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Richard Wagners Ring des Nibelungen - Fortsetzung

Siegfried

Seit 2015 wird Der Ring in Minden aufgeführt; begonnen wurde mit Das Rheingold. 2016 dann Die Walküre, 2017 Siegfried und 2018 folgt die Götterdämmerung.
2019 wird es Der Ring des Nibelungen als Zyklus geben.

2015 hatte ich mit dem „ersten Tag“ – Das Rheingold – aus Wagners Tetralogie begonnen. Wagner für Dummies, nannte ich frech meinen Beitrag, um in einfacher Sprache „Den Ring“ zu beschreiben für diejenigen, die mit Wagners Ring und mit seinen Figuren immer ihre Schwierigkeiten hatten und haben, und zum Teil auch gar nicht wussten, wer da gerade auf der Bühne wen darstellt.
Dabei beschränke ich mich auf die verkürzte, aber ausreichende Wiedergabe des Inhalts der vier Bühnenstücke.

Nun die Fortsetzung:
Siegfried bildet den zweiten Teil der Tetralogie, oder nach W. den „zweiten Tag“.
Beschreibt die Götterdämmerung den Fall des Helden, so Siegfried dessen Aufstieg – ihm gelingt einfach alles.

Die Walküre endete mit Sieglindes Schwangerschaft und dem Aufwachsen ihres Kindes Siegfried. Inzwischen sind fünfzehn bis zwanzig Jahre vergangen. Siegfried ist zu der naiven Figur herangewachsen, der Wotans Speer (Feuerring und Speer um Brünnhilde auf Island) nicht fürchtet.

Zu Beginn erscheint Wotan als „Wanderer“ und als Waldvogel. Das darf man vermuten, denn W. gibt keine Hinweise darauf. Zumindest darf unterstellt werden, dass der Waldvogel ein Werkzeug Wotans ist und in dessen Sinne handelt.
In einer Felsenhöhle mit Schmiede im tiefen Wald hämmert Mime in Unruhe an einem Schwert. Er ärgert sich über Siegfrieds Ungestümtheit, mit der er mit seiner unermesslichen Kraft kaputt macht, was ihm in die Hände fällt.

„Das beste Schwert,
das je ich geschweißt,
in der Riesen Fäusten
hielt es fest:
doch dem ich’s geschmiedet;
der schmähliche Knabe,
er knickt und schmeißt es entzwei,
als schüf‘ ich Kindergeschmeid‘!“

Mime versucht aus dem in zwei Stücke zersprungenen Schwert Nothung, das einst Siegmund im Kampf mit Hunding beschützen sollte, und das Wotan mit seinem Speer zerstört hatte, (5. Szene der Walküre) ein neues Schwert Nothung zu schmieden. Damit soll Siegfried den Wurm Fafner, der den Schatz der Nibelungen beschützt, töten.
Mime verfolgt damit sein Ziel an den Ring des Nibelungen zu gelangen, um mächtiger sein zu können als Wotan. Mime hat jedoch ein Problem: Er bekommt das Zauberschwert nicht geschmiedet. Und Siegfried ahnt nichts von Mimes Hinterhältigkeit.

Als Siegfried mit einem gefangenen Bären in die Höhle stürmt und Mime damit erschreckt, entdeckt er auch, dass Mime das Schwert nicht so geschmiedet hat, wie Siegfried es wünschte. Er ergreift es und zerschmettert es auf dem Amboss.
Mime erschrickt sich vor Siegfrieds Kraft und Wut und versucht ihn mit einer Speise zu beschwichtigen. Doch der schmeißt ihm Topf und Braten aus der Hand.
Mime beschwert sich, das sei nun der Dank für viele Jahre Aufzucht, Erziehung und Ernährung. Siegfried schlägt zurück, was ihn lange quälte:

„Trägst du mir Speise und Trank herbei –
der Ekel speist mich allein;
schaffst du ein leichtes Lager zum Schlaf –
der Schlummer wird mir da schwer;
willst du mich weisen witzig zu sein –
gern bleib ich taub und dumm.

Seh ich dich stehn,
gangeln und gehn,
knicken und nicken,

mit den Augen zwicken;
beim Genick möcht‘ ich
den Nicker packen,
den Garaus geben
dem garst’gen Zwicker! –
So lernt ich, Mime, dich leiden!“

Mime sagt ihm, dass dies das Ergebnis seiner (Siegfrieds) Wildheit sei. Glauben soll er; er sei sein Vater und Mutter zugleich.
Siegfried bezichtigt ihn der Lüge und will wissen, wer seine Eltern wirklich sind. Mime weicht ihm aus. Da packt ihn Siegfried bei der Gurgel, schüttelt Mime durch und droht:

„… mit Gewalt dem Schuft!
Heraus damit,
räudiger Kerl!
Wer ist mir Vater und Mutter?“

Mime in Angst um sein Leben offenbart ihm seine Herkunft. Einst fand er draußen im Wald die wimmernde Sieglinde und brachte sie in seine Höhle. Sieglinde gebar am warmen Herd Siegfried und starb. Den Vater habe er nie gesehen, doch nannte Sieglinde seinen Namen, Siegmund, bevor sie starb.
Mime berichtet, wie er an die zwei zerschlagenen Schwertstücke gelangte, wie sein Vater im Kampf damit starb. Er holt nach einigem Besinnen die beiden Schwertstücke hervor, die Siegfried vorhin zerschmettert hatte.
Siegfried verlangte darauf hin, dass Mime ihm sofort daraus ein Schwert schmiede. Als Mime fragte, was er damit wolle:

„Aus dem Wald fort
in die Welt ziehn:
nimmer kehr ich zurück.

Nichts mich bindet und zwingt!
Mein Vater bist du nicht,
in der Ferne bin ich heim;
dein Herd ist nicht mein Haus.“

Mime erkennt, dass sein Ziel, an den Ring zu gelangen, in weite Ferne rückt und sinkt zusammen, während Siegfried eilig die Höhle verließ.
Da tritt nach einer Weile der „Wanderer“ (Wotan) aus dem Wald zu Mime in die Höhle und verwickelt den erschrockenen Mime geschickt in eine Wissens-Wette, um ihm die Lösung für sein Problem mit dem Schwert einzuflößen:

„… höre, verfallener Zwerg –
nur wer das Fürchten nie erfuhr,
schmiedet Nothung neu.“

Wotan lacht und geht in den Wald zurück.

Mime erzittert nach längerem sinnen, knickt hinter dem Amboss zusammen.
Siegfried poltert in die Höhle:
„Heda! Fauler!
Bist du nun fertig?
Schnell! Wie steht’s mit dem Schwert?“

Mime sagt, dass er über ihn nachgedacht habe, wie er ihn Wichtiges weise:

„Nur wer das Fürchten nicht erfuhr,
schmiedet Nothung neu. –
Zu weise ward ich
für solches Werk!“

Siegfried wird neugierig, was es mit dem Fürchten auf sich hat. Mime erklärt ihm, dass auf Rat seiner Mutter er ihn nicht in die listige Welt entlassen könne, ehe er nicht das Fürchten gelernt. Dies habe er Siegfrieds Mutter geloben müssen, als sie starb.
Während Siegfried immer ungehaltener wird, was das Fürchten ist, entsteht in Mime ein Plan …

„Ich weiß einen schlimmen Wurm,
der würgt und schlang schon viel:
Fafner lehrt dich das Fürchten,
folgst du mir zu seinem Nest.“

Siegfried erscheint uns als ein Naturbursche, isoliert von menschlicher Gesellschaft, beschränkt auf den Kontakt zu seinem Ziehvater Mime, und mit großen sozialen Defiziten. Erfolge hat er nicht durch gepflegte menschliche Beziehungen, sondern durch Anwendung von Gewalt. Der „Wanderer“ bringt es auf den Punkt:

„Wo nichts du weißt,
da weißt du dir leicht zu helfen.“

Siegfried fehlt jedes Gefühl für Angst und damit jedes Gefühl für Gefahr. Dieser Mangel wird ihm schließlich in der Götterdämmerung, als er sich unter Menschen begibt, zum Verhängnis.
Im Siegfried geht noch alles gut. W. identifizierte den Helden während der Entstehung des Werkplanes mit der Hauptperson im Grimm’schen „Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen.“
Mime gelingt es, Siegfrieds Ehrgeiz zu wecken, um mit dem Schwert Nothung den Wurm zu erlegen; statt Mime schmiedet nun Siegfried dieses Schwert selbst.

„Hoho! Hoho! Hahei! Hahei!
Blase Balg, blase die Glut! –
Nothung! Nothung! Neidliches Schwert!
Schon schmilzt deines Stahles Spreu:
Im eigenen Schweiße schwimmst du nun – bald schwing ich dich als mein Schwert.“

Während Siegfried Nothung schmiedet, schmiedet Mime seinen Plan, wie er durch Siegfrieds Kampf mit dem Wurm den Ring des Nibelungen erlangt. Mit einem Gebräu will er nach Siegfrieds Erfolg ihn dann einschlafen lassen, um ihn dann mit Nothung:

„räum‘ ich ihn leicht aus dem Weg,
erlange mir den Ring und Hort,
Hei! Weiser Wanderer,
dünkt ich dich dumm,
wie gefällt dir nun
mein feiner Witz?“

Vergnügt mischt er den Gifttrunk.

Siegfried indes fertigt Nothung und prüft seine Schärfe, indem er damit auf den Amboss einschlägt und ihn in zwei Stücke zerspaltet. Mime fällt vor Schreck zu Boden, Siegfried hält jauchzend das Schwert in die Höhe.

Der Vorhang fällt.


Es kommt, wie es kommen muss – Siegfried wird am König Gunthers Hof in eine Intrige von Hagen verwickelt. (Brünnhilde ist in der Götterdämmerung erst zur Rückgabe des Rings an die Rheintöchter bereit, als es schon zu spät ist.)
Auch Brünnhilde erfährt viel Leid durch Hagens üble Intrige. Ihre maßlose Liebe zu Siegfried führt sie von der göttlichen Walküre hinab zur menschlichen Frau.

Die Szenen im Siegfried bestehen bis auf wenige Monologe ausnahmslos aus Dialogszenen. Quellen für die Siegfried-Szenen entnahm W. aus der altnordischen Literatur, der Völsungasaga und der Edda, freilich auch aus dem Nibelungenlied. Die Schnittmenge daraus reicherte W. noch mit eigenen Erfindungen an.

Als Inzestkind und Götterenkel erscheint Siegfried außergewöhnlich genug, um der Held sein zu können, den sich W. als Retter der Welt vorstellte.
Entstehungsgeschichtlich konzipierte W. den Siegfried vor dem Rheingold (1848) und der Walküre als „Siegfrieds Tod“. Die Götterdämmerung entwickelte er erst danach, sowie die anderen „Tage“ (1851-1852).

Das Bad im Drachenblut verschafft Siegfried nicht Unverwundbarkeit, wie zu oft fälschlich angenommen wird, sondern die Fähigkeit, die Sprache der Vögel, zumindest des Waldvogels, zu verstehen.
Der germanisierende Stil der Bayreuther Aufführungen von 1876 wurde überall kopiert, mit dem W. aber keineswegs einverstanden war.

Und demnächst auf dieser Bühne:
Die Götterdämmerung … mit einem Nachwort zum Nibelungenlied.
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3 Kommentare
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 08.11.2017 | 19:31  
2.263
Heike F. FRANK aus Bielefeld | 09.11.2017 | 10:24  
9.927
Rainer Bernhard aus Seelze | 13.11.2017 | 21:49  
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