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Oberforstmeister Löner von Laurenburg und die Neuburg.

Informationstafel am Eingang der Neuburg, Hauptstraße 58, 35088 Battenberg.
 
Die Neuburg in Battenberg, die 1732 durch Carl Johann Philipp Löner von Laurenburg erbaut wurde (Talseite).
Battenberg Eder: Neuburg | Wegen der ehemals benachbarten alten Burg wird das 1732 in Battenberg errichtete Jagdschloss die Neuburg genannt. Gisela Siebert berücksichtigt die Neuburg in ihren Beiträgen „Jagd und Jagdhäuser in Hessen-Darmstadt“ (1972) sowie „Jagdhäuser der Landgrafen von Hessen-Darmstadt auf Bildern des 18. Und 19. Jahrhunderts“ (2000) nicht.

Der Erbauer der Neuburg war der Oberforstmeister Carl Johann Philipp Löner von Laurenburg. In einigen Veröffentlichungen ist der Name des Erbauers als Carl Leonhard von Lauenburg angegeben (vgl. zum Beispiel Battenberg (Eder), Die Bergstadt im Walde 750 Jahre, 1984, S. 174; Jürgen und Margit Hübner, Spaziergänge durch das alte Battenberg, Horb am Neckar, 1999, S. 32 und Klaus Böhme, Jagd und Jagdbauten der Landgrafen von Hessen-Darmstadt im ehemaligen Amt Battenberg, Battenberger Geschichtsblätter Nr. 39, Geschichtsverein Battenberg, Battenberg 2013, S. 14).

Frank Röbert gab den Hinweis, der Name des Oberforstmeisters laute von Laurenburg. Das habe ich 2011 geprüft und den Namen des Oberforstmeisters mit Löner von Laurenburg festgestellt (vergleiche auch 750 Jahre Battenberg (Eder), Magistrat der Stadt Battenberg (Herausgeber), 1984, S. 87). Die Vornamen aus den genannten Veröffentlichungen hatte ich beibehalten.

Bei Dr. Roland Pieper, Antje Press und Dr. Reinhold Schneider (Kulturdenkmäler in Hessen, Landkreis Waldeck-Frankenberg II, Herausgeber Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden, 2015) steht zur Neuburg auf Seite 129 f. geschrieben: „Die Neuburg wurde laut einer Inschrift in einem Sandstein über der Kellertür von "Carl Loener von Lauenburg 1732", dem damaligen Oberforstmeister, erbaut und privat finanziert. Landgraf Ludwig VIII, der die Neuburg bis 1768 regelmäßig als Jagdschloss nutzte, ersetzte dem Oberförster die Baukosten in Höhe von 24000 Gulden im Laufe der folgenden fünf Jahre. Seither wird das Haus als Amtssitz genutzt.“ Am 22.06.2017 konnte bei einer Besichtigung ein solcher Sandstein mit dem Namen des Erbauers nicht mehr festgestellt werden.

Von den vier 1958 aus dem Innenraum der evangelischen Kirche entfernten Grabsteinen des 17. und 18. Jahrhunderts (Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Deutsche Digitale Bibliothek, Evangelische Kirche, ehemals St. Marien, http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/79067/ , Abruf 29.06.2017) ist ein verwitterter in der Nordwand außen eingebaut. Christel Kahler konnte sich am 29.06.2017 erinnern, dass der Gedenkstein für den Ober-Forstmeister auf der linken, nördlichen Seite außen in das Kirchengebäude eingelassen war. Dieser ist schon lange nicht mehr zu lesen. Die Reste der anderen Grabsteine für den Amtmann und Rentmeister Philipp Kaufmann, den Pfarrer Johannes Burck und den Metropolitan Wilhelm Strauch wurden später entfernt.

Im Verzeichnis des Johann Conrad Peetz, Neu-eröfnetes Europäisches Staats-Theatrum, 1726, ist im neuenten Kapitel zu Hessen-Darmstadt ab Seite 467 der Hofstaat aufgeführt. Unter § XI. sind die Jagd-Bedienten auf Seite 474 genannt, darunter vier Ober-Forstmeister. Der von Battenberg ist „Herr Carl Johann Philipp Lohner von Laurenburg“.

In einem Beitrag zu den Einträgen zur Familie Löner von Laurenburg im Kirchenbuch der Evangelischen Kirchengemeinde in Idstein (Taunus) ist auch die Ansicht von Dr. Hellmuth Gensicke wiedergegeben, dass der Traueintrag vom 06.01.1708 ohne Zweifel der von Carl Johann Philipp ist, obwohl der Text nur lautet: Der Reichs frey Wolgeborene Herr Rittmeister von Löner mit Fr. Hoff Meisters Frl. Tochter“. Ab 1716 kommt Carl im Militärdienst als Major vor. Er wurde am 30.10.1680 geboren und starb am 10.06.1736 (vergleiche Gerhard Gemmer mit Beiträgen von Dr. Karl Heinz Schmidt und Dr. Hellmuth Gensicke, Das Löhner´sche Epitaph in Idstein, Laurenburg-Brief Nr. 17, November 2002, S. 12).

In dem Kirchenbuch von Battenberg (Eder) ist zu seinem Tod vermerkt: „Den 14. Juni 1736 ist der Hochwohlgeborene großherzogliche Karl Johann Philipp Löner von Laurenburg, Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht von Hessen-Darmstadt Oberforstmeister allhier, begraben worden. Alter 56 Jahr weniger 4 Monat und 3 Wochen“ (Mitteilung durch Christel Kahler vom 29.07.2017).

Zu vermuten ist, dass der sich später durchsetzende Familienname Löner versehentlich als Leonhard gelesen wurde und die Laurenburg (an der Lahn südöstlich von Diez) den zuerst genannten Verfassern unbekannt war.
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Rainer Bernhard aus Seelze | 07.08.2017 | 02:08  
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