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756. Newsletter Südharzstrecke - Aktualisierung des SIMPLEX-Fernbusfahrplans - Die Sollingbahn braucht besseren Fahrplan und weniger Zugausfälle - Geisterzug

    Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!

1. Harz / Deutschland: Aktualisierung des SIMPLEX-Fernbusfahrplans mit Fernbussen durch den Harz

(Stand: 15.01.2020)
Anbei der Downloadlink zu dem über 500 Seiten starken aktuellen Fahrplan aller Fernbusse mit vielen Tipps: http://www.fernbusliniennetz.de/mediapool/141/1416...

2. Bodenfelde: Das Stiefkind - Die Sollingbahn braucht einen besseren Fahrplan – und weniger Zugausfälle

(Stand: 17.01.2020)
„Kurzfristiger Personalausfall“ – allzu häufig hört oder liest man diesen Hinweis bei den Zügen der DB Regio im Harz-Weser-Netz. Und wenn es mal wieder ganz schlimm wird, muss regelmäßig die Sollingbahn für Zugstreichungen und – wenn es denn gelingt – Schienenersatzverkehr herhalten. Mitunter gibt es aber auch diesen nicht, und die Züge fallen ersatzlos aus. Aus Sicht der Deutschen Bahn vielleicht zurecht, denn die Sollingbahn weist von allen Strecken rund um Göttingen und Northeim die geringsten Fahrgastzahlen auf. Aus Sicht aller übrigen Kunden der Bahn, die ihren Fahrschein im Glauben an pünktlichen Zugverkehr gezahlt haben, ebenfalls folgerichtig. Die Südharzstrecke hat deutlich mehr Fahrgäste, und die soll und will man nicht enttäuschen. An die Einbecker Züge will man nicht ran, nachdem die Reaktivierung der Strecke politisch durchgesetzt worden ist und viele genau hinsehen, wie es denn läuft. Die Harzburger Züge bilden ein wichtiges Bindeglied im Netz und sollten, wenn irgend möglich, verkehren.

Also die Sollingbahn. Ist doch nicht so schlimm. Die Uslarer und Hardegser Fahrgäste können sehr oft mit dem Bus nach Göttingen fahren, die Leute aus Bodenfelde haben die Göttinger Züge. Die fahren zwar auch nicht übertrieben pünktlich, aber sie fahren meistens. Es trifft also nicht viele.

Fehlende Zuverlässigkeit vertreibt weitere Kunden – ein Teufelskreis

Die Zugausfälle sprechen sich herum. Potenzielle Kunden überlegen es sich dreimal, ob sie den Zug nehmen oder nicht, wenn sie ein Ziel ansteuern wollen, welches jenseits von Northeim oder Bodenfelde liegt. Hannover zum Beispiel. Oder Paderborn. Oder das Ruhrgebiet. Gerade in Bezug auf Westfalen und das Ruhrgebiet hätte die Sollingbahn als Bindeglied zwischen Mitteldeutschland und dem Harz und Westdeutschland einiges zu bieten. Was allerdings infolge völlig fehlender Werbung kaum jemand weiß. Und wenn Leute auf diese schlanke und preiswerte Verbindung kommen und sie nutzen wollen, fällt mal wieder der Zug aus. Bei dem vorherrschenden 2-Stunden-Takt eine kleine Katastrophe, die von weiteren Versuchen abhält. So verpuffen selbst gut gemeinte Hinweise: Fahren Sie doch über Bodenfelde und Paderborn, das ist genau so schnell wie mit dem ICE über Hannover, und – im Gegensatz zu dort – erreichen Sie ihre Anschlüsse ziemlich sicher!

Von wegen: „Zug fällt aus – leider konnten wir keinen Ersatzverkehr für Sie organisieren“.

Schlechter Fahrplan, keine Anschlüsse

Hatten wir eben Hannover als Ziel genannt? Das ist natürlich falsch. Kaum ein Ziel ist mit der Sollingbahn schlechter erreichbar als die Landeshauptstadt. Die Umsteigezeiten in Northeim liegen, von verschwindend wenigen Ausnahmen abgesehen, jenseits von Gut und Böse. 45 Minuten warten, das macht kein Mensch mit. Frühmorgens und am späten Nachmittag klappt es ein, zwei Mal – in der Woche. Am Wochenende heißt es immer: Warten.

Andere Ziele sind ganz gut zu erreichen. Göttingen zum Beispiel. Alle zwei Stunden ein schlanker Anschluss, hin wie auch zurück. Nur: Nach Göttingen gibt es, siehe oben, gewaltige Konkurrenz. Stündlich mit dem Bus ab Uslar, stündlich mit dem Bus ab Hardegsen, umsteige- und vor allem ausfallfrei. Da kann die Sollingbahn allenfalls am Wochenende und in punkto Fahrrad mithalten. Wenn sie fährt.

Kein Vorwurf an die heutigen Fahrplanmacher. Sie müssen mit einer völlig unzulänglichen Infrastruktur leben, zurechtgeschustert von den Managern und Controllern der Deutschen Bahn AG, die jeden Meter Gleis und jede Weiche im Grunde für etwas völlig überflüssiges halten. Nach der Wende, als der durchgehende Zugverkehr von West nach Ost wieder anlief, wurde der Rückbau vorangetrieben, wurden in Sachen Ertinghäuser Tunnel Horrormeldungen (alle falsch) verbreitet, um eine Stilllegung durchzudrücken. Das ging schief, aber danach wurden im Zeichen der Fernsteuerung radikal weitere Weichen ausgebaut, so dass sich heute nur noch in Hardegsen und Uslar Züge begegnen können. Das macht einen Stundentakt unmöglich – wenn mal in einer Stunde pro Richtung ein Zug verkehrt, was Montag bis Freitag hin und wieder der Fall ist, gerät der Fahrplan aus den Fugen, und einer, wenn nicht beide Züge geraten aus dem Takt. Die Wartezeiten in Northeim sind dann noch länger. Die heutigen Fahrplangestalter müssen mit diesen Mängeln leben und irgendwas daraus machen. Den Schulverkehr biegt man noch halbwegs hin, dann den 2-Stunden-Takt Nordhausen – Bodenfelde mit besagten Anschlüssen nach/vom Ruhrgebiet. Mehr geht nicht.

Sinn und Zweck der Sollingbahn müssen überdacht werden

Noch ist das auf dem Papier stehende Fahrplanangebot gut – wenn die Züge rollen. Aber die Nutzerzahlen sind nicht sehr hoch. Das liegt an der fehlenden Zuverlässigkeit einerseits und an den fehlenden Anschlüssen andererseits. Auch daran, dass in Bodenfelde zum Umsteigen genötigte Fahrgäste noch immer mit einer völlig unzulänglichen Infrastruktur leben müssen (Barrierefreiheit ist nicht, obwohl seit Jahren versprochen) und bei Anschlussbrüchen vollkommen auf sich gestellt sind. Was tun, wenn man aus Richtung Paderborn ankommt und feststellt, dass da mal wieder kein Zug nach Northeim steht? Am besten Sitzenbleiben bis Göttingen, von da kommt man irgendwie noch weg. Aber das kann ja nicht die Lösung sein.

Quo vadis, Sollingbahn? Wir alle müssen uns überlegen, wie wir mehr Kunden zwischen Northeim und Bodenfelde gewinnen können, sonst ist es irgendwann vorbei. Und dann fehlt der Südharzstrecke ein wichtiger Anschluss. Über durchgehenden Güterverkehr müssen wir dann auch nicht mehr nachsinnen. Oder vielleicht doch? Ohne Reisezüge ist ja auch tagsüber Platz…

Wo also liegen die Schwächen, wo die Stärken?

Die Schwächen sind schnell erkannt:

1. Keine Anschlüsse nach Hannover und zurück.
2. Lange Standzeiten in den Südharz und zurück. Sinnlose „Sichtanschlüsse“ mit 0 oder nur 4 Minuten Übergang, die zu wenig sind.
3. Wer ins Zentrum von Northeim will, muss ab Bahnhof Northeim laufen, der Zug fährt erst 20 Minuten später weiter – und halten kann er auch nicht, weil es am Mühlentor keinen Haltepunkt gibt.
4. „Zu wenig Potenzial“, da wird ganz genau gerechnet, während es bei der Straße noch immer auf die eine oder andere Million gar nicht ankommt.
5. Gute Anschlüsse dort, wo man sie im Grunde nicht braucht, also nach Göttingen.
6. Langes Herumstehen auch in Bodenfelde, was nicht zuletzt an der keineswegs besseren Infrastruktur jenseits dieses Knoten liegt.
7. Und nicht zuletzt die quasi „Kanonen-bahn-ähnliche“ Streckenführung mit Stationen abseits der Siedlungskerne, Hardegsen, Uslar, früher auch Moringen.
8. Die Sollingbahn war bis zu ihrem bis heute völlig unverständlichen Rückbau eben für Güterzüge da.

Stärken hätte sie schon. „Hätte“, denn das Potenzial wird ja nicht ausgeschöpft.

1. Einmal stellt sie in Verbindung mit der Südharzstrecke nach wie vor die kilometrisch kürzeste Achse zwischen Mittel-deutschland und dem Ruhrgebiet dar. Im Zeitalter der Klimawende sollte eigentlich jeder Kilometer zählen, den man nicht fahren muss, auch auf der Schiene.

2. Zeitlich ist das Angebot selbst mit den heutigen Schwächen, den überlangen Aufenthalten in Northeim und Bodenfelde, dank des „Rhein-Ruhr-Express“ RE11 zwischen Paderborn und Düsseldorf erstaunlich konkurrenzfähig. Es muss nur beworben werden. Da fühlt sich leider niemand zuständig, mehrere Aufgabenträger, zwei Bundesländer, drei Verkehrsunternehmen, keiner tut etwas, sondern schiebt die Verantwortung weiter. Da muss angesetzt werden.

Dann Hannover. Es gilt, den Eckverkehr Solling – Northeim – Hannover zu stärken. Mit schlanken Übergängen in Northeim zum und vom Metronom. Mit den 2-Stunden-Takt-Zügen Nordhausen – Bodenfelde und zurück klappt das nicht (oder erst 2030, wenn der Deutschland-Takt einen halb-stündlichen RE durch das Leinetal bringen soll. So lange wollen wir vielleicht doch nicht warten). Also müssen die „Zwischenzüge“ optimiert werden. Es geht ja in einigen Fällen – warum nicht öfter? Mitunter fehlen nur ein paar Minuten, um einen weiteren Anschluss herzustellen.

Egal: Es muss etwas geschehen. Wir können und dürfen nicht zusehen, wie die Sollingbahn immer weiter heruntergewirtschaftet wird und stets als Lückenbüßer für Personalmangel herhalten muss, was zu weiteren Kundenverlusten führt. DB Regio muss sich im Harz-Weser-Netz endlich den Personalkörper zulegen, der eine auskömmliche und zuverlässige Verkehrsdurchführung erlaubt. Und dann muss intensiv am Fahrplan gearbeitet werden. Und es muss die Werbetrommel für die West-Ost-achse gerührt werden. Sonst ist es irgendwann zu spät!

Sofortmaßnahme: Freigabe von zwei ICE für den Niedersachsen-Tarif

Das Austüfteln eines neuen Fahrplans braucht Zeit und ist angesichts der extremen – selbst geschaffenen! – Sachzwänge auch nicht einfach. Die Verdoppelung der Regionalverbindungen durch das Leinetal ist im Entwurf des Deutschland-Takts zwar vorgesehen, aber bis dieser umgesetzt wird, hat es noch Zeit, wenn es denn angesichts der immer noch mehr als traurigen Bahnpolitik der Bundes-regierung überhaupt etwas wird.

Nutzbare Verbindungen Solling - Northeim - Hannover im Fahrplan 2020

(siehe Fahrplan)

Während es in Richtung Hannover Montag-Freitag immerhin 5 brauchbare Verbindungen aus dem Solling nach Hannover gibt, ist es in der Gegenrichtung genau eine, und die nur Montag-Donnerstag.

Als Maßnahme außerhalb des Fahrplans wäre insoweit die Freigabe des nur Mo-Do verkehrenden ICE Hamburg - Göttingen, der im Abschnitt Hannover - Göttingen tendenziell schwach besetzt ist, für die Nutzung mit Zeitkarten und Nahverkehrstickets sinnvoll (und problemlos möglich).

In einem weiteren Schritt sollte auch der ICE Kassel - Göttingen - Hamburg, Northeim ab 6.58 Uhr, von Northeim bis Hannover mit Zeitkarten und Nahverkehrstickets nutzbar sein. Auch dieser dürfte deswegen nicht überlaufen, und für den Solling entstünden so wenigstens weitere zwei brauchbare Möglichkeiten für die Fahrt in die Landeshauptstadt und zurück.

Am Wochenende gibt es nicht eine einzige halbwegs nutzbare Verbindung, es entstehen immer Wartezeiten von 30 und mehr Minuten - für eine Verbindung mit einer eigentlichen Reisezeit von 1,5 Stunden völlig unmöglich.

Hier muss über die Einrichtung von wenigstens zwei Zwischenzugpaaren nachgedacht werden, damit man einerseits aus dem Solling gut eine Tagestour nach Hannover und zurück machen und andererseits aus Hannover einen Ausflug in den Solling bzw. an die Weser (Fahrrad!) unternehmen kann.

Eine andere - im Deutschland-Takt angedachte - Lösung läge in der Einführung des Halbstundentakts im Nahverkehr zwischen Hannover und Göttingen.

Als Sofortmaßnahme bietet sich aber die Freigabe der wenigen noch durch das Leinetal fahrenden ICE für den Niedersachsen-Tarif an, damit Fahrgäste aus dem Solling wenigstens eine weitere brauchbare Verbindung nach und überhaupt eine einzige brauchbare Verbindung von Hannover haben, diese freilich nur Montag bis Donnerstag. Aber immerhin. Überlaufen werden die ICE deswegen nicht. Sie starten bzw. enden in Göttingen und Kassel und sind auf ihrem ersten bzw. letzten Teilstück keineswegs überfüllt. Auch Fahrgäste aus dem Südharz würden von dieser längst überfälligen Maßnahme profitieren.

Michael Reinboth

3. Thüringen: Geisterzug - Thüringer Infrastrukturministerium argumentiert weiter mit falschen Behauptungen

 (Stand: 17.01.2020)
Eine Unwahrheit wird durch ständiges Wiederholen nicht wahrer. Diese schlichte Tatsache wird vom Thüringischen Infrastrukturministerium weiterhin standhaft ignoriert. Einfacher ausgedrückt: Das hohe Haus lügt uns und der nachfragenden Presse weiterhin die Hucke voll, wenn es um eine Begründung für die Ablehnung des berühmten Geisterzuges zwischen Nordhausen und Walkenried geht.

Schon mehrfach haben wir darauf hingewiesen, dass die Argumentation, dass es diesen Zug ja gegeben und man ihn mangels Nutzung 2014 abbestellt habe, schlicht erfunden ist.

Einige Jahr lang fuhr ein früher Zug von Nordhausen (4.35) bis Ellrich, der als Vorlauf zu dem bis heute angebotenen Frühzug Ellrich (4.58) – Nordhausen diente. Er fuhr nie, nicht einen Tag lang, über Ellrich weiter bis Herzberg oder gar Göttingen. Insoweit ist die relativ schwache Nutzerzahl nachvollziehbar.

Dann gab es ein einziges Jahr lang tatsächlich einen Frühzug in der gewünschten Zeitlage. Nur: Dieser entstand umlaufbedingt (man hatte am Sonntagabend einen Zug zu viel in Nordhausen) und fuhr folgerichtig auch nur an einem einzigen Wochentag, dem Montag. Für Berufspendler war er also nur dann sinnvoll, wenn diese als Wochenendpendler unterwegs waren und so Montag früh anreisen konnten – was eine Reihe von ihnen ja sogar getan hat. Für alle anderen Pendler war er nutzlos, weil er ja von Dienstag bis Freitag nicht fuhr! Insoweit sind auch hier die niedrigen Nutzerzahlen verständlich, aber wie oben überhaupt nicht als Begründung für die Ablehnung eines werktäglich fahrenden Zuges geeignet. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.

Auf diese schlichten Tatsachen haben wir mehrfach hingewiesen. Das hält das Ministerium jedoch nicht davon ab, weiterhin gegenüber den mit dem Sachverhalt nicht so vertrauten Medien weiterhin mit falschen Behauptungen zu agieren – wie es scheint, werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um den ungeliebten Zug zu verhindern.
Wir überlassen es dem Leser, seine Schlussfolgerungen aus dem Verhalten einer hochrangigen Behörde des Landes Thüringen zu ziehen. Und wir fordern die lokale und regionale Politik auf, gegen diese Art der Verdummung endlich aktiv zu werden.

Michael Reinboth


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