Anzeige

764. Newsletter Südharzstrecke - Harzer Schmalspurbahnen hängen den Südharz vom Brocken ab

HSB Bahnhof Drei Annen Hone
 
HSB Bahnhof Drei Annen Hone

Südharz: Harzer Schmalspurbahnen hängen den Südharz vom Brocken ab

(Stand: 22.06.2020)

Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!

„In Corona-Zeiten muss man mit gewissen Anpassungen im Bahn- und Busverkehr leben können. Aber was die Harzer Schmalspurbahnen sich mit ihrem am 27. Juni in Kraft tretenden Sommerfahrplan leisten, geht, was den Südharz angeht, über die berühmte Hutschnur. Hier muss dringend nachgebessert werden.“

Michael Reinboth von „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ ist sauer auf die HSB. Die mit dem Beginn des neuen Sommerfahrplans am 27.6. wirksam werdenden Verschlechterungen für den Südharz haben nämlich mit Corona gar nichts zu tun – sehr viel aber mit Lokomotiv- und Personalmangel und Gedankenlosigkeit. Oder aber mit fehlendem Interesse für die Belange des Südharzes.

Ganz offensichtlich fehlt den HSB eine Lok. Oder es fehlen Lokführer und Heizer. Wie auch immer: Der Fahrplan zum Brocken wurde gegenüber den früheren Entwürfen zusammengestrichen. An zwei Stellen wurde aus zwei Fahrten nur mehr eine gemacht. Leider aber hat man den Fahrplan der eigentlichen Harzquerbahn von Nordhausen nach Drei Annen Hohne nicht angepasst. Das Resultat ist, vorsichtig formuliert, suboptimal:

Nur noch einmal am Tag aus dem Südharz auf den Brocken


Der in seiner Zeitlage verschobene frühe Triebwagen von Nordhausen, Abfahrt um 8.33 Uhr, kommt neu um 10.25 in Drei Annen Hohne an. Nach einem Zug zum Brocken hält der Fahrgast dort allerdings vergebens Ausschau. Der eine Zug ist um 9.57 gerade abgedampft, der nächste fährt nach fast einer Stunde Wartezeit um 11.15 auf den Gipfel. „Der Sinn der früheren Abfahrt war ja gerade, in Drei Annen Hohne einen Anschluss an einen der frühen Brockenzüge herzustellen. Genau diesen Zug hat man aus dem Programm gestrichen, so dass die Südharzer in die Röhre gucken.“ Die frühere Abfahrt in Nordhausen führt aber auch nicht zu einer früheren Ankunft in Wernigerode, denn der Triebwagen steht auf den ersten Blick sinnlose 16 Minuten in Drei Annen Hohne herum, um dann endlich seine Fahrt in die bunte Stadt am Harz fortzusetzen. Auf den zweiten Blick erkennt man den Sachzwang – mit dem längeren Aufenthalt wird die notwendige „Luftkreuzung“ mit dem nächsten Brockenzug im Betriebsbahnhof Drängetal quasi verschleiert.

„Der Nachteil trifft nicht nur die Südharzer, sondern auch die Kunden aus Benneckenstein, Sorge und Elend – für alle gibt es nur eine einzige sinnvolle Möglichkeit, mit dem Zug auf den Brocken zu kommen, nämlich die mit dem Dampfzug von Nordhausen. Wer diesen auch wieder zurück nutzen will, kann sich auf dem Gipfel kaum länger als eine Stunde aufhalten.“ Eine weitere Fahrtmöglichkeit am Nachmittag auf den Brocken ist ebenfalls der Umstrukturierung des Fahrplans der Brockenbahn zum Opfer gefallen. In der Gegenrichtung gibt es noch eine Rückfahrmöglichkeit um 16.22 vom Brocken, bei der man aber ab Drei Annen Hohne einen Triebwagen nutzen und überdies in Eisfelder Talmühle ein weiteres Mal umsteigen muss.“

Gedacht war das einmal ganz anders. Natürlich sollte der frühe Triebwagen einen Anschluss zum Brocken vermitteln. Den Zug hat man gestrichen, aber vergessen, den Rest anzupassen. Reinboth fallen da nur noch die Vokabeln „halbgar“ und „Stümperei“ ein. Für den frühen Triebwagen gilt: „Wenn man schon sieht, dass es mit dem Anschluss zum Brocken sowieso nichts wird, dann kann er auch später in Benneckenstein abfahren und den Leuten dort und in Sorge und Elend wenigstens das sinnlose Herumstehen in Drei Annen Hohne ersparen.“

Kein Zuganschluss vom Brocken nach Herzberg mehr

Ein weiterer Nachteil des neuen Fahrplans ist die Verschiebung des Brockenzuges in Richtung Nordhausen um 15-20 Minuten nach hinten. Hierdurch entfällt die bisher vorhandene Umsteigemöglichkeit in Niedersachswerfen. Bislang konnte man mit einem kleinen Fußmarsch den nächsten Zug nach Herzberg am „Staatsbahnhof“ gut erreichen. Das funktioniert nun auch nicht mehr. „Das Resultat: Man ist noch eine Stunde länger unterwegs als bisher schon – das ist völlig unattraktiv, selbst für Freunde des Dampfbetriebes.“

Reinboth bezeichnet das neue Fahrplanangebot als „schlimme Flickschusterei“ zu Lasten des Südharzes. „Wir sind es ja gewohnt, dass praktisch alles bei den HSB den Wernigeröder Interessen untergeordnet wird. Aber in diesem Jahr wird das etwas übertrieben. Da muss man sich über schwache Nutzung der Triebwagen nicht wirklich wundern. Der Morgenzug hat keinen Anschluss zum Brocken und eine unattraktiv lange Fahrzeit nach Wernigerode. Der in Eisfelder Talmühle wendende Dampfzug hat auch keinen Anschluss zum Brocken mehr, auch in der Gegenrichtung fehlt dieser. Das ist, was den Südharz betrifft, eine furchtbare Stümperei, die den Namen eines neuen Fahrplankonzepts auch nicht ansatzweise verdient.“ Reinboth wundert sich schon ein wenig darüber, dass die in den Gremien der HSB vertretenen Südharzer keinen Krach schlagen – vermutlich sind ihnen die Nachteile des neuen Fahrplans noch gar nicht aufgefallen. Da es nicht den ÖPNV im engeren Sinne trifft, halten sich auch die Aufgabenträger der Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen vornehm zurück. Bedauerlich, denn mögliche Fahrgäste zum Brocken über Nordhausen wird es nun weniger denn je geben. Bei nur einer einzigen Fahrmöglichkeit, die noch dazu in der Gegenrichtung sehr schlecht an die Südharzstrecke angebunden ist, auch kein Wunder.

Michael Reinboth

Viele Grüße

Burkhard Breme
Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"
37431 Bad Lauterberg

E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.