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Westerwelles Beamte wimmeln Marga Henseler ab

Berlin: Auswärtiges Amt | Joschka Fischer schlug sie bei der Präsentation des Historiker-Berichts zur NS-Vergangenheit des Auswärtigen Dienstes sogar für einen Orden vor, und für weite Teile der Medienlandschaft ist sie eine Heldin: Die Pensionärin Marga Henseler aus Bad Godesberg.

,Ach, Frau Henseler, das müssen Sie nicht so ernst nehmen‘ bekam sie von ihrem Personalreferenten dieser Tage am Telefon Bescheid. Dabei hatte sie sich keineswegs um einen Orden bemüht, sondern sich bei dem zuständigen Referat darüber beschwert, dass aus ihrer Personalakte unzulässig (und mit unwahren Unterstellungen versehen) an die Presse geleakt wurde.

Der Journalist Rainer Blasius hatte in einem FAZ-Artikel vom 26. Oktober genüsslich verbreitet, das Auswärtige Amt verweise in der Causa Henseler auf einen "hübschen Quellenfund" aus einer archivierten Personalakte, wonach "Marga Henseler, deren Beschwerde über Nüßlein zum Kurswechsel im amtlichen Totengedenken führte, vor ihrer Anstellung im AA ausgerechnet Nüßlein um ein Empfehlungsschreiben gebeten und dies auch bekommen haben" soll.

So perfide geht die Personalabteilung mit unliebsamen "Heldinnen" um. Marga Henseler stellte noch am Tage des Erscheinens des Artikels klar, dass ungeachtet aller möglichen Eintragungen in ihrer Personalakte durch Nüßlein, der auch ihr Personalreferent war, sie ihn nie um eine Empfehlung gebeten hatte.

Als sie später wegen des Bruch des Personalaktengeheimnisses eine Stellungnahme erfragte, bekam sie den Satz am Telefon zur Antwort: ,Ach, Frau Henseler, das müssen Sie nicht so ernst nehmen.‘ Das jedenfalls berichtet die Fankfurter Rundschau in ihrer heutigen Ausgabe:

http://www.fr-online.de/politik/-eigentlich-bin-ic...

Richtig, nicht Frau Henseler muss diese Begebenheit ernst nehmen (was sie laut Frankfurter Rundschau aber wohl tut). Sondern das Auswärtige Amt muss den Vorfall ernst nehmen, weil es sich bei dem Veruntreuen von Informationen aus gesetzlich geschützten Akten an die Presse um ein Vergehen nach § 203 Abs. 2 des Strafgesetzbuches handelt. Nach dessen Absatz 5 stehen sogar bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf die Tat, wenn das Aktengeheimnis in Schädigungsabsicht veruntreut wurde - und daran besteht im Falle Henseler eigentlich kein vernünftiger Zweifel. Nach den Kriterien der Rechtsprechung wäre der Täter ab Verhängung einer Freiheitsstrafe von einem Jahr im öffentlichen Dienst nicht mehr zu halten. Es ist daher verständlich, dass die Beamten Frau Henseler gerne abwimmeln möchten. Aber eben auch in hohem Maße pflichtwidrig.

Wenn Frau Henseler sich in Berlin meldet, dann wünscht sie offensichtlich, dass der Vorgang näher untersucht wird. Da kann sich eine Behörde den Ermittlungen gegen mutmaßlich kriminelle Bedienstete in den eigenen Reihen nicht einfach entziehen. Die Ermittlungen müssten sich auch nicht unbedingt gegen irgendwelche kleine, überforderte Sachbearbeiter richten: Die FAZ telefoniert bei ihren Recherchen in der Regel nicht mit Personalsachbearbeitern. Wer Frau Henseler bei der FAZ angeschwärzt hat, wusste genau, was er tat. Er sollte bitte sehr sich rechtfertigen, und wenn ihm dies nicht gelingt, den Job verlieren.
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3 Kommentare
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H. Richter aus Berlin | 04.11.2010 | 08:49  
Herbert Lechner
Herbert Lechner | 07.11.2010 | 01:17  
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Jens Reichert aus Frankfurt am Main | 16.11.2010 | 22:56  
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