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689. Newsletter Südharzstrecke - Qualitätsoffensive des Landes im Nahverkehr klammert den Altkreis Osterode aus

Regionalbahn im Bereich Scharzfeld
Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!

Kurz vor der Landtagswahl gab das Wirtschaftsministerium des Landes Niedersachsen noch eine Pressemitteilung zur Qualitätsoffensive im Nahverkehr heraus, die ab Dezember beginnt und in den kommenden Jahren für noch mehr ÖPNV sorgen soll. Hunderttausende Zugkilometer sollen zusätzlich bestellt werden, um das Angebot zu erweitern und mehr Kunden in Bahn und Bus zu locken.
So weit, so gut, und grundsätzlich ist gegen die Nahverkehrspolitik des Landes unter Minister Lies auch nichts einzuwenden. Nur werden einige Landstriche bei dieser Offensive ganz klar benachteiligt bzw. kommen überhaupt nicht vor. Hierzu zählt – wen wundert’s? – der Altkreis Osterode am Harz, der mit einem einzigen zusätzlichen abendlichen Zugpaar zwischen Göttingen und Herzberg abgespeist wird. Die Strecken Seesen – Herzberg und Herzberg – Walkenried – Nordhausen gehen zum wiederholten Male leer aus.
Michael Reinboth von „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ spricht es unumwunden aus: „Uns bringt dieser Fahrplanwechsel nichts. Wir sind sehr enttäuscht.“
Freilich wird in unseren Breiten die Offensive nicht vom Ministerium selbst, sondern von der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft LNVG umgesetzt, und die hat so ihre ganz eigenen Gedanken.
In krassem Gegensatz zu dem auch verfassungsmäßig verankerten Ziel, alle Teile des Landes zu entwickeln und zu fördern, passiert in der südöstlichsten Ecke des Landes wenig bis nichts. Zur Begründung führt die LNVG einerseits den fehlenden Bestellwillen des Landes Thüringen und andererseits einen Erziehungsauftrag gegenüber der DB Netz AG an. Da Thüringen zwischen Ellrich und Nordhausen keine zusätzlichen Züge bestellen will, werden der Einfachheit halber die Kommunen östlich von Herzberg, die noch in Niedersachsen liegen, gleich mit abgehängt. Besonders ärgerlich: Der vielfach, auch aus der Kommunalpolitik heraus geäußerte Wunsch nach einem Frühzug Walkenried – Herzberg wird weiter ignoriert, während es diesen im ach so bestellunwilligen Nachbarland von Ellrich nach Nordhausen seit Jahren gibt. Zwischen Seesen und Herzberg baut die DB Netz AG nicht bzw. nicht schnell genug, und deswegen werden an Sonn- und Feiertagen keine Zusatzzüge bestellt, während sie nördlich von Seesen natürlich fahren – Infrastruktur hin oder her.
So muss man der „Qualitätsoffensive“ für unsere Breiten einen glatten Fehlstart attestieren und kann nur hoffen, dass die lokalen und regionalen Politiker endlich bei der LNVG oder beim alten bzw. neuen Wirtschaftsminister vorstellig werden, um die nur allzu berechtigten Forderungen aus dem Landessüden endlich durchzusetzen.

Frühzug nach Göttingen kommt wieder nicht

„Wir bekommen einen Spätzug um 23.26 Uhr ab Herzberg nach Göttingen, der kaum jemand etwas nutzt und nur aus Umlaufgründen bestellt wird, und der Frühzug, der eine dringende Notwendigkeit für Berufstätige und Auszubildende ist, bleibt erneut auf der Strecke. Freizeitverkehre können aber nur genutzt werden, wenn die sonstigen Lebensgrundlagen stimmen. Und dazu gehört, dass man seinen Arbeits- und Ausbildungsplatz vernünftig erreichen kann. Gegen diese Grundregel verstößt die LNVG seit Jahren. Wir haben schlüssig und unwidersprochen dargelegt, dass der Frühzug Nordhausen – Herzberg mit geringem Aufwand und ohne zusätzliche Fahrzeuge eingerichtet werden kann. Ab Herzberg fährt er ja schon. Von Osterode bis Herzberg tut es zum Anschluss an diesen Zug vorerst auch ein Bus – nur man muss mal in die Gänge kommen!“ erläutert Reinboth.

Der Abstand zum Nordharz wächst Jahr für Jahr


Schaut man einige Kilometer weiter nach Norden, sieht alles Dank der Tätigkeit des Braunschweiger Regionalverbandes sehr viel besser aus. Dort gibt es natürlich Frühzüge in die Zentren des Berufsverkehrs, ab Dezember von Goslar nach Hannover gar schon ab 4 Uhr in der Frühe. Während Pendler aus dem Nordharz um 6 Uhr schon in Braunschweig, Hildesheim oder Hannover sind, kann der Pendler aus Osterode oder aus dem Ostteil des alten Kreises sein Oberzentrum erst nach 7 Uhr erreichen. Im Fall von Bauarbeiten verschiebt sich die früheste Ankunft gar auf 7.30 Uhr. „Das ist vollkommen inakzeptabel und spricht dem Gedanken der Förderung des ländlichen Raumes Hohn“ meint Reinboth, der der LNVG vorhält, ob des jahrelangen Schielens auf den Wachstumsmarkt Freizeitverkehr das Brot- und Buttergeschäft „Berufsverkehr“ aus den Augen zu verlieren. Weiteres Indiz hierfür: Das arbeitsplatzreiche Paderborn kann aus dem Solling ebenfalls nicht vor 7 Uhr erreicht werden – den vorgesehenen Frühzug hat man aufgrund des Bestellunwillens in NRW sogleich wieder gestrichen…

Michael Reinboth

Viele Grüße
Burkhard Breme
Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"
 

E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
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