es in den Lebensfaden hineingesponnen haben, …

… wie Brünnhildes Schwester Waltraute Wotans Gebot missachtet und zum Bünnhildestein auf Island eilt, vor dem Fluch im Ring des Nibelungen, den Brünnhilde an ihrem Finger trägt, warnt und Brünnhilde Siegfrieds Liebespfand nicht an die Rheintöchter übergeben will, womit der Fluch gebannt wird, und ihre Schwester fortjagt,
… wie Alberich seinen Sohn Hagen zu strengem Hass erzogen hat und versucht, über ihn an den Ring zu kommen, um die Götter zu beherrschen, und wie Hagen den Ring für sich selbst bekommen will,
… wie Siegfried mit einem Vergessenstrank, den Hagen braute, betrogen wird, um Brünnhilde zu vergessen und sich Gutrune (die Kriemhild des Nibelungenliedes) zuwendet,
… wie Siegfried mit der Tarnkappe für Gunther durch den Feuerring, Wotans Gefängnis für Brünnhilde, schreitet und Brünnhilde erweckt,
… wie Siegfried Gutrune von der Eroberung Brünnhildes für Gunther erzählt,
… wie an Gunthers Hof Brünnhilde, seine Braut, empfangen wird,
… wie Brünnhilde erschrickt, als sie Siegfried erblickt und erfährt, dass er Gutrune ehelicht,
… wie Brünnhilde sich von Siegfried und Gunther betrogen fühlt:

„Betrug! Betrug!
Schändlichster Betrug!
Verrat! Verrat –
wie noch nie er gerächt!
[…]
Heißet Brünnhild‘
ihr das Herz zu zerbrechen,
den zu zertrümmern,
der sie betrog!“

… wie Hagen sich Brünnhilde anbietet, sie des Betruges wegen zu rächen, und wie er Gunther von Siegfrieds Tod überzeugt und Brünnhilde zustimmt, …

Männer blasen den Hochzeitsruf, Frauen begleiten Gutrune, Gunther Brünnhilde, die sich losreißen will aber von Hagen gehindert wird. Mädchen und Knaben schwingen Blumenstäbe und springen lustig umher.
Der Vorhang des zweiten Aufzuges fällt.

… wie die Rheintöchter Siegfried auffordern, den Ring zurückzugeben und ihn vor seinem baldigen Tod warnen, wenn er ihn behält,
… wie Siegfried von Hagen erschlagen wird,
… wie Gutrune vom Mord durch Gunthers Mund erfährt und wie Gunther von Hagen erschlagen wird,
… wie Gutrune Hagen verflucht, als sie vom Zweck des Vergessenstranks erfährt:

„Verfluchter Hagen!
Weh, ach weh!
Dass du das Gift mir rietest,
das ihr (Brünnhilde) den Gatten entrückt!
O Jammer! Jammer!
Wie jäh nun weiß ich,
dass Brünnhild‘ die Traute war,
die durch den Trank er vergaß!“

… wie Brünnhilde den gesamten Betrug erkennt, sich Siegfried, ihrem Gatten, zuwendet, den Scheiterhaufen errichten lässt, zu spät den Rheintöchtern den Ring zurückgibt, und sich in die Flammen stürzt:

„Fliegt heim ihr Raben!
Raunt es eurem Herrn,
was hier am Rhein ihr gehört!
An Brünnhilds Felsen
fahret vorbei:
der dort noch lodert,
weiset Loge nach Walhall!
Denn der Götter Ende
dämmert nun auf:
so – werf‘ ich den Brand
in Walhalls prangende Burg.“

Das Feuer rauscht auf mit flammender Kraft und erfüllt den gesamten Raum vor der Halle. Entsetzte Gesichter drängen nach vorne. Ganz plötzlich bricht das Feuer in sich zusammen, eine Glutwolke verteilt sich im Himmel. Vom Rhein her wälzt sich eine riesige Welle über die Brandstätte. Auf der Woge sitzen die drei Rheintöchter und ergreifen Hagen. Woglinde und Wellgunde ziehen ihn in die Tiefe des Rheins. Flosshilde hält jubelnd den Ring in die Höhe. Am fernen Himmel bricht eine rötliche Glut aus, die sich schnell verbreitet. Die Menschen schauen dem Ereignis erschüttert zu.
Der Vorhang fällt.

Zum Schluss

Mit dem Tode von Siegfried verlieren auch symbolhaft die Götter ihre Herrschaft. Mit der Götterdämmerung endet Ws. Tetralogie.

Im Nibelungenlied hat es jedoch eine Fortsetzung. Das darf nicht vermengt oder verwechselt werden. Missverständnisse entstehen dabei im Zusammenhang des Streits zwischen Kriemhild und Brünhild, insbesondere wenn es um Kriemhilds Rache geht.

Am Königshof in Worms lebt Kriemhild mit ihren drei Brüdern Gunther, Gernot und Giselher. Siegfried will um Kriemhild werben, die alle Werber bislang abwies. Um Siegfrieds Hilfe gegen die Dänen und Sachsen zu gewinnen, lockt man ihn mit Kriemhild.
Siegfried will erst um sie werben, wenn er auch Gunther zu einer Braut verholfen hat: Gunther hat sich Brünhild, die Königin von Island, in den Kopf gesetzt.
Brünhild besitzt, solange sie Jungfrau bleibt, übernatürliche, magische Kräfte. Um sie zu gewinnen, ersinnt Gunther einen Betrug, der Siegfried letztlich zum Verhängnis wird.

13 Jahre nach Siegfrieds Tod, nach langen Jahren der Trauer, erhalten Kriemhilds Rachepläne eine Chance zur Umsetzung, als der Hunnenkönig Etzel, der mächtigste Herrscher der Welt, sie heiraten will. Sie lehnt zunächst ab und will den Rest ihres Lebens mit Trauer um Siegfried verbringen; aber ihre Brüder raten ihr zu der Heirat. Ihr Bruder Giselher hofft, dass sie mit dieser Heirat ihre Ehre und Ansehen zurückerlangen kann.
Nur Hagen erkennt die Gefahr, dass sie als Etzels Gattin über große Macht verfügen würde.
Schließlich willigt Kriemhild ein und zieht mit großem Gefolge ins Land der Hunnen; Etzel zieht ihr entgegen; die Hochzeit findet in Wien statt. Kriemhild wird zu einer mächtigen Herrscherin an Etzels Seite und schenkt ihm einen Sohn, Ortlieb.
Nach 13 Jahren lädt sie ihre Brüder und Hagen, dem sie den Mord an Siegfried und den Raub des Nibelungenschatzes niemals verziehen hat, ins Land der Hunnen zu einem Hoffest ein. Die Eingeladenen, Hagen warnt eindringlich, vermuten eine Falle. Die Burgunden nehmen schließlich die Einladung an und glauben sich durch Mitnahme von 1000 Kriegern und 9000 Knechten geschützt zu sein. Von hier an nehmen die Burgunden den Namen der „Nibelungen“ an, was daran erinnert, dass sie sich nun als Besitzer des Hortes fühlen.
Trotz der Warnungen Dietrichs von Bern, der mit seinen Getreuen im Exil am Hofe Etzels weilt, dass Kriemhild noch täglich um Siegfried weint, setzen die Nibelungen ihre Reise fort, um nicht ehrlos zu erscheinen.
Am Hofe Etzels angekommen weigert sich Hagen die Waffen abzulegen: eine schwere Beleidigung des Gastgebers. Hagen zeigt demonstrativ, dass er Siegfrieds Schwert widerrechtlich mit sich führt. Es kommt tagsdrauf zu weiteren Provokationen durch die Nibelungen und schließlich zum Kampf.
Kriemhild ergreift das Schwert Siegfrieds und schlägt, im Gedenken an ihren toten Geliebten, Hagen eigenhändig den Kopf ab. Zur Rache dafür erschlägt Hildebrand Kriemhild; weil sie es als Frau wagte, einen Helden zu töten.

Am Ende stehen Dietrich von Bern, Hildebrand, Etzel und die ritterliche Gesellschaft weinend und entsetzt vor der Bilanz unsagbaren Elends.

Da war der Helden Herrlichkeit - hingelegt im Tod:
Die Leute hatten alle - Jammer und Not.
Mit Leide war beendet - des Königs Lustbarkeit,
Wie immer Leid die Freude - am letzten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden - was seither geschah.
Als dass man Fraun und Ritter - immer weinen sah,
Dazu die edlen Knechte - um lieber Freunde Tod.
Hier hat die Mär' ein Ende - das ist der Nibelungen Not.

Seit 2015 wird Der Ring in Minden aufgeführt; begonnen wurde mit Das Rheingold. 2016 dann Die Walküre, 2017 Siegfried und 2018 folgt die Götterdämmerung. 2019 wird es Der Ring des Nibelungen als Zyklus geben.

Auch Bielefeld hat neben Minden Wagner wieder entdeckt und den Ring ab Februar 2018 mit Das Rheingold ins Programm genommen.

Tipp

Wer sich nicht nur für das Epos interessiert, wer historische Hintergrundinformation sucht, dem sei das Buch von Helmut Berndt: „Die Nibelungen“, Auf den Spuren eines sagenhaften Volkes, Bastei-Lübbe-Taschenbuch, Band 64109 ans Herz gelegt. Erst jetzt versteht man das Nibelungenlied in seinem geschichtlichen Kontext der Völkerwanderungszeit von Römern, Alamannen, Burgundern, Merowingern und Franken. Und mit diesem Hintergrund fällt es leichter Wagners Ring einzuordnen.


Das Rheingold
Die Walküre
Siegfried
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2 Kommentare
10.433
Romi Romberg aus Berlin | 22.09.2018 | 12:18  
2.673
Heike Freia FRANK aus Bielefeld | 23.09.2018 | 17:13  
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