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" Krisen gemeinsam bewältigen "

Kolumne aus chrismon , Augabe Mai 2018
Berlin: Berlin |

"Warum es sinnvoll ist, bei Friedensverhandlungen die Religionsgemeinschaften intensiver zu beteiligen" 

Von Dr. Irmgard Schwaetzer, Bundesministerin a.D.,Präses der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland und Herausgeberin des Magazins chrismon )
https://chrismon.evangelisch.de/kolumnen/auf-ein-wort/38714/irmgard-schwaetzer-ueber-friedensverhandlungen-und-konfliktbewaeltigung


Vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg, Dreißig Jahre bekämpften katholische Fürsten und die Anhänger der Reformation von Martin Luther, Huldrych Zwingli, Johannes Calvin und andere Reformatoren einander mit Waffen.                                                                     Aber zuletzt war nicht mehr so klar zu unterscheiden, was religiöser Hass und was Machtanspruch war. Nach dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück 1648 war Europa jedenfalls neu geordnet und Toleranz im Zusammenleben der Religionen vereinbart und etabliert.                                                                                                               Heute stehen sich im Nahen und Mittleren Osten Muslime - Sunniten und Schiiten unversöhnlich und voller Hass gegenüber. Sie kämpfen um Macht und Vorherrschaft in Syrien, im Irak, im Jemen und in Afghanistan, Saudi-Arabien und Iran, aber auch westliche Staaten und Russland verfolgen ihre eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen und versorgen ihre Verbündeten mit Waffen.                                                        Was ist in diesen  Konflikten religiöser Hass? Was ist Machtanspruch? Deutlich ist: Religion kann und wird benutzt, um die gegnerische Seite zu demütigen und sich von ihr abzugrenzen. Menschen missbrauchen Religion,obwohl in den Schriften der großen Religionen die Friedensbotschaft prägend ist.                                                                                                                                                                              Die meisten religiösen Menschen sehen heute ihren Auftrag darin, das friedensstiftende Potenzial ihrer Religionsgemeinschaft fruchtbar zu machen: zur Verständigung, zum Brückenbau und für das friedliche Zusammenleben.So leben sie es auch in ihren Gemeinden, in der Ökumene und im interreligiösen Dialog.                                                 Seit 2016 befasst sich der Arbeitsstab " Friedensverantwortung der Religionen" im Auswärtigen Amt mit diesem Potenzial. Das Ziel ist, Religionsvertreter langfristig stärker in die Krisendiplomatie  einzubinden. " Wir brauchen Religionen als Akteure gegen religiösen Hass ", sagte der Leiter des Arbeitsstabs, Andreas Görgen, in einem Interview mit dem evangelischen epd. Diplomaten könnten mit staatlichen Strukturen umgehen, doch: " Religionsführer dringen mit ihrem Friedensansatz mehr in die Tiefe einer Gesellschaft." Das Ziel sei, sich gemeinsam weiterzuentwickeln, " sodass wir uns bei der Friedensmediation in Konfliktregionen zusammentun können".                                 Im Mai des vergangenen Jahres fand eine erste Konferenz " Friedensverantwortung der Religionen " in Berlin statt. Daran nahmen 100 Vertreter aus 53 Staaten teil - jüdische, christliche, muslimische, aber auch Vertreter kleinerer Glaubensgemeinschaften, wie der Jesiden und Baha´i . Sie kamen aus Europa, dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Nord- und Westafrika.                                                                              Der Oberrabbiner David  Rosen aus Jerusalem, internationaler Direktor für interreligiöse Angelegenheiten des American Jewish Committee, formulierte, was viele während der Konferenz bewegte: Man müsse sich die Frage stellen, warum Religionen missbraucht würden und häufig Konflikte verschlimmerten, statt zu ihrer Lösung beizutragen. Dieser  Frage müssen sich letztlich alle Kirchen und Religionsgemeinschaften stellen, unabhängig davon, wie sie in konkreten Krisensituationen gefordert sind.                                                                                                                             Eine zweite Konferenz des Auswärtigen Amtes ist für Juni dieses Jahres geplant. Mit der Politik zusammenzuarbeiten, ist Pflicht und Chance für die Kirchen und Religionsgemeinschaften. Sie sind schon allein deshalb dazu aufgerufen, weil sie Lehren aus den vielen Verirrungen der Vergangenheit gezogen haben.
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9 Kommentare
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R. S. aus Lehrte | 02.05.2018 | 12:04  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 02.05.2018 | 12:13  
7.150
Romi Romberg aus Berlin | 02.05.2018 | 13:10  
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R. S. aus Lehrte | 02.05.2018 | 13:25  
2.088
Karl-Heinz Wulf aus Garbsen | 02.05.2018 | 15:15  
59.223
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 02.05.2018 | 15:33  
30.924
Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 02.05.2018 | 15:58  
59.223
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 03.05.2018 | 11:40  
21.081
Giuliano Micheli aus Garbsen | 25.05.2018 | 11:37  
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