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733. Newsletter - Südharzstrecke - Bauarbeiten auf der ICE-Schnellfahrstrecke ziehen Anpassungen im Nahverkehr nach sich – östlicher Kreisteil wird einmal mehr benachteiligt

   

Göttingen: Bauarbeiten auf der Schnellfahrstrecke ziehen Anpassungen im Nahverkehr nach sich – östlicher Kreisteil wird einmal mehr benachteiligt

(Stand: 23.05.2019)

Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!
„Wir können nur hoffen, dass nach diesen sechs Monaten die Einschränkungen im Nahverkehr in unserer Region erst einmal für viele Jahre überstanden sind. Denn nach drei Monaten im Jahr 2018 trifft es die Reisenden in Südniedersachsen nun doppelt so lange, weil wiederum dem Fernverkehr Priorität eingeräumt und der Nahverkehr von der Schiene verdrängt wird.“ Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ blickt mit etwas Sorge auf die Zeit vom 11.6. bis zum 14.12., auch wenn er zumindest der LNVG und DB Regio bescheinigt, dass sie viel getan haben, um die Situation vor allem für Pendler einigermaßen erträglich zu gestalten. Aber das Maß der Benachteiligungen sei nun voll.
Da die Neubaustrecke nach 30 Jahren grundlegend überholt werden muss („Schnellverkehr hat eben seinen Preis – der Verschleiß an Gleisen und Oberbau ist wesentlich intensiver“), wird der Fernverkehr für 6 Monate in das Leinetal verlegt, wo er vor Inbetriebnahme der Neubaustrecke auch schon lief – übrigens ohne Benachteiligung des damaligen Nahverkehrs. Obwohl auch bei den ICE und IC kräftig ausgedünnt wird und ganze Linien entfallen oder nur verkürzt fahren, muss der Nahverkehr abermals weichen. Die Notwendigkeit der Streichungen wird von „Höchste Eisenbahn“ stark angezweifelt, doch die Fahrplaner von DB Netz wollen augenscheinlich jedes Risiko für den ohnedies schon unpünktlichen Fernverkehr ausschließen.
Durchgehender Zugverkehr nach Göttingen bleibt erhalten – Umsteigeverbindungen verlängern sich
Der Südharz kommt, dies gilt es festzuhalten, mit einem blauen Auge davon. Alle heute durchgehend zwischen Nordhausen, Walkenried und Herzberg und Göttingen verkehrenden Züge bleiben in beiden Richtungen unverändert erhalten. Das gilt auch für die Zusatzzüge im Berufsverkehr. Bezogen auf Herzberg geht es also wie bisher um 5.26 (Mo-Fr), 6.26 (Mo-Sa), 6.50 (Mo-Fr) und 7.26 (täglich) und danach täglich alle 2 Stunden direkt bis nach Göttingen. Ab Göttingen fahren mit den üblichen Einschränkungen am Wochenende um 5.49, 6.49, 7.49, 9.49 und weiter alle 2 Stunden durchgehende Züge nach Nordhausen, die letzten um 21.49 (Freitag und Samstag bis Nordhausen, sonst nur bis Herzberg) und 22.49 (nur bis Herzberg).
Bei den Zügen der RB82, die nach Bodenfelde fahren bzw. von dort kommen, entfällt in Northeim der gewohnte Umstieg in die RB82 von Bad Harzburg bzw. umgekehrt, da diese Linie während der Bauarbeiten zwischen Kreiensen und Göttingen nicht fährt. Stattdessen verkehrt zwischen Northeim und Göttingen und zurück jeweils ein Bus. Da dieser 18 Minuten länger braucht als der Zug und überdies die Umsteigezeit in Northeim etwas länger ist, verlängert sich die Reisezeit nach und von Göttingen um eine knappe halbe Stunde, d.h. die Busse kommen dort 26 Minuten später an als die Züge (9.35 statt 9.09, 11.35 statt 11.09 und so weiter) und fahren entsprechend auch 27 Minuten eher in Göttingen ab (8.21 statt 8.48, 10.21 statt 10.48 und so weiter).
Im letzten Jahr lief dieser Verkehr sehr stabil, das Umsteigen in Northeim bereitete bei je 10 Minuten Übergangszeit keine Probleme und es wurden ausschließlich Niederflurbusse eingesetzt. Freilich: Fahrräder, Kinderwagen, Rollstühle – diesen Kunden muss man wohl doch eher die Nutzung der verbleibenden durchgehenden Züge empfehlen. Und die Daumen drücken, dass die Aufzüge in Northeim nicht ausgerechnet während der kommenden 6 Monate schlapp machen, denn die Busse fahren logischerweise am unten liegenden Busbahnhof ab. In Göttingen verkehren sie vom Bussteig H vor dem Empfangsgebäude.
Und es gibt eine hässliche Ausnahme, die wohl eher dazu dient, die Kunden zu verwirren: Da es an Freitagen ausnahmsweise einen Zug ab Göttingen um 12.25 nach Einbeck gibt, entfällt der an den anderen Tagen um 12.21 dort nach Northeim abfahrende Bus – an diesem einen Wochentag soll man dann den um 4 Minuten später abfahrenden Zug nehmen… Im Interesse der Fahrplanklarheit hätte man sich diese „Verfeinerung“ auf dem Rücken der Kundschaft eigentlich ersparen können.
Zusatzzüge für Pendler – aber ohne den Ostkreis
Um das Leben für Pendler, aber auch andere Fahrgäste etwas zu erleichtern, richtet DB Regio in Abstimmung mit der LNVG einige werktägliche Zusatzzüge ein. Diese haben in Northeim schlanke Anschlüsse an die „Metronome“ und bieten damit durchaus schnelle Fahrzeiten – aber wie leider inzwischen schon üblich wird der Ostkreis mit Bad Lauterberg, Bad Sachsa und Walkenried ausgeklammert, Thüringen sowieso.
Aber davon abgesehen, verkehren ab 11. Juni zusätzlich:
• Mo-Fr um 8.05 ab Herzberg, Northeim an 8.30, weiter 8.36 mit „Metronom“ bis Göttingen 8.49
• Freitag um 14.05 ab Herzberg, Northeim an 14.30, weiter 14.36 mit „Metronom“ bis Göttingen 14.49
• Freitag um 13.07 mit „Metronom“ ab Göttingen bis Northeim, weiter um 13.25 bis Herzberg 13.51
• Mo-Do um 15.07 mit „Metronom“ ab Göttingen bis Northeim, weiter um 15.25 bis Herzberg 15.51 (der planmäßig nur Freitag verkehrende Zug 15.20 ab Göttingen nach Herzberg fährt weiterhin)
• Freitag um 17.07 mit „Metronom“ ab Göttingen bis Northeim, weiter um 17.25 bis Herzberg 17.51 (der planmäßig Mo-Do verkehrende Zug 17.22 ab Göttingen bis Herzberg fährt weiterhin)
Das ergibt somit für Pendler folgende Rückfahrmöglichkeiten ab Göttingen:
Mo bis Do 13.49 (direkt bis Nordhausen), 14.21 (Bus bis Northeim, Zug bis Nordhausen), 15.07 (Metronom bis Northeim, Zug bis Herzberg), 15.49 (direkt bis Nordhausen), 16.21 (Bus bis Northeim, Zug bis Nordhausen), 17.22 (direkt bis Herzberg), 17.49 (direkt bis Nordhausen), 18.21 (Bus bis Northeim, Zug bis Nordhausen)
Freitag 13.07 (Metronom bis Northeim, Zug bis Herzberg), 13.49 (direkt bis Nordhausen), 14.21 (Bus bis Northeim, Zug bis Nordhausen), 15.20 (direkt bis Herzberg), 15.49 (direkt bis Nordhausen), 16.21 (Bus bis Northeim, Zug bis Nordhausen), 17.07 (Metronom bis Northeim, Zug bis Herzberg), 17.49 (direkt bis Nordhausen), 18.21 (Bus bis Northeim, Zug bis Nordhausen)
Bad Lauterberg bis Walkenried: Fahrgäste zweiter Klasse? Es passt ins Bild
Den Belangen vieler, aber eben nicht aller Pendler und anderer Kunden wird hiermit Rechnung getragen. „Der Kreis Göttingen reicht unseres Wissens nach bis Walkenried und endet nicht in Herzberg. Insoweit ist es vollkommen unverständlich, dass die Zusatzangebote auf den Abschnitt Northeim – Herzberg beschränkt bleiben und Kreisbewohner aus den Kommunen östlich von Herzberg leer ausgehen“ meint Reinboth. Beispiel für Mo bis Do: Ohne Bauarbeiten kann man um 14.48 mit der RB82 bis Northeim und von dort weiter nach Nordhausen fahren. Während der Bauphase müssen Fahrgäste mit Zielen östlich von Herzberg bereits um 14.21 Uhr mit einem Bus bis Northeim fahren, setzen also besagte 27 Minuten Fahrzeit zu, während Reisende bis Herzberg entweder um 14.21 mit dem Bus oder aber – ohne wesentlichen Zeitverzug – um 15.07 mit dem „Metronom“ und ab Northeim weiter mit dem Zug fahren können. „Die Benachteiligung des Landstrichs zwischen Herzberg und Walkenried ist in keiner Weise nachzuvollziehen – aber selbst die Mehrheitsfraktion des Kreistages ist ja offenbar der Meinung, dass man diese Ecke vernachlässigen kann“ meint Reinboth und spielt dabei auf den Vorschlag an, direkte Züge Osterode – Göttingen einzurichten, was bekanntlich nur dann geht, wenn man die Züge nach und von Nordhausen abhängt.
Südharz – Hannover über Northeim weitgehend unverändert, über Seesen nicht mehr möglich
Da die Linie RE2 („Metronom“) zwischen Göttingen und Hannover weitgehend unverändert fährt, bleiben auch die – nicht sonderlich guten, aber stabilen – Anschlüsse aus dem Südharz nach Hannover und zurück nahezu unverändert. Allerdings ist zu beachten, dass die „Metronome“ ab Hannover Hbf alle 2 Stunden früher abfahren und in Hannover Messe/Latzen einen Überholungsaufenthalt abstehen. Und Achtung: Der 7-Uhr-IC ab Northeim durch das Leinetal nach Hannover fällt aus! Gar keine Anschlüsse gibt es für 6 Monate in Seesen, wo man bis dato mit einem weiteren Umstieg in Kreiensen alle 2 Stunden ganz gut nach Hannover reisen konnte. Die RB82 wird auf einen Stundentakt getrimmt, der auf die Züge von und nach Osterode keine Rücksicht nimmt. Also bleiben bis Dezember nur die Reisewege über Northeim und Braunschweig.
Fazit der Initiative: Man hat sich seitens LNVG und Bahn durchaus Mühe gegeben, die Schäden der sechsmonatigen Bauphase in Grenzen zu halten. Aber man ist eben, siehe in Herzberg endende und beginnende Züge, wieder einmal auf halbem Wege steckengeblieben. Schade eigentlich!
Michael Reinboth

Viele Grüße

Burkhard Breme

Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"  
37431 Bad Lauterberg

E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
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