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Reden mit Engelszungen

Aus den Händen von Renate Springborn-Aschoff (l.), Direktorin des Kursana Domizils, erhält Ute Kruse einen Blumenstrauß als kleines Dankeschön für ihre unermüdliche ehrenamtliche Arbeit. Foto: Schariott
Bad Lauterberg: Kursana Domizil | Bad Lauterberg. Ob man nun daran glaubt oder nicht, Engel werden immer gern gesehen. Um einem „Grünen Engel“ zu begegnen, dazu müsste man in Bad Lauterberg und Umgebung sein. Genauer gesagt im Kursana Domizil zum Beispiel. Dort nämlich ist einer der Wirkungskreise von Ute Kruse als „Grüner Engel“. Sie und ihre 14 Helferinnen haben es sich zur Aufgabe gemacht, in Seniorenheimen oder Krankenhäusern, beispielsweise der Fachklinik für Orthopädie und Rheumatologie oder der Kirchbergklinik in Bad Lauterberg, mit den Menschen zu sprechen, ihnen zuzuhören, sie zu trösten. Bei manchen sind sie gar ein wenig „Familienersatz“.

Im Haus Lucas des Kursana Domizils freuen sich die Bewohner auf die monatlichen Gesprächsrunden mit Ute Kruse. „Ich werde immer wieder auf den Fluren gefragt, wann Frau Kruse denn nun endlich wieder da ist. Ihre beliebten Gesprächsrunden sind eine nicht hoch genug zu lobende Erinnerungsarbeit, die als Vergnügen daher kommt“, weiß Domizil-Direktorin Renate Springborn-Aschoff. „Wenn die sich auf ein Thema vorbereitet hat und es dann anspricht, sprudeln die Erinnerungen bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern nur so.“

Auch wer eigentlich nur zuhören wollte, steuert auf einmal seine Meinung bei. Ganz egal, ob es um Zubereitung von Mahlzeiten oder Rezepte, um Haushaltsarbeiten oder Naturbeobachtungen geht. Wenn Ute Kruse zu sprechen beginnt, wird regelrecht lebendig, was sie schildert. Die Hausbewohner fühlen sich in alte Zeiten versetzt und fördern eigene Erinnerungen zutage. Und wenn das Gespräch das vorbereitete Thema mal verlässt - auch gut. Aber man redet.

Das liegt garantiert auch daran, dass es zu Ute Kruses eigenem Leben viele Parallelen gibt. Die 1942 Geborene kennt vieles aus einem Alltag, mit dem junge Leute heute nichts mehr anfangen können. „Das ist auch für mich sehr wertvoll. Ich lerne immer noch dazu. Ältere Leute erzählen so vieles, was nicht verloren gehen sollte.“ Und die Gesprächsteilnehmer spüren: Das ist eine von uns. Die weiß Bescheid.

Seit über dreißig Jahren engagiert sich Ute Kruse zunächst als „Grüne Dame“, dann als „Grüner Engel“, die sich übrigens über Verstärkung durch neue Helfer bei der ehrenamtlichen Betreuung von Kranken und Heimbewohnern freuen. Sie selbst hat im eigenen Leben selbst viel Gutes erfahren. Davon möchte sie etwas zurückgeben. So ihre einfache Erklärung für das bewundernswerte Engagement. Dass sie 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, ist äußeres Zeichen dafür, wie sehr ihre Arbeit geschätzt wird. Und die macht sie leidenschaftlich gerne. Mit einem Schmunzeln meint sie „Ich kann da nichts für!“ Wenn sie geht, entdeckt man den weißen Engel auf der Rückseite des grünen T-Shirts. Man ist wahrhaftig einem Engel begegnet!
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