Meine seltsamen Gedanken
Ein Pfingstsonntag zwischen Entsetzen und unerschütterlicher Hoffnung

Foto: Pixabay, ELG21

!m Neuen Testament im Buch Apostelgeschichte, Kapitel 2, Verse 2 bis 3 (Apg 2,2–3) steht geschrieben:

"Ein starkes Brausen erfüllte den Raum, in dem die Anhänger Jesu saßen, und es erschienen feuerzungenartige Flammen über ihren Köpfen." 

Für die Ukrainer und Ukrainerinnen muß dieser Bibelvers, der immerhin das von den Christen so benannte Pfingstwunder beschreibt, wie blanker Hohn und Spott vorkommen! Und ich bin der festen Überzeugung, daß Putin für seinen neuerlichen Angriff auf die Ukraine eben diesen Tag bewußt und mit ekelhafter Perfidie gewählt hat!

Kiew erlebt am heutigen Pfingstsonntag einen der schwersten Luftangriffe des gesamten, nunmehr über vier Jahre und drei Monate andauernden Krieges. Während Millionen Menschen in Europa das Pfingstfest feiern – ein Fest, das im christlichen Glauben für die Entsendung des Heiligen Geistes, für Verständigung, Trost und die Erneuerung des Lebens steht –, versank die ukrainische Hauptstadt in der Nacht zum 24. Mai 2026 im rücksichtslosen Hagel russischer Raketen und Drohnen. Der Kontrast könnte schmerzhafter und zynischer kaum sein. Pfingsten, das Fest des Friedens und des gegenseitigen Verstehens, wird für die Menschen in Kiew zu einem Tag des Terrors, des Überlebenskampfes und der tiefen Trauer.
Nach Wochen der Anspannung und gezielten Warnungen westlicher Geheimdienste entlud sich in den frühen Morgenstunden die brutale Realität des Krieges über Kiew. Russland setzte bei diesem kombinierten Großangriff nach offiziellen Angaben erneut seine neue, hochexplosive und atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik ( was übrigens so hübsch niedlich und verharmlosend HASELNUSS heißt!!! ) ein – zum ersten Mal direkt in der Region um die Hauptstadt. Die Bilanz dieses Pfingstmorgens schneidet tief in das Herz der Stadt. Es gibt mindestens ein Todesopfer und dutzende Verletzte zu beklagen. Familien wurden im Schlaf aus den Betten gerissen, und Kinder mussten den Feiertag in den kalten U-Bahn-Schächten verbringen. Zudem wurden rund 40 Gebäude massiv beschädigt, darunter mehrere Wohnhäuser, eine wichtige Wasserversorgungsanlage und Schulen, während ein brennender Markt im Bezirk Schewtschenkiwsky die Nacht erleuchtete. Auch die Büros internationaler Berichterstatter wurden getroffen; die Kiewer Studios der ARD und der Deutschen Welle wurden durch die massiven Druckwellen teilweise verwüstet. Es ist ein unverhohlener Versuch, nicht nur Infrastruktur zu zerstören, sondern auch die  mundtot zu machen, die sich nicht scheuen, wahrheitsgemäß über diesen Krieg zu berichten!
In der christlichen Tradition bewirkt der Pfingstgeist, daß Menschen Mut fassen, wo vorher Angst herrschte. Blickt man heute auf Kiew, so zeigt sich dieser Geist in einer zutiefst menschlichen, weltlichen Form. Es ist die unbändige Widerstandskraft einer Zivilbevölkerung, die sich weigert, an der Grausamkeit dieses Krieges zu zerbrechen. Noch während die Sirenen heulten und Trümmerteile auf die Stadt stürzten, koordinierten Rettungskräfte die Bergungen, und Nachbarn halfen Nachbarn aus brennenden Wohnungen. Selbst das Team des zerstörten ARD-Studios zögerte keine Sekunde und setzte die Berichterstattung unter improvisierten Bedingungen fort. „Wir machen weiter“, lautet die unausgesprochene Botschaft der Stadt. Präsident Wolodymyr Selenskyj fand trotz der Verwüstung scharfe, fast trotzige Worte und forderte die Weltgemeinschaft auf, diesen russischen Wahnsinn endlich mit geschlossener Härte zu stoppen. Europa darf nicht wegschauen, wenn wehrlose Menschen an Tagen der Besinnung mit Hyperschallwaffen terrorisiert werden.Während wir in Sicherheit die freien Tage genießen, das Aufblühen des Frühlings und die Gemeinschaft mit unseren Liebsten feiern, kämpft Kiew gegen die Asche und die Trümmer. Das diesjährige Pfingstfest ruft uns mehr denn je dazu auf, Empathie in Taten umzusetzen. Die Menschen in der Ukraine brauchen keine leeren Friedensphrasen, sondern Schutz, Solidarität und die Gewissheit, daß ihr Leid im Rest Europas nicht zur Gewohnheit wird. Der heutige Angriff hat Häuser und Mauern zerstört – doch die Würde und der Lebensmut der Ukrainer stehen an diesem Pfingstsonntag fester als je zuvor!

Bürgerreporter:in:

Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister

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