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Basketballsensation bei den Red Kangaroos in der 2. Bundesliga

Michael Mathey konnte sich auch gegen den 2.17 Metermann Martin Ides durchsetzten (Foto: Andreas Lode)
 
Johny Genck beim Korberfolg gegen Nürnberg (Foto: Andreas Lode)
 
Da geht es lang, scheint Trainer Stefan Goschenhofer den Flügelspielern leo Vrkas und johny Genck zu sagen (Foto: Andreas Lode)
Einen sensationellen Erfolg konnte die BG Leitershofen/Stadtbergen in der 2. Basketball Bundesliga Pro B am Samstagabend gegen den Nürnberger BC verbuchen. Der Titelfavorit von der Noris wurde nach herausragender Leistung vor 650 Zuschauern mit 75:68 (35:37) bezwungen. Somit hält man sich auch nach dem fünften Sieg im siebten Spiel weiterhin überraschend in der Spitzengruppe der Liga. Kein Problem hatte auch die zweite Mannschaft in der Bayernliga Mitte, mit einem 82:55 gegen den TV Passau wurde die Tabellenführung erfolgreich verteidigt.


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Wer gedacht hatte, dass die bisherigen Heimspiele der Red Kangaroos in Sachen Klasse und Dramaturgie nicht mehr zu überbieten seien, wurde gegen Nürnberg eines besseren belehrt. Zweifelsohne erwischten die Franken mit ihrem Starensemble den besseren Start, agierten ruhig und abgeklärt gegen die zu Beginn doch etwas nervöse BG, die auf den verletzten Alexander Chalusiak verzichten musste. Im ersten Viertel legte der NBC über die gesamte Distanz immer einen Vorsprung zwischen sich und die BG. Dieser betrug beim 22:14 acht Zähler, ehe Devin Uskoski mit der Schlusssirene des ersten Abschnittes per Dreier noch einmal verkürzte. Wahrscheinlich war dieser Wurf die Signalwirkung für das Spiel. Ein Zuschauer auf der Tribüne bemerkte zu diesem Zeitpunkt treffend: „Nürnberg hat wirklich eine tolle Mannschaft, wenn wir jetzt jedes Viertel nur mit fünf verlieren wäre das wohl standesgemäß“. Diese Meinung hatte er sicherlich nicht exklusiv, kein Mensch in der Halle konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass dies das einzige gewonnene Viertel des NBC in dieser Partie bleiben sollte. Denn die Red Kangaroos legten nun jeglichen Respekt ab, vor allem die beiden Aufbauspieler, Michael Mathey und „emotional-leader“ Johnny Genck drehten nun auf, gestalteten jetzt das Spiel ihres Teams und arbeiteten in der Defense wie die Besessenen. Punkt für Punkt holte man auf, beim 27:27 glich Leitershofen erstmals aus, hatte einige Male dann auch die Chance zur Führung, die bis zum Seitenwechsel aber nicht gelingen sollte. Auch weil die Nürnberger gut verteidigten und die BG oft schwierige Würfe nehmen musste. Die Nordbayern retteten somit eine 37:35 Führung in die Pause.

Schon da waren die Mienen der Leitershofer Verantwortlichen mehr als zufrieden, und die Laune sollte sich nach dem Wechsel noch steigern. Denn sofort nach dem Seitenwechsel ging die BG nun erstmals mit 41:37 in Führung, allerdings konterte Nürnberg mit seinem besten Spieler, Juan Reile, sofort, der neun Punkte in Folge erzielte und für die erneute Nürnberg-Führung sorgte. Sebastian Montag und Devin Uskoski brachten jedoch wieder die Wende, mit 53:51 ging es schließlich ins Schlussviertel. Und Leitershofen erhöhte jetzt noch einmal die Intensität, kein Ball wurde verloren gegeben, angefeuert von den Fans, welche die Osterfledhalle erneut zu einem wahren Hexenkessel machten, baute man den Vorsprung aus. Nürnbergs Trainer Derrick Taylor nahm zwei Auszeiten, wechselte mehrmals die Taktik, jedoch zunächst ohne Erfolg. Auch weil sein Gegenüber Stefan Goschenhofer nun die entscheidende taktische Waffe zog. Statt Sebastian Montag, der bis dato Ex-NBA Spieler Washington mehr als gut im Griff hatte und der bis dahin mit 75% Wurfquote aufgewartet hatte, brachte er den 19-jährigen Leo Vrkas, um die Kreise von US-Aufbau Will Chavis einzuschränken. Und Vrkas nahm dem aus vielen europäischen Ligen erstligaerfahrenen Chavis binnen weniger Minuten nicht nur drei Mal den Ball ab, sondern blockte ihn auch noch zwei Mal sensationell beim Korbwurf. Da hatte manch einer Angst, dass die Osterfeldhalle unter dem Lärmpegel der Fans jetzt zusammenbrechen würde. Bereits zwei Minuten vor Schluss versuchte Nürnberg beim Stand von 61:66, mit Stopp-clock Fouls eine Wende herbeizuführen. Und jetzt zeigten die Red Kangaroos plötzlich Nerven, sicher auch aufgrund der Tatsache, dass sich die Spieler bis dahin komplett verausgabt hatten zeigte man Nerven, vergab zunächst acht von zehn dieser Extrawürfe. In der Verteidigung ließ man aber nichts mehr anbrennen, und in den letzten 30 Sekunden Spielzeit kehrte dann auch das Glück von der Linie zurück, Uskoski, Mathey und Genck trafen nun ihre Freiwürfe allesamt.

Nach dem Spiel herrschte natürlich Riesen Rubel unter den 650 Fans, die einen tollen Basketballabend erlebt hatten. Und wieder einmal mit einer herausragenden kämpferischen Leistung der eigenen Mannschaft. Gegen diese Kampfkraft hatte der Titelfavorit in der entscheidenden Phase nichts entgegenzusetzen und konnte seine spielerische Überlegenheit nicht mehr ausspielen. Nürnberg schien gerade am Ende ziemlich überrascht, was da in der Osterfeldhalle überhaupt passierte. Die Red Kangaroos wahrten somit ihren Heimnimbus, sind nun seit fast 14 Monaten in der Osterfeldhalle ungeschlagen. Kommenden Samstag geht es nun nach Konstanz, in zwei Wochen gastiert dann in Stadtbergen der TSV Breitengüssbach mit dem BG-Eigengewächs Maurice Stuckey.

BG Leitershofen/Stadtbergen: Genck (12), Vrkas, Karsch, Behnisch, Kemmer, Montag (8), Zenk (4), Förster (3/1 Dreier), Veney (11/1 Dreier), Uskoski (19/1 Dreier), Mathey (18), Woelki.

Gegen den TV Passau zeigte die zweite Mannschaft von beginn an, wer Herr im Hause ist. Die Niederbayern hatten keinerlei Chance gegen die Young Red Kangaroos, beim Stande von 22:6 nach dem ersten Viertel war die Partie bereits entschieden.

BG Leitershofen/Stadtbergen II: Behnisch (18), Bössner (2), Breuer (4), Erhart (5), Haug (7), Liebermann (12), Oktay, Plewa (8), Suslowicz (10), Woelki (16)

Unter den Körben
Stefan Goschenhofer, BG-Headcoach: „In der entscheidenden Phase konnten wir die Kreise von Nürnbergs Aufbau Chavis einschränken, deshalb haben wir das Spiel gewonnen. Ich bin unheimlich stolz auf das Team. Wir haben zuletzt im Training einige neue Sachen einstudiert und noch härter trainiert, mit Ausrichtung eigentlich für die Spiele nach Nürnberg. Um so besser, dass wir das heute bereits so gut umgesetzt haben“.

Co-Trainer Konstantin Liehr: „Wir haben heute gezeigt, wie man mit Einsatz, Leidenschaft und Kampf auch gegen eine nominell besser besetzte Mannschaft erfolgreich sein kann. Michael Mathey hat heute aus meiner Sicht die bisher beste Saisonleistung gezeigt, und Devin Uskoski ist ja ohnehin „Mr. Zuverlässig“ bei uns. Aber auch alle anderen Akteure sind weit über ihre Grenzen hinausgegangen“.

Derrick Taylor, Headcoach NBC: "Gratulation nach Leitershofen, die bessere und ausgeglicherene Mannschaft hat heute gewonnen. Ein weiterer Grund für den Sieg war diese wirklich unglaubliche Atmosphäre in der Halle, Respekt auch hiefür".

BG-Abteilungsleiter Hans Kiesling: „Wenn mir jemand vor drei oder vier Jahren gesagt hätte, dass so etwas wie heute in Stadtbergen und Leitershofen möglich ist, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ich glaube, das war mit der herausragendste Abend in unserer Vereinsgeschichte. Danke an die Mannschaft, Danke an die Fans. In einem der nächsten Spiele wollen wir jetzt die Osterfeldhalle mit 850 Zuschauern dann auch noch „ausverkauft“ machen.

Man of the match
An diesem Abend eine mehr als schwere Wahl. Eigentlich hätte man jeden BG-Akteur problemlos nominieren können, alle Spieler hatten entscheidenden Anteil am Sieg. Wir haben uns für Dominik Veney entschieden, der unter den Körben Schwerstarbeit zu verrichten hatte. Seine 11 Punkte markierte der 22-jährige Forward exakt im richtigen Moment, und dies mit neuer Wurftechnik, da er den Ball ja irgendwie über den 2,17 Meter Mann Ides in Richtung Korb bringen musste. Denn auch für den 1,99 Meter großen Veney ist es nicht alltäglich, Gegenspieler zu haben, die einen Kopf größer sind als er selbst.
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Markus Lönner aus Stadtbergen | 08.11.2010 | 15:52  
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