Anzeige

Die Rolle auf den Leib geschrieben

Wann? 17.07.2011 14:00 Uhr bis 21.07.2011 20:00 Uhr

Wo? Volkstheater Bad Endorf, Rosenheimer Straße 6, 83093 Bad Endorf DEauf Karte anzeigen
Szene aus dem Stück Hildegard von Bingen
Bad Endorf: Volkstheater Bad Endorf | Für Paula Aiblinger, eine langjährige Akteurin auf der Bad Endorfer Theaterbühne, erfüllt sich in diesem Jahr der Traum aller Schauspieler: Sie übernimmt die Hauptrolle in einem Stück, das sie zusammen mit Andrea Krug selbst geschrieben hat.
Als Erzählform wählten die beiden Autorinnen eine aufgelockerte Parabel. Wilbert von Gembloux, ein Mönch und Chronist, erklärt sich zu Beginn des Stückes bereit die Geschichte der vor ihm stehenden Äbtissin niederzuschreiben. Hildegard von Bingen, die berühmte Visionärin des Mittelalters, erzählt mit dem Eintritt ins Kloster beginnend ihre Lebensgeschichte. Sie handelt vom fortwährenden Kampf um Anerkennung im mittelalterlichen, von Männern dominierten Klerus. Mit Selbstbewusstsein und Charisma predigt die Äbtissin nicht nur göttliche Botschaften, sondern auch gesunde Verhaltensweisen und Tipps zum Umgang mit anderen Menschen. Lebt jemand ungesund oder gar sündhaft, hagelt es auch mal eine Strafpredigt – selbst wenn dieser Jemand Papst oder Kaiser ist. Ihr selbstbewusstes Auftreten spricht sich schnell herum. Wie alle, die den Autoritäten ordentlich die Meinung geigen können, genießt auch Hildegard von Bingen großes Ansehen beim einfachen Volk. Schon zu Lebzeiten wurde sie wie eine Heilige verehrt.
Dass eine solche Querulantin Hass, Intrigen und die Missgunst der Mächtigen auf sich zieht, versteht sich von selbst. Ihr größter Widersacher, Abt Kuno vom Kloster Disibodenberg, legt ihr jeden nur erdenklichen Stein in den Weg. Hildegard beruft sich immer wieder auf ihre göttlichen Visionen, bezeichnet sich selbst als nur ein Werkzeug und – man beachte die geschickte Strategie - behauptet sie sei völlig ungebildet. Während nun jeder noch so perfide eingefädelte Angriff an dieser „wehrlosen“ Person zerbricht, schreibt die Äbtissin ihre bekannten Werke und gründet auf dem Rupertsberg ihr erstes eigenes Kloster. Das wird wegen dem großen Andrang von Novizinnen schnell zu klein, es entsteht eine Filiale in Eibingen. Dort reißt Hildegard die nächste von den Machthabern vorgesetzte Schranke nieder: Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte dürfen dort auch nicht aus dem Adel stammende Frauen den Weg einer Nonne einschlagen.
Jeder der sieben Akte des Stückes endet mit einem Zwischenspiel, das historische Zusammen-hänge erklärt oder den Zuschauer auf wichtige Szenen einstimmt. Meistens übernimmt Wilbert von Gembloux den Part des Aufklärers, die Autorinnen nutzen das Zwischenspiel aber auch für den Dialog zwischen Hildegard und ihrem Beichtvater und Mentor Propst Volmar von Disibodenberg.
Fast könnte man von einer Uraufführung sprechen, denn mit der 1995 aufgeführten, von Hubert Bomba geschriebenen Version hat die Neufassung der Hildegard von Bingen im Jahr 2011 nur noch den Namen gemeinsam. So wie die Äbtissin Althergebrachtes hinterfragte, daraus neue Konzepte entwickelte und die Kirche in ein neues Zeitalter führte, ließen auch Paula Aiblinger und Andrea Krug keinen Buchstaben auf dem anderen, fragten sich wie religiöse Inhalte dem heutigen Besucher besser vermittelt werden können und führen das Bad Endorfer Heiligenspiel damit in die nächste Dekade. Der Zeitpunkt für die Erneuerung passt perfekt, denn mit dem neuen Stück erhält die traditionsreiche Bühne einen neuen Spielleiter. Josef Kößlinger löst Herbert Ramoser ab, der 1975 damit begann die über 60-köpfige Laienspielgruppe zu dirigieren.
Die Premiere findet am Pfingstmontag, den 13. Juni um 14 Uhr im Theaterhaus Bad Endorf, Rosenheimer Str. 6 statt. Weitere Aufführungen sehen Sie bis zum 17. Juli jeweils freitags um 20 Uhr und sonntags um 14 Uhr. Karten erhalten Sie unter der Telefonnummer 08053/3743, der Faxnummer 08053-795091 und im Internet auf www.theater-endorf.de.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.