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Trommeln weckt Lebensfreude bei Senioren im Kursana Domizil Bad Muskau

Trommeln weckt Lebensfreude und Energie und verbindet auf ideale Weise: Ehrenamtlerin Birgit Schicke (l.) mit den Bewohnerinnen Helene Huschto (85, Mitte) und Dorothea Dueck (82) im Kursana Domizil Bad Muskau.
Bad Muskau: Kursana Domizil |

Trommeln befreit und verbindet – davon ist Anja Luther überzeugt. Deshalb lädt die Leiterin der Sozialen Betreuung im Kursana Domizil Bad Muskau dessen Bewohner seit einigen Wochen zu Trommelzirkeln ein.


Die Wirkung auf die Senioren, selbst auf die an Demenz erkrankten Frauen und Männer, ist enorm. Wenn Anja Luther mit ihren Instrumenten in die Wohnbereiche kommt und zum Workshop bittet, reagieren viele erst einmal skeptisch. „Die allermeisten haben noch nie in ihrem Leben getrommelt“, erklärt sie. „Aber innerhalb weniger Minuten probieren sie sich aus, finden erst ihren eigenen Takt und dann einen gemeinsamen.“ Das geschieht wie von Zauberhand, denn Regeln gibt es nicht. Das freie Trommeln, auch als Drum Circle bezeichnet, beruht auf der festen Überzeugung, dass jeder einen Rhythmus in sich hat und trommeln kann. „Die Teilnahme ist unabhängig von Alter, Geschlecht, Behinderung oder musikalischer Vorbildung“, erklärt Anja Luther. „Es geht um Gemeinschaft, das Musizieren und den Spaß miteinander. Es ist unglaublich, aber die Gruppe synchronisiert sich ganz von allein.“

So ist es auch an diesem Vormittag, an dem sich einige Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Ehrenamtlerin Birgit Schicke auf das Erlebnis einlassen. Nach ersten Versuchen, bei denen sie mit den Fingern noch zaghaft auf die Instrumente klopfen, werden sie mutiger, lauter. Ihre Klänge locken weitere Bewohner an, denen Anja Luther kurzer Hand einen Shaker oder eine Trommel in die Hand drückt, bis alle Instrumente vergeben sind. „Das Interesse ist groß und wird immer größer. Wir würden uns über jedes zusätzliche Instrument freuen – falls jemand noch eine Trommel oder ähnliches zu Hause rumzustehen hat und nicht braucht.“

Musiziert hat Anja Luther mit den Bewohnern schon immer. Nun hat sie ihre Zusatzqualifikation in der Musikgeragogik absolviert, ein Bereich, der sich mit musikalischer Bildung im Alter beschäftigt. Dafür hat sie auch Kurse im freien Trommeln in Berlin besucht. „Jeder soll sich entfalten, ohne dass ein Takt vorgegeben wird.“ Dabei variieren die Neu-Musiker in der Lautstärke und der Klangtiefe. Mal trommeln sie ganz leise, mal etwas fester, erst mit den Fingern und der Hand, dann mit einem Schlägel. „Auf diese Weise werden Frauen und Männer gleichermaßen aktiviert und mobilisiert. Es weckt Lebensfreude und Energie“, ist Anja Luther überzeugt. Wer die Senioren gemeinsam musizieren sieht, glaubt das sofort.

Als ein dementer Bewohner aus dem Spiel heraus ein russisches Volkslied anstimmt, begleitet ihn die Gruppe kurz darauf im Takt. Wie viel Spaß sie dabei hat, spiegelt sich in den Gesichtern der Senioren wieder. Viel zu schnell geht der Trommelzirkel zu Ende. „Da muss ich erst 84 Jahre alt werden, um so schön trommeln zu können“, sagt eine der Damen am Schluss. Für alle steht fest, dass sie beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder mitmachen wollen.
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