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Nichts als die Wahrheit.... glauben wir...

Berlin: Gedächnis Kirche | Das gemeinsame Projekt liegt in Trümmern - und niemand will Schuld daran haben: Katholische Kirche und Forscher streiten sich über die wissenschaftliche Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Die größten Verlierer des Streits stehen jedoch schon fest: die Opfer, die wohl noch viele Jahre auf Antworten warten müssen.

Der Wille war da, daran gibt es keinen Zweifel, damals im Sommer 2011. "Wir wollen auch der Wahrheit, die möglicherweise noch unentdeckt in Akten vergangener Jahrzehnte liegt, auf die Spur kommen", sagte Bischof Stephan Ackermann, der Missbrauchs-Beauftragten der Deutschen Bischöfe vor Journalisten in Bonn. Man wolle mithilfe "unabhängiger Experten" besser verstehen, wie es zu sexuellem Missbrauch durch Kirchenmitarbeiter kommen konnte - und wie dies künftig zu verhindern sei.

Neben ihm schwärmte der Kriminologe Christian Pfeiffer von "Tiefenbohrungen" in Kirchenarchiven. Für beide Seiten schien es jetzt optimal zu laufen: Die von Missbrauchsskandalen erschütterte katholische Kirche zeigte ihren Willen zur schonungslosen Aufklärung, der Kriminologe Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), hatte ein spannendes Forschungsprojekt über 450.000 Euro eingefädelt.

Jetzt, eineinhalb Jahre später, liegt das gemeinsame Projekt in Trümmern, und die Beteiligten streiten sich wie ein frisch getrenntes Ehepaar, das gerade den gemeinsamen Hausrat in Stücke geschlagen hat. Der Kampf um die öffentliche Deutung des Scheiterns hat begonnen. Daneben aber ist es ein schwerer Rückschlag für die Aufklärung des sexuellen Missbrauchs durch Priester und andere Kirchenmitarbeiter. Womöglich wird die Öffentlichkeit nun nie ein umfassendes Bild über den Missbrauch in deutschen Diözesen gewinnen.

Wie viele Fälle gibt es seit 1945? Fand der Missbrauch eher im Pfarrhaus oder auf Jugendfreizeiten statt? Wie gehen die Täter vor ihrem ersten Kuss oder Griff unter die Gürtellinie typischerweise vor? Wie hat die Kirche reagiert, als sie davon erfuhr? Und was kann man daraus für die Zukunft lernen, um solche Taten zu verhindern? Diese Fragen und einige mehr sollten die Forscher beantworten - und so mitunter lebenslanges Leid künftiger Opfer verhindern.
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R. S. aus Lehrte | 13.04.2013 | 17:18  
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