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Tomé s Kinderporträtmuseum - Schwarzer Tag für die Kinderrechte - Knabenbeschneidung von der Regierung legalisiert

Tomé s Kinderporträtmuseum: Kundgebung von "Pro Kinderrechte" am 12.12.12 vor dem Brandenburger Tor in Berlin
 
Tomé s Kinderporträtmuseum: Kundgebung von "Pro Kinderrechte" am 12.12.12 vor dem Brandenburger Tor in Berlin
 
Tomé s Kinderportraitmuseum: Kundgebung von "Pro Kinderrechte" am 12.12.12 vor dem Brandenburger Tor in Berlin
Am 12.12.12, an dem Tag, an welchem die Bundesregierung die Beschneidung von Knaben legalisiert hat, gab es eine Kundgebung von "Pro Kinderrrechte" vor dem Brandenburger Tor, die ich mit meinen Zeichnungen unterstützt habe.
Hier der Wortlaut des Aufrufs zu dieser Veranstaltung:

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte - SPD Laizistinnen und Laizisten - TERRE DES FEMMES - MOGiS e.V. - netzwerkB - Zentralrat der Ex-Muslime - Giordano-Bruno-Stiftung

Aufruf zur Kundgebung am Mittwoch, dem 12.12.2012,
ab 11.00 Uhr am Brandenburger Tor


NEIN zum geplanten Gesetz zur Legalisierung von Knabenbeschneidungen

JA zu einem uneingeschränkten Grundrechtsschutz von Knaben


Die Debatte um die religiös motivierten Knabenbeschneidungen in Deutschland soll am Mittwoch, dem 12.12.2012, beendet werden, wenn der Gesetzentwurf der Bundesregierung in letzter Lesung verabschiedet wird. Aus einer Kinderrechtsperspektive heraus ist dies nicht hinnehmbar, denn mit der geplanten Legalisierung der Knabenbeschneidung (nur aufgrund des Elternwunsches – unabhängig vom Motiv der Eltern für diese Maßnahme!) werden die Grundrechte minderjähriger männlicher Kinder auf körperliche Unversehrtheit und auf (sexuelle) Selbstbestimmung in gravierender Weise verletzt. Schließlich werden sie in Hinsicht auf ihre Penisvorhautamputation völlig rechtlos gestellt, zu reinen Objekten elterlicher Interessen degradiert.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung lässt Beschneidungen zu, ohne die Folgen der Vorhautentfernung für den betroffenen Menschen in gesundheitlicher, psychischer und auch sexueller Hinsicht hinreichend zu berücksichtigen. Warnungen von Kinderarztverbänden, FachmedizinerInnen, Ergebnisse aus der Traumaforschung und auch die Meinung der überwiegenden Mehrheit der in Deutschland lebenden Bevölkerung wurden in den Wind geschlagen. Die Vorbereitungen für den Gesetzesentwurf wurden lediglich mit VertreterInnen der muslimischen und jüdischen Religionsverbände erörtert und in den knappen Anhörungen im Bundestag fast ausschließlich BefürworterInnen des Beschneidungsrituals gehört. So geht man vor, wenn es nur auf das gewünschte Ergebnis ankommt – und nicht auf die rationale Kenntnisnahme und Abwägung von Fakten.

Der von mittlerweile über 60 Bundestagsabgeordneten unterstützte alternative Gesetzentwurf, der mit dem Zulassen von Knabenbeschneidungen ab 14 Jahren nach ausdrücklicher Zustimmung des Betroffenen einen vernünftigen Kompromiss anbietet, wird wohl bereits im Rechtsausschuss des Bundestages niedergestimmt werden, so dass er bei der Endabstimmung am Mittwoch keine Rolle mehr spielen wird. Offenbar scheint bei der Bundesregierung die Angst groß zu sein, dass der Regierungsentwurf nicht die gewünschte Mehrheit erhalten könnte.

Entgegen den Hoffnungen der Bundesregierung aber wird die Debatte nicht beendet werden. Das Echo auf das Kölner Beschneidungsurteil hat zu einer kritischen Überprüfung der Beschneidungsfolgen und zu einer Verbreiterung des Faktenwissens geführt. Dies hat bis weit in muslimische und jüdische Kreise hinein zu neuen Erkenntnissen und zu einer neuen Nachdenklichkeit gegenüber dieser bis dahin meist unkritisch praktizierten Ritualhandlung geführt. Zudem haben sich Betroffene erstmals über die von ihnen erlebten negativen Folgen ihrer Beschneidung geäußert und so die bislang tabuisierte Problematik öffentlich gemacht. Dieser Prozess ist unumkehrbar: Die Debatte über die medizinisch unnötige Genitalbeschneidung bei Knaben hat in Wirklichkeit erst begonnen.

Mit der Kundgebung am Tag der Verabschiedung des geplanten Legalisierungsgesetzes soll diese positive Entwicklung in Deutschland im Protest gegen das Vorgehen von religiösen Verbänden und Bundesregierung nochmals verdeutlicht werden.

Reden werden gehalten von Rolf Stöckel (Deutsche Kinderhilfe), Irmingard Schewe-Gerigk (TERRE DES FEMMES), Dr. Ulrich Fegeler (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte), Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Muslime), Raju Sharma (MdB, Die Linke), Marlene Rupprecht (MdB, SPD, angefragt), N.N. (MdB, GRÜNE, angefragt), Christian Bahls (Mogis e.V.), Ali Utlu (Betroffener), Walter Otte (AK Kinderrechte gbs).

Der Künstler Tomé Thomas Etzensperger vom Kinderporträtmuseum in Augsburg unterstützt die Kundgebung mit seinen Bildern zur Knabenbeschneidung.


Berlin, den 07.12.2012

Walter Otte
(für die aufrufenden Organisationen)

Weitere UnterstützerInnen der Kundgebung: Deutsche Kinderhilfe, Evolutionäre Humanisten Berlin-Brandenburg e.V., Humanistischer Pressedienst

Freidenkervereinigung Schweiz, Beschneidung-von-jungen.de, Phimose-info.de, Deutscher Pflegeelternverband e.V., MANNdat, International Coalition for Genital Integrity (ICGI), circinfo.org (Australien), Genital Autonomy (Großbritannien), Attorneys for the rights of the child (USA), NOCIRC (USA), circumcisionharm.org (international), gonnen.org (Israel)



Hier noch meine zwei Leserbriefe für die "Augsburger Allgemeine", wovon einer gekürzt in der Ausgabe vom 15.12.12 abgedruckt wurde:

Zu "Leserbriefe" S.2 zum Artikel "Schlechtes Zeugnis für den Tierschutz" vom 14.12.12

Kinder ohne Lobby

Die vielen Reaktionen der Leser zeigen, dass Tiere in unserer Gesellschaft mehr zählen als Kinder. Ein Leser empört sich, dass ein Gesetz über die ABSCHAFFUNG des Brandmarkens von Pferden als Markierung einer Zugehörigkeit zu einem Gestüt wohl erst 2019 kommt. Die gesetzliche LEGALISIERUNG zum wesentlich gravierenderen Eingriff der Genitalbeschneidung bei Jungen als Markierung einer Religionszugehörigkeit hat gerade ´mal ein halbes Jahr (!) gedauert. DAZU gab es keine Leserbriefe (oder sie wurden einfach nicht gedruckt) - es gab keine Empörung! Kinder (in diesem Fall Knaben) haben eben nach wie vor keine Lobby!



Leserbrief zu Ihrem Artikel „Beschneidung soll erlaubt bleiben“ auf der Seite 4 in der „Augsburger Allgemeinen“ vom 132.12.2012

Schwarzer Tag für Kinderrechte

Nun hat also die Politik vor den Religionen gekuscht und es darf weiter munter an Knaben rumgeschnitten werden, sogar von nicht ärztlich ausgebildeten Beschneidern und außerdem in jedem Alter. Dies verstößt nicht nur gegen Artikel 1, 2, 3 vom Grundgesetz, § 1631 Absatz 2 vom BGB und Artikel 24 (3) der UN-Kinderrechtskonvention, es müssen in Zukunft wohl jetzt auch Mädchenbeschneidungen aus religiösen Gründen, zum Beispiel das Einritzen der Klitoris nach milder Sunna, laut Art 3 Absatz 3 erlaubt werden.
Ein schwarzer Tag für die Kinderrechte und ein bitteres Weihnachtsgeschenk von der Bundesregierung. Die unausgewogene Berichterstattung vieler Medien, auch dieser Zeitung, hat wesentlich zu diesem Beschluss beigetragen. Es werden also weiterhin Genitalien verstümmelt, Jungen traumatisiert, und es werden Kinder sterben... die Verantwortung dafür tragen die Politiker und die Medien, die Tatsachen verschwiegen und die Menschen über das Thema nicht informiert haben.

Tomé Thomas Etzensperger vom Kinderporträtmuseum in Augsburg

Die beiliegende Karikatur von mir können Sie kostenlos in Ihrer Zeitung zum Leserbrief abdrucken (die Karikatur wurde natürlich NICHT abgedruckt).
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