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Während der Ausbildung sicheres Deutsch lernen

Augsburg: Altenhilfe der Stadt Augsburg | Was bedeutet „Herr B. wirkte ausgeglichen“? Nach einem langen Arbeitstag im Paritätischen Hospital-Stift sitzt die 29-jährige Selma Delic grübelnd um sieben Uhr abends am Tisch im Schulungszentrum der Altenhilfe Augsburg. Heike Fink von der Sprachschule Prisma gibt ihren 10 Schülern Hilfestellungen. „Heißt das, dass Herr B. freundlich oder gutgelaunt ist? Gibt es andere Wörter, um den Zustand des Herrn zu beschreiben?“

Wie Selma nutzen auch andere Auszubildenden den dreistündigen Deutschkurs einmal pro Woche, um ihre Grammatik und den Wortschatz zu trainieren. Seit September 2016 macht die junge Frau bei der Altenhilfe Augsburg eine dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin „Wir verstehen alles, aber wenn wir sprechen, klingt es nicht schön und wenn wir schreiben, ist es oft falsch“, sagt die junge Bosnierin. Den älteren Menschen, die sie im Pflegeheim betreut, mache das nicht viel aus, wenn sie mal einen Artikel eines Substantivs weglässt. Doch sei in der Altenpflege neben einem persönlich guten Kontakt zu Kollegen und Bewohnern auch die schriftliche Kommunikation enorm wichtig. „Ohne ausreichende Deutschkurse ist die Berufsschule kaum zu schaffen“, sagt auch der 29-jährige Adis Badnjevic, der bereits das B2-Sprachzertifikat hat. Die deutsche Sprache hat er durch Fernsehsendungen in der Heimat gelernt und letztes Jahr das B2 Sprachzertifikat erhalten.

„Alle Teilnehmerinnen legen sich hier mächtig ins Zeug, weil sie die Chance ergreifen wollen, die anspruchsvolle Ausbildung zu schaffen“, bestätigt Fink. Deutsch lernen und zugleich eine Ausbildung in der Altenpflege machen, begeistert auch Nakic Samir, der mit 47 Jahren nochmal die Schulbank drückt, um die Ausbildung als Altenpfleger zu schaffen. „Nun kommt es darauf an, dass alle den vollen Umfang mit 100 Unterrichtseinheiten regelmäßig nutzen“, betont Personalleiterin Sigrid Sandmeir, die das Programm im Januar dieses Jahres für Auszubildende im ersten und zweiten Jahr aufgelegt hat.

Die Altenhilfe der Stadt Augsburg erhält für die sprachliche Sonderförderung ihrer Auszubildenden keine staatlichen Zuschüsse. Die gesamten Kurskosten übernimmt der Betrieb, weil viele der jungen Menschen ihren Traumberuf in der Altenpflege sehen. „Das möchten wir fördern, um qualifizierten Nachwuchs für unsere Einrichtungen zu entwickeln“, so Werkleiterin Susanne Greger. Doch es sei nicht so leicht jungen Mitarbeitern aus anderen Ländern sicheres Deutsch beizubringen.

„Nur durch einen Praxis orientierten Zuschnitt des Sprachkurses auf die Branche können Fortschritte schnell erzeugt werden“, bestätigt Sprachlehrerin Heike Fink. Wenn aus einzelnen Wörtern wie „kommen Schweiz ursprünglich aus“ sich grammatikalisch richtige Sätze formen, sei das die Voraussetzung um die Abschluss-Prüfung zum Altenpfleger bestehen zu können. Bis dahin muss der sprachliche Pflegealltag wie „ein Rezept verschreiben“ felsenfest sitzen und Vorsilben wie „ein Rezept vorschreiben“ weiter konsequent abtrainiert werden.
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