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Zwei-Burgenwanderung im Wesergebirge

Rast an der Hütte auf dem Möncheberg
 
Es riecht nach Bärlauch

Wandergruppe vom TSV-Egestorf besucht die Paschenburg und die Schaumburg

Ausgangspunkt der Wanderung war der kleine Parkstreifen am Waldrand oberhalb von Rohdental am Ende der Straße Auf der Heide. Sofort musste die Gruppe, noch frisch und ausgeruht und bei bester Wandertemperatur, die erste Steigung zum Kammweg auf gut 320m des Wesergebirges überwinden. Der schmale Pfad zum Kammweg, gekennzeichnet auch als Pilgerweg vom Kloster Loccum nach Volkenroda, zeugte nicht gerade als „Wanderautobahn“, war dieser im unteren Bereich doch sehr vom frischen Buschwerk und jungen Buchen stark zugewachsen. Dann führte der Pfad durch Rotbuchenbestand im Zickzack und später über schiefe Treppenstufen steil bergan bis der Kammweg erreicht war und alle Wanderer erst einmal eine Verschnaufpause einlegten.

Schon bald war die erste Hütte auf dem Möncheberg zu einer ersten Trinkpause erreicht. Der Weg dorthin war gesäumt von blühendem Bärlauch, der trotz des fortgeschrittenem Wuchses, noch sehr stark seinen typischen „Knoblauchgeruch“ verbreitete. Weiter führte die Route, die wieder als Jakobsweg und Pilgerweg Volkenroda gekennzeichnet war. Vorbei an mächtigen Rotbuchen konnten sich die Wanderer am Wegesrand über die vielen Blumen, wie z.B. den aufblühenden Aronstab, blühenden Waldmeister, Goldnessel, Scharbockskraut, Akelei, Sternmiere, die seltene kopfige Teufelskralle, Waldvergißmeinnicht uva. erfreuen.

An der Paschenburg bot sich dann von der Besucherterrasse ein fantastischer Blick in das Wesertal. Bei sehr guter Fernsicht kann man von hier das über 40km entfernte Hermannsdenkmal im Teuteburger Wald sehen und auch der Brocken in über 100km Entfernung soll auszumachen sein. Die Paschenburg ist im eigentlichen Sinn keine Burg, sondern wurde 1842 von dem Revierförster Karl Kayser neben dem vorhandenen steinernen Aussichtsturm als Forst- und Gasthaus errichtet.

Nach gut einem Kilometer und kurzem steilen Abstieg wurde die Hütte am Fuße des Oberberg und die Abzweigung zur Schaumburg erreicht. Doch für die Wanderer hieß es aber weiter und nochmals steil auf schmalem Pfad und Stufen hoch zum Kammweg des Oberberg in 325m Höhe. Danach wurden die Springsteine und dann der Südweg erreicht. Die Springsteine werden beim Landkreis Schaumburg in der Liste der Naturdenkmäler geführt. Hierbei handelt es sich um ein Felsgebilde, das aus dem Verwitterungsschutt anderer Kalksteinklippen entstanden ist.

Der Südweg führte die Gruppe nach zwei Kilometer aus dem Hochwald heraus und die Wanderer konnten im Tal die Schaumburg auf dem Nesselberg bereits sehen. Nun war es nur noch ein Katzensprung bis zum mächtigen Tor der Unterburg, durch das die Burganlage der Schaumburg betreten wird. Die Schaumburg ist eine Höhenburg, wurde im 11. Jahrhundert errichtet und hatte seitdem verschiedene Besitzer. Die Unterburg und zwei weitere Türme wurden erst später auf Veranlassung des Grafen Otto I. errichtet, der auch die Burg wohnlicher gestaltete. Im 12. Jahrhundert war sie der Stammsitz der Grafen von Schaumburg; später kam sie zu Hessen und ging dann um 1886 in den Besitz von Preußen über. Im Jahr 1907 schenkte der damalige Kaiser Wilhelm II. die Burg dem Fürsten von Schaumburg-Lippe zu dessen Silberhochzeit. Seitem gehört die Burg dem Haus Schaumburg-Lippe bis heute.

Auf dem Platz vor der Unterburg steht auch eine etwa 600 Jahre alte Linde, die sogenannte Blutlinde. Die Sage erzählt von einer jungen Frau, die hier um 1400 in einem Hexenprozess zum Tode verurteilt wurde, und dort einen Lindenreisig mit der Aussage pflanzte, dass sie unschuldig ist, wenn der Reisig grünen und wachsen wird. Aus dem kleinen Zweig ist nun die mächtige Linde geworden; die junge Frau aber starb bei der sogenannten Wasserprobe, dem Hexenbad. In der damaligen Zeit eine übliche Urteilsvollstreckung, bei der die Verurteilte mit den Daumen an den Zehen gefesselt, an einem Seil fest gebunden, in einen Teich getaucht wurde. Das Schwimmen war ein Beweis der Schuld, da ja Hexen leicht sein müssen um fliegen zu können. Das Untergehen der Verurteilten zeugte von deren Unschuld, wobei aber die meisten dabei doch ertranken, zumal der Vorgang dreimal wiederholt werden konnte.

Auf groben Pfastergrund gelangt man dann zur Oberburg mit dem Palas, der heutigen Burggaststätte. Auch hier bietet sich ein herrlicher Blick in das Wesertal, den die Wanderer bei der Mittagseinkehr auch sehr genossen. Nach der ausgiebigen Mittagspause wurde noch der Turm „Kühner Henker“, der als Amtsgefängnis diente, besichtigt und als Fotohintergrund genutzt. Hier sollen im Jahr 1652 mehrere Studenten von der bis 1809 existierenden lutherischen Universität Rinteln eingesessen haben.

Zurück wieder durch das Torhaus mit seinem vorgelagerten Rosengarten, wurde dann der Rückweg angetreten. Wieder führte dieser in schöner Hanglage durch hohen Baumbestand, der an einigen Stellen aber trotzdem wieder weite Ausblicke in das Wesertal gewährte und auch wieder von blühenden Blumen gesäumt war. Nach knapp drei Kilometern war wieder der Ausgangspunkt dieser schönen und zwölf Kilometer langen Wanderung in Rohdental erreicht.
Karl-Heinz Pfennig
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