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Die letzten Sterbewehen des Winters erlebt

Wochenendwandergruppe des Kneippvereins Barsinghausen zum Kuckuckswäldchen unterwegs.



Die Wochenendwandergruppe des Kneippvereins Barsinghausen machte sich kurz nach Frühlingsanfang mit einer vielköpfigen Wanderschar auf den Weg um die südwestlichen Bereiche des Deisters rund um Nienstedt zu erwandern. Nach Überquerung des jungfräulichen Walterbaches, der zunächst noch als Rinnsal durch die Wiesen plätscherte, erlebten die Wanderer am Sprenkelberg die ersten schneebedeckten Wege, wobei die hohen Wanderstiefel hier angebracht waren. Ein wunderbarer Anblick von der Höhe aus auf das idyllisch gelegene NIenstedt und den Deisterkamm entlohnte allerdings die Anstrengung beim Laufen. Über Feld und Flur und Überquerung der Straße Richtung Eimbeckhausen war dann der Hasselberg erreicht, an dessen Waldrand sich die Wanderer durch eine knietiefe Schneewehe arbeiten mussten. Mit einer Truppe mit der man durch die Hölle gehen kann war auch das kein Problem. Um die Mittagszeit erwartete dann im Talgrund die Herbergsmutter des Schullandheimes Nienstedt die hungrigen Mäuler mit einer deftigen Linsensuppe mit Bockwurst. Das Hauptgebäude selbst entstand zunächst 1902 als Postamt, war dann eine private Villa, wurde 1926 von der Herschelschule Hannover erworben, die nach dem Krieg in die Leibnizschule integriert wurde. Ab 1943 diente das Gebäude als Ausweichkrankenhaus der Kinderheilanstalt Hannover. 1224 Kinder sind hier bis 1951 an Infektionskrankheiten gestorben, wobei 90 Kinder im nahe gelegenen Notfriedhof im Deister beigesetzt wurden. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an den Friedhof der Vergessenen.
Durch das idyllische Walterbachtel mit seinem mäanderten Bachlauf, sowie den Farbtupfern von Märzenbechern und Milzkraut am Wegesrand, wurden schon bald die Hexenteiche erreicht. Im Mittelalter wurden hier die vermeintlichen Hexen der Wasserprobe unterzogen. Der rechte Arm und das linke Bein oder umgekehrt wurden zusammengebunden und die Frauen im Wasser versenkt. Ging die Person unter war sie unschuldig und wurde wieder hochgezogen, falls sie nicht schon ertrunken war. Schwamm die Delinquentin oben war sie eine Hexe und sie erwartete dann der Scheiterhaufen. Nach kurzer Wegstrecke aus dem Tal war schon bald das Kuckuckswäldchen erreicht, in welchem Blütenteppiche voller Märzenbecher den nahen Frühling einläuteten. Nach einem kurzen Aufstieg mussten sich die Füße nochmals durch zahlreiche Schneeverwehungen arbeiten, dafür wurden die Wanderer auf der jetzt erreichten Höhe durch eine phantastische Aussicht auf die Bückeberge und den Süntel belohnt. Über Waltershagen, einem Ortsteil von Eimbeckhausen, mussten nochmals 60 Höhenmeter auf zum Teil extrem schlammigen Wegen gemeistert werden, bevor in Nienstedt der Regiobus die Wanderer nach einer 14 Kilometer langen und sicher anspruchsvollen Tour wieder in heimatliche Gefilde brachte.
Günter Höppner
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