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AYSTETTENS KLEINOD

Die Alte Kirche St. Martin in Aystetten (Foto: Foto: Pfarrgemeinde Aystetten)
Die alte St. Martin geweihte Pfarrkirche in Aystetten

1566 |1977 – auf diese beiden Daten wird auf der Ostseite des Kirchturms verwiesen und somit im Jahr 2016 mit einer Vielzahl von Veranstaltungen das 450jährige Bestehen der alten Dorfkirche St. Martin festlich begangen. Vermutlich stammt der Bau im Kern jedoch bereits aus dem späten 15. Jahrhundert. Seitdem befand die Kirche sich im Besitz Augsburger Bischöfe und Patrizierfamilien, von 1560 bis 1582 gehörte sie zum Kloster Hl. Kreuz in Augsburg und wurde in dieser Zeit vermutlich auch dem Hl. Martin geweiht, dem Standespatron der Bischöfe und Ritter. Im Laufe der Jahrhunderte waren diverse Instandsetzungen erforderlich, der Kirchenbau wurde verlängert und erhöht, eine gewölbte Decke eingezogen und die Empore gehoben, der umgebende Friedhof aufgelassen, das Missionskreuz der Außenwand freigestellt.

Die Jahreszahl 1977 erinnert an das glückliche Ende einer für die alte Kirche St. Martin höchst unwägsamen Zeit. 1966 war Aystettens neuer Kirchenbau fertiggestellt worden, der hohe Kosten verursacht hatte, die alte Kirche befand sich in baufälligem Zustand. „1966, genau zum 400. Geburtstag des Patrons, kam das Aus für die alte St. Martinskirche. Eine leergeräumte Kirche beheimatete Tauben. An eine weitere Verwendung war nicht mehr zu denken“, erinnert sich Kirchenpfleger Max Rindle. Der Verfall und bevorstehende Abbruch des denkmalgeschützten Baus konnte jedoch 1977 mit Zustimmung des Bayerischen Amtes für Denkmalpflege, des Bezirksheimatpflegers Dr. Frei und des Diözesanbauamtes verhindert werden, wenn auch mit einiger Besorgnis: da „müssen wir nun in den sauren Apfel beißen, ob wir wollen oder nicht. Es wäre ja auch zu schade, wenn das alte Kirchlein langsam vor unseren Augen sterben müsste“, schrieb Pfarrer Otto Riedl in den Mitteilungen der Pfarrgemeinde.

Es begann eine Zeit der „Generalinstandsetzung“, die, nicht zuletzt dank zahlreicher Spenden und ehrenamtlicher Helfer, einen glücklichen Ausgang nahm. Heute bietet sich dem Betrachter beim Eintritt in die Kirche trotz aller Veränderungen in der Bausubstanz und der Austattungsgegenstände unterschiedlichster Epochen ein stimmiges, überaus harmonisches Gesamtbild. Der Blick fällt durch das Langhaus mit seinen zwei Seitenaltären auf den neubarocken Hochaltar, den ein Bildnis des Gardeoffiziers und späteren Bischofs Martin, seinen Rock mit einem Bettler teilend, ziert. Über das stuckumrahmte Hauptdeckenbild, das Christus bei der Heilung eines Lahmen darstellt, schweift der Blick weiter auf die gefassten Holzfiguren, die den Altar umrahmen und sich seitlich des Gestühls, der „Frauenseite“ und der „Männerseite", befinden. Sanftes Licht fällt durch die Glasfenster auf die Ölbilder der Kreuzwegstationen.

Heute werden in der alten Kirche St. Martin während der Sommermonate Werktags- und Vorabendmessen sowie Marienandachten abgehalten. Das intime, sakrale Ambiente bietet den passenden Rahmen für Hochzeits- und Trauerfeierlichkeiten. Und der Kulturkreis Aystetten beispielsweise schätzt sich glücklich, seinen Besuchern in feierlicher Umgebung kirchliches Liedgut präsentieren zu dürfen.


Festschrift 450 Jahre alte St. Martinskirche, 50 Jahre neue St. Martinskirche, 25 Jahre neues Pfarrzentrum, Hg. Katholische Kirchenstiftung St. Martin, Aystetten, 2016

Die alte St. Martin geweihte Pfarrkirche in Aystetten, Hans Peter Schmatz, Hg. Katholische Kirchenstiftung St. Martin, Aystetten, 2016

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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.neusässer | Erschienen am 05.08.2017
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