Anzeige

Talk unterm Turm in den Rathauspassagen von Berlin

Dierk Thiele, Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler beim Talk. (Foto: Gerhard Pohl)
 
Markus Eisenbichler beim Schuhplattler. (Foto: Gerhard Pohl)
Berlin: Rathauspassagen | Wir wollen immer noch weiter fliegen…….
Skispringer Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler zu Gast bei Dirk Thiele


Mehr als siebzig Veranstaltungen hatte bisher „Talk unterm Turm“ in den Rathauspassagen von Berlin, aber die in Sachen Skispringen war eine besondere. Hatte diesmal der langjährige Eurosportkommentator Dirk Thiele mit Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler zwei Athleten am Mikrofon, die im Winter mit ihren spektakulären Auftritten auf den Schanzen der Welt für viel Furore gesorgt hatten, aber auch mit Fragen an den Moderator nicht zurück hielten.

Auf der Habenseite der letzten Monate stehen immerhin u.a. der Weltmeistertitel in der Mixed- sowie Bronze im Einzel von Markus Eisenbichler und drei WM-Medaillen sowie der 4. bzw. 2. Platz im Weltcup/Skifliegen beim Team-Olympiasieger Andreas Wellinger. Beide präsentierten sich bei diesem Talk in hervorragender Form und boten den ca. 750 Gästen, unter ihnen junge Springer aus Bad Freienwalde, allerbeste Unterhaltung.

Dabei war man gleich beim Thema. „Wir springen gegenwärtig immer in Grenzbereichen, damit es für die Zuschauer attraktiv bleibt. Manchmal geht es über die Grenzen hinaus, man muss es aber lernen, diese zu erkennen. Gerade weil wir den so Sport lieben, gehen wir bis an die Grenzen“, bemerkt der 21-jährige Wellinger vom SC Rupolding, dessen Lieblingsschanzen u.a. in Kuusamo, Vikersund und Willingen stehen. „Klar wollen wir immer weiter springen. Wenn Stefan Kraft (AUT) 251m vorlegt, will man 1m weiter fliegen. Aber irgendwann setzt der Kopf ein und einem wird bewusst, was da gerade passiert“, bemerkt der Eisenbichler (TSV Siegsdorf), der in dieser Saison die neue Deutsche Bestweite von 248m in seinen Besitz bringen konnte. „Keiner von uns möchte, dass vor einem der Anlauf verkürzt wird, aber die Entscheidungen der Jury in der Saison waren in Ordnung und hier gerade beim Fliegen“, fügte der Bayer in beachtlichem Hochdeutsch hinzu und demonstrierte die Verbundenheit mit seiner Heimat, in dem er auf dem Podium einen Schuhplattler zeigte und ergänzte dazu, „ich wäre auch in Lederhosen gekommen, wenn ich danach gefragt worden wäre“.

Große Geste von Kamil Stoch

Wie eng Erfolg und Misserfolg oder Freud und Leid verbunden sind, musste Andreas Wellinger bei der ROWAIR-Tour in Norwegen auf das brutalste erleben. Vor dem letzten Sprung deutlich in Führung liegend, ging dieser völlig daneben. Kamil Stoch (POL) nahm den großen Teller in Empfang und der Rupoldinger wurde ‚nur‘ Dritter. „Eine ganz schlimme und bittere Erfahrung für mich, aber Kamil zeigte Größe und äußerte nach der Siegerehrung, dass er mir den Titel gegönnt hätte. Wir sind als Springer eine große Familie und nicht nur Konkurrenten“, so Wellinger, der sich vorher bereits im Langlauf und der Nordischen Kombination ausprobiert hatte. Und da gab es viel Applaus von den Zuhörern und etliche kamen aus Polen zu dieser Veranstaltung, welche von den beiden Akteuren zahlreiche Fragen beantwortet haben wollten. „Wir sind gern in Polen, was da z.B. in Zakopane abgeht, ist enorm“, äußerte Wellinger.

Mit vier großen Taschen und .... geht es auf Reisen

Von Beiden gab es viel Interessantes rund um so einen Skisportwinter zu erfahren. In einer Saison, die ca. fünf Monate dauert, kommt man etwa zehnmal nach Hause. Zum Reisegepäck zu jedem Wettkampf gehören vier große Reisetaschen und paar Kleinigkeiten, zwei paar Sprung- und vier paar Reserveskier. Ein Sprungset kostet etwa 1700 Euro. Beide sind beste Freunde, da aber der Eine Frühaufsteher ist (Wellinger) und der Andere gern länger das Bett hütet, beziehen sie in den Unterkünften getrennte Zimmer. Beim Fliegen ist man 6-8 Sekunden in der Luft, und wenn es so eisig ist, spürt man die Kälte nicht. „So 10 Minuten vor dem Sprung ist man so in sich, da fällt alles andere von einem ab“, erläutert Eisenpichler, der einst ein begeisterter Eishockeyspieler war.
Die Frage nach Noriaki Kasai (JPN) beantworteten Beide einstimmig, er sei ein großes Vorbild für uns alle. Nori hat ein extrem gutes Konzept, er ist immer zu Höhepunkten da und blickt bis in das Jahr 2020! Und der 17-Jährige Domen Prevc springt doch gefährlich, „so lange sein Stil funktioniert, wird er nichts ändern“, erläuterte Wellinger. Auch für Thüringen gib es gute Kunde, die beiden Schanzen im Kanzlersgrund sind umgebaut und stehen in der kommenden Saison den Athleten wieder zur Verfügung.

Während Markus Eisenpichler bereits im Aufbautraining ist, legt Andreas Wellinger jetzt eine zweiwöchige Pause ein und danach steigt der BWL-Student und Zollangehörige wieder in das Training ein.
Erfreulich in Richtung Olympia für die DSV-Adler, der kreuzbandverletzte Severin Freund befindet sich neben Rehamaßnahmen wieder im Training. „Wir haben bereits schon zusammen trainiert“, bemerkte Wellinger. Beide Springer sind, wenn sie nicht zu Wettkämpfen unterwegs sind, in ihren jeweiligen Dienststellen bei der Bundespolizei bzw. Zoll anzutreffen. Ihren Auftritt in Berlin beendeten sie mit einer Autogrammstunde die 60 Minuten ging!

Der nächste Talk unterm Turm findet am 10. Mai statt. Da sind Claudia Pechstein und Eric Frenzel bei Dirk Thiele zu Gast.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.