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Von Gutenberg bis zu „Fake-News“

Eine kurzweilige Reise durch 500 Jahre Zeitungswesen

Zeitungen spielen seit jeher im deutschen Mediensystem eine große Rolle und sie erreichen mit ihren Informations- und Bildungsangeboten noch immer einen Großteil der Bevölkerung. Es war um 1450 herum, also schon vor über 500 Jahren, als Johannes Gutenberg - der eigentlich Gensfleisch hieß - das Druckverfahren weiter entwickelte. Viele Menschen glauben, er habe den Buchdruck erfunden, das ist aber nicht der Fall. Er hat die Buchherstellung vereinfacht, indem er ein Handgießinstrument entwickelte, mit dem er Drucklettern präziser und einzeln gießen konnte.

Diese Erfindung revolutionierte den Buchdruck und brachte eine Vielfalt von Druckerzeugnissen mit sich. Bereits um 1500 erschienen etwa 40.000 Buchtitel, allerorts entstanden Druckereien. Städte wie Mainz, Köln und Augsburg entwickelten sich zu Verlegerzentren. Mussten Texte vorher von Mönchen oder Gelehrten mühsam von Hand kopiert, konnten sie nun in Massen verbreitet werden. Die Vorläufer der heutigen Zeitungen waren Flugblätter, in denen politische oder religiöse Neuigkeiten verbreitet wurden. Vor allem durch Martin Luthers Thesen und die dadurch ausgelöste Reformation wurde eine Menge an Druckerzeugnissen unter das Volk gebracht. Zwei bis 4 Kreuzer kostete damals ein Flugblatt, was dem Stundenlohn eines Handwerkers entsprach.

In den Jahren 1605, bzw. 1609 erschienen in Straßburg und Wolfenbüttel die ersten allwöchentlichen Zeitungen der Welt. Die Publizisten konnten zu dieser Zeit sicher sein, halbwegs aktuell und regelmäßig zu berichten, da die kaiserliche Reichspost das Reichsgebiet mit einem immer dichter werdenden Netz von Pferden und Botenstationen überzog. Brauchte ein Kurier zuvor etwa 10 Tage von Hamburg bis Frankfurt, sicherte ein ausgeklügeltes Stafettensystem von planmäßig startenden Reitern den Empfang von Mitteilungen in einem Drittel dieser Zeit.

Als der 30 jährige Krieg im Jahre 1648 durch den westfälischen Frieden sein Ende fand, wurden im Reichsgebiet etwa 50 Zeitungen herausgebracht. Viele erschienen mehrmals pro Woche, eine sogar schon täglich. Die Logistik war für die folgenden Jahre vorbildhaft. Im wöchentlichen Rhythmus der Post wurden die Mitteilungen der Korrespondenten in der Reihenfolge ihres Eintreffens zusammengefügt und sogleich gedruckt. Kommentierungen und redaktionelle Bearbeitung entfielen. Den Nachrichten, die aus einzelnen Blöcken bestanden, wurden lediglich Ort des Geschehens und das Datum vorangestellt. Titel sowie Angaben zu Autoren und Druckern waren unwichtig und wurden deshalb nicht erwähnt. Es entstand eine seriöse Berichterstattung mit politischen, diplomatischen und militärischen Lageberichten der gesamten, zu dieser Zeit bekannten Welt. Lokal- und Regionalnachrichten blieben dagegen weitestgehend unberücksichtigt, die lokale Presse gab es in ihrer heutigen Form noch nicht.

Im Jahre 1650 wurde in Leipzig die erste Tageszeitung aus der Taufe gehoben – sie berichtete an sechs Tagen in der Woche aktuell - und 1705 die älteste noch bestehende deutsche Zeitung herausgebracht, die Hildesheimer Allgemeine Zeitung. Sie erschien unter dem Titel „Hildesheimer Relations-Courier“. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts betrug das Entgelt für ein Jahresabonnement einer wöchentlichen Zeitung durchschnittlich zwei Gulden, ein gutverdienender Handwerksgeselle musste dafür eine Woche arbeiten. Trotz dieses hohen Preises wusste man sich zu helfen und bezog gemeinschaftlich Zeitungen, um dann über deren Inhalte zu diskutierten. Also wurde aus diesen Blättern, die ursprünglich eine politisch eher informierende Funktion hatten, auch allmählich ein politisch meinungsbildendes Instrument. Der Nebeneffekt war, dass man sich vermehrt auch mit Fragen des gesellschaftlichen Fortschritts beschäftigte. Durch diese Themen wurde nun mehr und mehr auch der "ungelehrte Leser" angesprochen, respektive belehrt. Nach und nach übernahmen die Zeitungen und Zeitschriften des 18. Jahrhunderts neben der Aufgabe der Übermittlung von Informationen nun auch unterhaltende Funktionen.

Womit Zeitungen immer wieder zu kämpfen hatten, war die Zensur. Über die Jahre hinweg, vom 30 jährigen Krieg bis in die Neuzeit, wurde das Recht der Pressefreiheit beschnitten oder gänzlich aufgehoben. Alleine die Fülle dieses Themas erfordert einen eigenen Artikel und bleibt deshalb hier, bis auf den Ansatz, unerwähnt.

Das 19 Jahrhundert steht ganz im Zeichen der Zeitungen, was auch zum großen Teil technischer Finesse und neuen Druckmaschinen zu verdanken war. Zudem stieg das Interesse der Bevölkerung an Informationen aus Politik und Gesellschaft. Immer mehr Bürger konnten lesen, was die Entstehung der so genannten Massenpresse förderte. Was zusätzlich zur Verbreitung von Zeitungen führte, war die Aufhebung des staatlichen Anzeigenmonopols. Es entstand für das Zeitungswesen eine zweite Einnahmequelle, eben der Anzeigenverkauf. Das war ein entscheidendes Kriterium, konnte doch die Zeitung selbst nun günstiger verkauft werden, was natürlich zu einer wesentlich größeren Verbreitung führte. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es allein in Deutschland circa 3500 Zeitungen.

Jeden Tag können wir heutzutage sehen und lesen, was eine gute Zeitung ausmacht und die Entwicklung der Presse ist noch lange nicht abgeschlossen. Auch wenn viele Verlage ihre Erzeugnisse einstellen mussten oder sich nun ausschließlich digital präsentieren, haben in Deutschland die zurzeit 344 verschiedenen Tageszeitungen eine Auflage von rund 16 Millionen und es werden knapp 5 Millionen an Wochen- bzw. Sonntagszeitungen verkauft.
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5 Kommentare
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Hartmut Stümpfel aus Sarstedt | 18.07.2017 | 18:48  
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Holger Finck aus Langenhagen | 18.07.2017 | 19:34  
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Hartmut Stümpfel aus Sarstedt | 18.07.2017 | 20:04  
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Karsten Hein (Calenberger Kobold) aus Barsinghausen | 20.07.2017 | 08:47  
6.291
Holger Finck aus Langenhagen | 21.07.2017 | 12:43  
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