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732. Newsletter Südharzstrecke - Antrag auf Schaffung einer Schienendirektverbindung zwischen Osterode und Göttingen - Stellungnahme der Initiative

  Kreistagssitzung am 23.05.2019 in Göttingen: Antrag auf Schaffung einer Schienendirektverbindung zwischen Osterode und Göttingen - Stellungnahme der Initiative (Stand: 19.05.2019)


Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!


Am 23.05.2019 soll folgender Antrag der Gruppe SPD/GRÜNE/FWLG vom 11.03.2019 beschlossen werden "Schaffung einer Direktverbindung auf der Schiene zwischen dem Oberzentrum Göttingen und der Stadt Osterode am Harz"
Antrag: https://sessionnet.krz.de/kreis_goettingen/bi/si00...

Stellungnahme der Initiative:

Die Forderung nach direkten Zügen Osterode - Göttingen führt zum Abhängen anderer Regionen.


Natürlich kann man direkte Züge aus der ex-Kreisstadt in die neue Kreisstadt fordern. Man muss sich nur über die Konsequenzen im Klaren sein, und das bitte möglichst vor dem Beschluss.
Eine umgehende oder möglichst rasche Umsetzung der Forderung ist nur im Rahmen der vorhandenen Infrastruktur möglich. Das führt zu Verschlechterungen im Angebot.
Festzustellen ist hierzu:
1. Die Züge aus Osterode nach Göttingen müssen in Herzberg "Kopf machen" (in Österreich sagt man dazu "stürzen"), also die Fahrtrichtung wechseln. Zeitaufwand 3-4 Minuten, also exakt die Zeit, die bisher für das Umsteigen zur Verfügung steht. Ein Fahrzeitgewinn ist nicht möglich, allenfalls etwas mehr Bequemlichkeit und die Gewissheit, auf alle Fälle nach Göttingen zu kommen, weil man keinen Anschlusszug braucht. Den brauchen dafür dann andere: Nordhausen, Ellrich, Walkenried, Bad Sachsa... Auch in der Gegenrichtung muss die Fahrtrichtung gewechselt werden.
2. Gegenwärtig fährt nur jeder zweite Zug aus dem Südharz nach Göttingen durch, ebenso umgekehrt. Dies liegt an der LNVG-seitigen Bevorzugung der Relation Bad Harzburg - Göttingen, die beim Wegfall der IC-Halte in Northeim eingerichtet wurde und nun dafür sorgt, dass man bei jedem zweiten Zug in Northeim umsteigen muss. Insoweit stehen für die Relation Osterode - Göttingen und zurück Züge nur alle 2 Stunden zur Verfügung.
3. Dies sind jedoch die derzeit von Nordhausen nach Göttingen und zurück verkehrenden Züge. Sie müssten den durchgehenden Zügen von/nach Osterode geopfert werden. Wie beim "Highlander": Es kann nur einen geben.
4. Da der Zug aus Richtung Nordhausen aktuell um .24 in Herzberg ankommt und um .26 nach Göttingen weiterfährt, muss der Osteroder Zug auch um .26 abfahren, um Anschlüsse in Göttingen nicht zu gefährden. Für den Übergang aus Nordhausen stehen somit nur 2 Minuten zur Verfügung - zu wenig, da ja noch die Unterführung genutzt werden muss. Ergo müsste entweder der Nordhäuser Zug vorverlegt werden, was wegen der Kreuzung in Ellrich nicht geht, oder aber der Göttinger Zug später abfahren, was wiederum wegen der Anschlüsse und Streckenbelegung ab Northeim nicht geht. Außerdem würde die eine Unsicherheit (klappt es von Osterode mit Umstieg nach Göttingen) durch die andere (klappt es aus Nordhausen mit Umstieg nach Göttingen) ersetzt, und dies für den deutlich größeren Personenkreis.
5. In der Gegenrichtung ist es noch knapper. Ohne Eingriffe in das Fahrplangefüge ist das alles also nicht machbar. Fahrzeiten verlängern sich.
6. Zusatzzüge Osterode - Göttingen wären zwar ganz nett, sind aber wegen der Infrastruktur Osterode - Seesen gar nicht durchführbar. Hier geht nur ein Stundentakt. Osterode ist kein "Bahnhof", sondern nur eine Haltestelle. Die Züge müssen also bis/ab Gittelde verkehren, was aber gar nicht geht.
Fazit:
In der bestehenden Infrastruktur ist die Einrichtung durchgehender Osteroder Züge nur möglich, indem die durchgehenden Nordhäuser Züge abgehängt werden. Das ist absolut nicht hinnehmbar.
Es geht schon, aber dafür muss erheblich investiert werden
Man kann das Problem lösen, indem man in Herzberg kuppelt und flügelt, d.h. der von Göttingen kommende Zug wird in Herzberg in einen Zugteil nach Nordhausen (sofortige Weiterfahrt) und einen Zugteil nach Osterode geteilt. Umgekehrt wird der von Nordhausen kommende Zug an den bereits aus Osterode angekommenden Zug angehängt, die Züge fahren gemeinsam nach Göttingen.
Das setzt voraus, dass
a) in Herzberg der Bahnhof entsprechend umgebaut wird (Zwischensignale, ggf. Ein- und Ausfahrt Osterode auch über Gleis 2) und
b) das Umlaufproblem gelöst wird, denn wenn der Osteroder Zug gen Göttingen entschwindet, muss ja ein anderer nach Braunschweig fahren.

Beim aktuellen 2-Stunden-Takt treffen sich in Herzberg aber nun gerade die "unpaarigen" Züge, d.h. ein bloßes "Tauschen" der "Einheiten" geht nicht, weil immer dann, wenn ein Zug nach Göttingen fährt, der jeweilige Gegenzug von Bodenfelde kommt, ergo keinen Zugteil von Göttingen hat, der nach Osterode weiterfahren kann. Es müsste also immer eine Einheit in Herzberg den Takt überspringen - sehr teuer und personell kaum darstellbar.
So was funktioniert, siehe Ottbergen, nur beim Stundentakt.
Auch dies liegt mithin in ferner Zukunft. Naheliegender, aber nicht gefordert wären folgende Dinge:
1. Endlich Einführung des Stundentakts Herzberg - Seesen auch am Wochenende - schon das würde die Anbindung von Osterode spürbar verbessern (Sonntag aktuell immer 2 x Umsteigen erforderlich!)
2. Verstärkung der Buslinie Osterode - Dorste - Berka - Katlenburg Bahnhof und zurück Mo-Fr im Berufsverkehr, denn das würde für Osteroder Pendler im Gegensatz zum Umweg über Herzberg tatsächlich bis zu 10 Minuten Fahrzeitgewinn bedeuten.

Michael Reinboth
Viele Grüße

Burkhard Breme
Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"
 37431 Bad Lauterberg

E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
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