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730. Newsletter Südharzstrecke - Harz-Kursbuch - Neuerungen in den Fahrplänen - Kostenlose Mitnahme von Urlaubsgästen – in Berchtesgaden selbstverständlich

      Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!


Harz-Kursbuch: Neuerungen in den Fahrplänen

(Stand: 17.04.2019)

Liebe Kunden des Harz-Kursbuchs,
zwei Dinge können bzw. müssen wir vermelden. Das eine ist eher redaktioneller Art, das andere schon substanziell.
1. RBB, also der Bahnbus, hat relativ überraschend und unter Wahrung der Mindest-Kündigungsfrist alle Konzessionen für die Linien im nördlichen Harz-Vorland zurückgegeben, wohl darauf setzend, dass sich schon kein anderer für den Betrieb finden würde und man bei der fälligen Neuvergabe kräftige Preiserhöhungen durchsetzen könne.
Ein eigenes Angebot hat man – mit Verzögerung und erst nachdem doch eine andere Bietergemeinschaft auftrat – auch abgegeben, bei dem es dem Harzreisenden die Tränen in die Augen getrieben hätte: Drastische Einschränkungen, kaum noch Verkehre am Wochenende und Umstellung auf Rufbus (vielleicht auch Eco-Bus – wer weiß?
Obwohl ja auch dieser seine Kosten im Probebetrieb nicht gedeckt hat und auch nicht decken konnte) waren dort vorprogrammiert.
Glücklicherweise ist es dann doch nicht so schlimm gekommen, denn die Bietergemeinschaft Pülm/Bachstein/Schmidt trat unter dem Namen „Harzbus“ an, übernahm alle Linien und fährt sie vorerst für 6 Monate nach den bisherigen Fahrplänen weiter.
Wenn es denn noch eines Beweises bedurft hätte, dass HATIX sinnvoll ist, dann ist er hiermit erbracht. Wir brauchen die Erträge aus den Fahrten der Kur- und Urlaubsgäste, um das Fahrtenangebot stabil halten zu können und damit auch für die Einheimischen ein auskömmliches ÖPNV-Angebot im zugegeben ländlichen Raum bieten zu können. Wir haben das Pfund „Tourismus“ und müssen damit ganz dringend wuchern, sonst sieht es über kurz oder lang schlecht aus.
Vielleicht war der Rückzug von RBB ein Weckruf für die Lokalpolitiker, die den Zusammenhang immer noch nicht sehen können oder wollen. Wir drücken „Harzbus“ alle Daumen, dass es funktioniert und alle Linien in etwa in bisherigem Umfang weiter betrieben werden können.
2. Die Harzer Schmalspurbahnen haben derzeit einen schlechten Lauf. Vor allem haben sie große Personalsorgen. Und die schlagen jetzt leider auch auf die Fahrpläne durch, die auf der Paradestrecke zum Brocken im Sommerabschnitt ausgedünnt werden, was es noch nie gab.
Zwei Zugpaare verkehren nur während der Ferienzeit – also achtgeben und das neue Faltblatt besorgen! Obendrein werden diese 4 Fahrten – horribile dictu – mit einer Diesellok gefahren, da es zu wenig Heizer gibt. Auf den anderen beiden Strecken bleibt der Fahrplan unverändert, jedoch wird auch im Selketal, wie schon im Harz-Kursbuch prognostiziert, der Dampfbetrieb eingeschränkt. Insofern stimmt unser Fahrplan!

Michael Reinboth

Tourismus: Kostenlose Mitnahme von Urlaubsgästen – in Berchtesgaden selbstverständlich

(Stand: 17.04.2019)
Seit das Thema „HATIX“ in einschlägigen Tourismus- und Lokalpolitikkreisen diskutiert wird und ganz besonders, seit Bad Sachsa sich so sehr gegen die Einführung sperrt, ist man versucht, bei Urlaubs-reisen zu schauen, wie es die ausgewählte Region denn mit der kostenlosen Mitnahme von Gästen hält.
In Bad Sachsa, das haben wir gelernt, braucht man das nicht. Der Ort ist so attraktiv (nota bene: Er hat 2018 entgegen dem Trend im Harz an Übernachtungen eingebüßt), dass er seinen Gästen nichts bieten muss. Allenfalls Feste, die immer dann gefeiert werden, wenn der Kurtaxe zahlende Gast schon längst wieder über alle Berge ist. Wenigstens hat er Geld dagelassen, damit man in Bad Sachsa feiern kann. Als Gast zahlt man für die Feiern der anderen Gäste und vor allem der Einheimischen… Dem Urlauber, der nach den Vorteilen seiner Kurkarte fragt, muss man das erst mal klar machen.
Aber gut, das Problem ist vielschichtig und vielleicht auch nicht ganz einfach zu lösen. Wie machen es denn nun andere – vom Ostharz mal abgesehen?
Jüngst waren wir einige Tage in Salzburg. Dort kann man nicht kostenlos fahren, aber „um 4 Euro“, wie die Österreicher zu sagen pflegen, bekommt man eine 24-Stunden-Karte für den gesamten Stadtverkehr, mit der man nach Herzenslust herumfahren kann. Und die „Salzburg-Card“ bietet nicht nur freie Nutzung von Festungsbahn, Mönchsberg-Lift und diversen Museen, sondern natürlich auch die kostenlose Nutzung aller O-Bus- und Stadtbuslinien in Salzburg. Wenn man sich an der Stadt erst einmal satt gesehen hat (was schon eine Weile dauert), zieht es einen aufs Land und da wieder zurück nach Deutschland, zum Beispiel nach Berchtesgaden. Von Salzburg dorthin kann man jede Stunde mit dem Zug über Freilassing fahren – oder man nimmt den „Watzmann-Express“, einen stündlich verkehrenden Linienbus, der über Marktschellenberg bis zum Bahnhof Berchtesgaden fährt. Dort wartet dann der nächste Bahnbus zur Fahrt nach Königssee. Oder in die Ramsau. Oder auf das Rossfeld. An Gästen besteht nachweislich kein Mangel, die Busse sind voll, die Parkplätze freilich auch. Nach der Schifffahrt auf dem Königssee geht es mit dem Linienbus retour, bequemerweise gleich bis in die Stadt hinauf. Er hält direkt vor dem Kurzentrum. Also mal hinein und fragen! Gern und sehr ausführlich wird Auskunft erteilt, obwohl man sich als Tagesgast zu erkennen gibt. Wie ist das denn hier mit der Mitnahme von Urlaubsgästen im Bus?
Natürlich haben wir das! Und nicht nur im Bus durch das engere Berchtesgadener Land, also das Gebiet der früheren reichsunmittelbaren Propstei, sondern auch im Zug bis Bischofswiesen. Alle Linienfahrten in diesem Gebiet können kostenlos genutzt werden. Für die Finanzierung wird ein Teilbetrag der Kurtaxe verwendet. Sie wurde dafür angehoben, „aber das stört hier niemanden.“ Ähnliche Angebote gibt es für Bad Reichenhall und Piding, eine Gemeinde zwischen Reichenhall und Freilassing. Einige Zitate aus dem Fahrplanheft des Landkreises Berchtesgadener Land:
„Wer eine Gästekarte der Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg oder Ramsau besitzt, fährt auf nahezu allen Linien der Regionalverkehr Oberbayern und der Berchtesgadener Land Bahn (BLB) im Bereich der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee kostenlos. Für die Fahrt zum Rossfeld muss lediglich die Maut für die Privatstraße bezahlt werden. Bei den Strecken in die benachbarten Städte Salzburg und Bad Reichenhall ist nur eine geringe Zuzahlung erforderlich. Fahren Sie in der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee clever und stressfrei mit dem öffentlichen Personennahverkehr. Sie sparen Geld, entlasten die Straßen und schonen die Umwelt.“
„Folgende Verkehrsmittel können mit der Pidinger Gästekarte kostenlos gegen Vorlage benutzt werden: BLB (kompletter Streckenabschnitt zwischen Berchtesgaden und Freilassing), Stadtbus Bad Reichenhall, RVO Berchtesgaden – Hintergern, Berchtesgaden – Buchenhöhe, Berchtesgaden – Königssee, Ringlinie Ramsau, Berchtesgaden – Rossfeld, Freilassing – Traunstein, Freilassing – Laufen…“
Hieran ist bemerkenswert, dass Piding, welches selbst an Sehenswürdigkeiten arm ist, seinen Gästen einen sehr weiten Reiseraum einräumt. In Bad Reichenhall kann man mit der Gästekarte wiederum alle Stadtlinien, die BLB bis Bayerisch Gmain und einige Buslinien nutzen und erhält für andere Strecken einen Bonus von 0,50 €.
Ein anderes Beispiel: Das GUTi im Bayerischen Wald
Da die Salzburger recht aktiv in Sachen Förderung des ÖPNV sind, gibt es dort seit Jahren die Zeitschrift „Forum mobil“. Und in der neuen Ausgabe fand sich ein Beitrag über das „GUTi“. Das ist eine Gästekarte, mit der alle Urlauber im Bayerischen Wald – na, was wohl? – kostenlos mit Bahn und Bus fahren können. Auch hier sei zitiert:
„Das Auto stehen lassen und mit Bus und Bahn Wanderungen und Ausflugsziele erreichen: Mit GUTi kein Problem. GUTi steht für Gästeservice-Umwelt-Ticket und ist das Bonbon für Gäste im Bayerischen Wald, die ihr Auto im Urlaub stehen lassen. Das GUTi berechtigt Urlauber, von der Ankunft bis zur Abreise die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos zu nutzen… Pro Gast und Übernachtung werden durch den Beherbergungsbetrieb 41 Cent erhoben, die teilnehmenden Kommunen führen die 41 Cent ab. In der Regel ist der GUTi-Betrag im Kurbeitrag enthalten… Zu Beginn startete GUTi in acht Orten, mittlerweile nehmen 25 Orte teil.“
Von Urlauberschwund aufgrund obszön hoher Gästebeiträge keine Spur – im Gegenteil: „Die Anzahl der Gäste, die ein GUTi ausgehändigt bekommen, ist ebenfalls stetig steigend. Im Jahr 2017 gab es mehr als 2,6 Millionen GUTi-Gäste.“
Und nun kommt es:
„Im vergangenen Jahr ist das Angebot vermehrt von Gästen aus den Ballungsgebieten (Nürnberg, Stuttgart, Berlin und Hamburg) angenommen worden. Begründet wird dies damit, dass die dort ansässigen Bürger oft über keinen eigenen Pkw verfügen. Das Urlaubsziel wird daher unter anderem nach Erreichbarkeit und Angebot des öffentlichen Nahverkehrs vor Ort ausgewählt. Die GUTi-Orte im Bayerischen Wald können ihren Gästen damit einen Mehrwert bieten.“
Macht es da irgendwo Klick? Der Harz ist von Großstädten umgeben, auf die die obigen Voraussetzungen ebenso zutreffen. Die Höhe des Gästebeitrages ist nicht entscheidend – entscheidend ist vielmehr die Attraktivität des Angebots. Und: Bei GUTi können auch Kommunen teilnehmen, die gar keinen Gästebeitrag haben – sie erheben eben nur den GUTi-Beitrag, eben jene 41 Cent pro Gast und Übernachtung.
Es geht überall – nur im Harz leider nicht. Nicht in Bad Harzburg, nicht in Bad Sachsa. Dabei kann gerade der Harz jede Fahrt, die nicht mit dem Auto oder dem Motorrad durchgeführt wird, nur begrüßen. Es geht um den Gast, aber es geht auch um die Natur unseres schönen Mittelgebirges.

Michael Reinboth

Viele Grüße

Burkhard Breme
Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz" 
37431 Bad Lauterberg

E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
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