Anzeige

Stetten-Schülerinnen feiern den Barbaratag zwischen Tradition und Moderne

Foto: Angelika Lonnemann
 
Foto: Angelika Lonnemann
Augsburg: Stetten-Institut | Im Stetten-Institut gibt es einen Raum, der das ganze Jahr über verschlossen ist. Nur einmal im Jahr, am Barbaratag, schließen Lehrerinnen das „Barbarazimmer“ auf und führen Zehntklässlerinnen hinein. Im Barbarazimmer werden Möbel, Geschirr und Kleidungsstücke aufbewahrt, die vor über 200 Jahren der Gründerin der Schule, Anna Barbara von Stetten, gehört haben. „Was ist in dieser schwarzen Lederkiste?“, möchte eine Gymnasiastin wissen. Die Lehrerin öffnet vorsichtig den feinen Metallverschluss. Eine weitere fein gearbeitete mit Silberfäden durchwirkte Haube kommt zum Vorschein. Anna Barbara von Stetten war früh verwitwet und hatte eine große Zahl von hochwertigen Hauben, die ihren Status in der Öffentlichkeit auch durch ihre Kleidung zeigte.

Bereits zum zweiten Mal wird der Barbaratag am Stetten-Institut gemeinsam begangen – ganz ohne Unterricht. Alle Lehrer, Mitarbeiter und die rund 1.200 Schülerinnen von Stetten-Gymnasium und Stetten-Realschule begehen den Tag gemeinsam. „Früher bekamen die Schülerinnen am Barbaratag schulfrei, das haben wir geändert. Wir wollten, dass sie durch besondere Erlebnisse von gemeinsamer Arbeit und Teilen erfahren, wer diese Anna Barbara von Stetten war und warum sie vor über 200 Jahren diese Schule gegründet hat“, erläutert Barbara Kummer, Schulleiterin beider Stetten-Schulen. „Neben der profunden akademischen Bildung, die wir hier vermitteln, ist uns auch der besondere Geist, der am Stetten herrscht, wichtig. Der ist immer dann wahrzunehmen, wenn es nicht um Leistung, sondern um das Miteinander geht. Deswegen wollen wir den Barbaratag gemeinsam feiern“, so Kummer.

Der Tag beginnt in allen Klassen mit einer Andacht, in der die Schülerinnen die Lebensgeschichte der Gründerin hören oder selbst vorlesen. Vor 210 Jahren war es die Ausnahme, das Mädchen und junge Frauen mehr als lesen und schreiben lernten. Die protestantische vermögende Witwe hinterließ Geld, mit dem eine „höhere Schule für Mädchen“ in Augsburg gegründet werden konnte.
Nach der besinnlichen Andacht pulsiert das Stetten voller lebendiger Geschäftigkeit. Das Orchester spielt in der Halle des Haupthauses Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“, auf der Bühne im Barbarasaal singen Schülerinnen Solostücke, mit denen sie auch bei „Voice of Germany“ auftreten könnten, in der Küche werden Plätzchen gebacken, die später den Bewohnern des Pauline-Fischer-Pflegeheims gebracht werden.
Die Schule pflegt die protestantischen Werte der Gründerin, vermittelt Wertschätzung und Bildung. Gleichzeitig präsentiert sich die Schule als eine heutige Einrichtung des 21. Jahrhunderts und als reine Mädchenschule. Moderne Unterrichtsmethoden, die auch die Sozial- und die Medienkompetenz der Schülerinnen schulen oder eine Ganztagsbetreuung, in der 16 engagierte Pädagogen Studier- und Spielzeit der Schülerinnen betreuen, stehen für das besondere Profil der Schule. Getragen wird die Schule von dem protestantischen Träger der Stettenschen Stiftungen, aber Mädchen aller Kulturen und Religionszugehörigkeiten sind im Stetten willkommen.

Was ist das Stetten-Institut?

Das Stetten-Institut besteht aus einem Gymnasium mit sprachlicher und naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung und einer Realschule unter einem Dach (Realschulzweige: Wirtschaft, Französisch, Kunst und Soziales). Die Schulen sind staatlich anerkannt und befinden sich in evangelisch-lutherischer Trägerschaft, verstehen sich aber ausdrücklich als offen für Schülerinnen aller Religionszugehörigkeiten. In Tradition ihrer Gründerin Anna Barbara von Stetten werden ausschließlich weibliche Schülerinnen aufgenommen. Heute besuchen rund 1.200 Mädchen und junge Frauen die beiden Schulen, die auf einem weitläufigen Grundstück in der Augsburger Innenstadt liegen. Zum breiten Angebot der Schule gehört eine Betreuung in Form der Offenen Ganztagsschule. In verschiedenen Projekten können Mädchen an den beiden Schulen forschen, musizieren, debattieren oder Theater spielen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.