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Hier half Kommissar Zufall: Die Geschichte einer Pionierarbeit, der Erstentdeckung der Südlichen Binsenjungfer (Lestes barbarus) in unseren heimischen Gefilden

Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus) Weibchen frisch geschlüpft.
 
Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus), Männchen.
Eine unserer zahlreichen Exkursionen führte uns einmal mehr in unser „Lieblingsrevier“ das artenreichste Naturschutzgebiet von Nordrhein – Westfalen, die „Wahner Heide“ bei Köln.

Es sollte eigentlich nur eine „Routineexkursion“ werden. Wir benötigten, neben einigen Landschaftsaufnahmen, die verschiedene Biotope zeigen, noch ein paar Fotos von Kleinlibellen, vornehmlich Teichjungfern der Arten Kleine- und Gemeine Binsenjungfer, da unser Archiv mit derartigen Motiven nicht sonderlich ausgestattet war.

Diese Arten von Kleinlibellen findet man eigentlich an jedem typischen, mit Gräsern und Binsen gesäumten Tümpel.

Eines der prädestiniertesten Gewässer dieser Art liegt, unweit der BAB 3 hinter der Ausfahrt mit dem klangvollen Namen Köln – Königsforst.

Umgeben von mächtigen Kiefern liegt der „Fliegenbergtümpel“ malerisch in zwischen Binnendünen in Mitten einer sonnendurchfluteten Lichtung. An diesem kleinen Weiher, nur halb so groß wie ein Fußballfeld, konnten wir schon innerhalb eines Jahres 27 verschiedene Libellenarten nachweisen. Ob der Größe dieses Habitats, eine beachtliche Artenvielfalt. Dass es noch mehr werden sollten, na ja, das erfuhren wir erst einige Zeit später.

Kleinlibellen zu dokumentieren ist fast noch ein wenig schwerer als die großen Arten. Sie sind zwar nicht so schnell, doch genauso scheu. Sie sind schwerer zu entdecken und zu fotografieren, da die Tiere dermaßen klein sind, dass der Autofocus auch einer noch so guten Kamera samt Objektiv hoffnungslos überfordert scheint. Vom Tarneffekt wollen wir gar nicht erst reden.

So gingen wir unserer Arbeit nach, machten Aufnahmen vom Biotop als solches und fotografierten Kleinlibellen, vorzugsweise Teichjungfern. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit hatten wir eine Fülle brauchbarer Aufnahmen von Binsenjungfern beisammen und fuhren heim, um die Bilder am Rechner auszuwerten.

Dabei passierte es! Was war denn das? Welches Tier zeigte uns der Bildschirm? Fragende Blicke auf den Monitor und gegenseitig in unsere Augen ließen uns nach den Büchern greifen: Nach einer genauen Analyse stand ohne Zweifel fest, da waren doch tatsächlich zwei Fotos darunter, die eine Art zeigten, die es bis dato noch nicht bei uns gegeben hat. Wir sahen die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus) auf unseren Aufnahmen.

Ungläubiges und gleichzeitig vorsichtiges Nachschlagen in den uns zur Verfügung stehenden, offiziellen heimischen Verbreitungslisten ergab nicht den geringsten Hinweis auf eine bekannte Anwesenheit der Art.

Dieses gut drei Zentimeter große Tier fand seinen Weg vermutlich aus der Toscana, durch die Poebene, über die mächtigen Alpen, die Donau und den Main bis an den Rhein. Eine unvorstellbare Leistung!

Fazit: Wir mussten wieder dorthin. So fuhren wir noch am selben Tag ein zweites Mal zu diesem Biotop, um die Tiere genauestens zu dokumentieren, was uns auch nach dieser unverhofften Überraschung am heimischen Bildschirm gelang.

Die Publikation des Fundes bei den Verantwortlichen dieses Naturschutzgebietes gestaltete sich als sehr angenehm. Anders, als bei anderen Erstnachweisen schenkte man uns sofort Glauben. Man sandte Glückwünsche und trug unsere Namen einmal mehr in die Liste der Erstentdecker ein.

Unsere beigefügten Aufnahmen zeigen beide Geschlechter der Südlichen Binsenjungfer in verschiedenen Altersstufen.

Zum Artenprofil der Libelle:

Die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus) ist eine Kleinlibelle aus der Gattung der Binsenjungfern. Sie gehört zur Familie der Teichjungfern und ist ein mediterranes, also südeuropäisches Faunenelement.

Sie erreicht eine Flügelspannweite von 4,5 bis 5 Zentimetern. Der Körper der Fluginsekten ist dunkel metallisch-braun; bei noch nicht ausgefärbten, schlupffrischen Exemplaren auch grünlich.

Die Flügel sind wie bei vielen Libellen glasig durchsichtig; als artspezifisch besonderes Erkennungszeichen können hier die zweifarbigen, außen weißen und innen braunen Flügelmale herangezogen werden.

Man kann diese Art mit den anderen Binsenjungfern leicht verwechseln; das Flügelmal ist aber ein eindeutiges Erkennungszeichen.

Die Tiere leben an stehenden Gewässerufern mit viel Vegetation und sumpfigen, stark verwachsenen Kleingewässern, die vor allem von Binsen dominiert sind. In Südeuropa besiedeln sie auch brackige Gewässer in Küstennähe. Die Südliche Binsenjungfer fliegt von Juni bis September und gilt in Mitteleuropa, wo sie als sporadische Wanderart vorkommt, als stark gefährdet. Schwerpunktmäßig ist sie in Südeuropa verbreitet.
Das Männchen begleitet das Weibchen noch zur Eiablage, die an aus dem Wasser ragenden Pflanzen stattfindet, aber anders als bei den anderen Binsenjungfern legt das Weibchen die Eier dann alleine. Die Eier überwintern, und die Entwicklung von der Larve bis zur Libelle dauert lediglich zwei bis drei Monate.

Als Nahrung der kleinen Teichjungfern dienen Insekten, vor allem Mücken und Fliegen, die im Flug erbeutet werden.

Ausführliche Infos über die Südliche Binsenjungfer und ihre verwandten Arten stehen Euch auf http://waldschrat-online.de/Teichjungfern.html zur Verfügung.

Wir freuen uns immer über Eure Kommentare, mit welchen Ihr diesen uns allen anderen kleinen Berichte bereichert.

Herzliche Grüße,
Euer Team „waldschrat-online.de“
Heide & Willi
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10 Kommentare
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Ronny Ullrich aus Laucha an der Unstrut | 16.09.2010 | 22:44  
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Jürgen Bruns aus Lehrte | 16.09.2010 | 23:52  
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