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So kam "Die Zauberflöte für Kinder" bei den Kindern an - Premiere im Augsburger Staatstheater

Die Premiere von "Die Zauberflöte für Kinder" am 20.01.2019 im Martinipark Augsburg zeigt meiner Meinung nach noch Optimierungspotenzial. Mozarts bekannte Fantasy-Oper für Kinder aufzubereiten ist eine tolle Idee. Leider ist die Umsetzung, obwohl musikalisch und darstellerisch sehr gut, in meinen Augen nicht ganz kindgerecht gelungen. Fazit meiner 9- und 7-jährigen Begleiter: wir haben die Geschichte nicht kapiert. Und warum heißt es "Die Zauberflöte" und nicht "Das Zauber-Glockenspiel"? Berechtigte Kommentare.

Das Staatstheater Augsburg engagiert sich schon lange dafür, Kinder und Jugendliche abzuholen und ihnen auf neuen Wegen klassische Werke, egal ob Musik, Musiktheater, Schauspiel oder Ballet, nahezubringen. Das ist großartig.
Mit dem 2. Familienkonzert der Saison, Mozarts Zauberflöte, hat das diesmal leider, wie ich finde, nicht ganz geklappt.

Kürzung zuungunsten der Verstehbarkeit
Um die Oper für Kinder konsumierbar zu machen, wurden weite Teile gekürzt. Das ist sinnvoll und notwendig, natürlich sind lange Arien mit Wiederholungen, weitläufige Dialoge und eine Aufführungszeit über zwei Stunden für Kinder nicht konsumierbar.
Musikalisch kommt die gekürzte Fassung durchaus akzeptabel daher, man merkt keine Brüche. Die Erzählung wirft jedoch so maches Fragezeichen auf in der Kürzung, was gerade für Kinder, für die die Version ja gedacht ist, den Plot in Teilen nicht mehr nachvollziehbar macht. Und hier fehlte dann eine leitende Hand, die die Kinder durch die Geschichte führte.

Wo bleibt die Rettung der Prinzessin?
Die kausale Handlungskette blieb zumindest meinen beiden Begleitern (9 und 7 Jahre alt) weithin unklar. Wer was warum tut, wird leider nicht verdeutlicht, da wird von den kleinen Zuschauern ein bisschen zu viel verlangt:
Wie kommt Papageno plötzlich ins Schloss? Warum ist Tamino nicht bei ihm? Warum lässt sich Pamina, die eben noch Sarastro anfleht, sie doch zu ihrer Mutter zu lassen, ohne weitere Erklärung davon überzeugen, dass sie stattdessen mit Tamino die Prüfungen auf sich nehmen soll?
Weshalb überhaupt die Prüfungen? Und wieso dann doch nur Tamino, und nicht Papageno, obwohl er immer davon redet? Warum quälen die beiden Priester so fies lachend den guten Tamino? Wo kommen die drei Damen gegen Ende plötzlich wieder her? 
"Und wie jetzt: es hieß doch am Anfang, der Prinz Tamino soll die Prinzessin befreien, das hat er doch jetzt gar nicht gemacht! Ist jetzt echt schon aus?"

Wenig Flöte, viel Glockenspiel
Die Rolle der Flöte Taminos, die in dieser Inszenierung von selbst spielt (Tamino reißt  sie dann jeweils in großem Erstaunen hoch) ist zudem derart zurückgestutzt, dass ihr Papagenos mehrfach mit Spezialeffekten (Licht, Ton) hinterlegtes Glockenspiel schlichtweg die Show stiehlt. Und so fragt am Ende der Drittklässler: " Warum heißt das Stück denn "Die Zauberflöte" und nicht "Das Zauber-Glockenspiel?" 


Und wo bleibt die Königin der Nacht?
Kürzen ist immer schwierig, aber wenn man es tut, sollte man lose Fäden vermeiden (indem man sie wegkürzt, wie die Figuren des Monostatos oder der drei Knaben) oder entstandene lose Fäden wieder irgendwie zusammenführen. Das ist zum Beispiel an der Figur der Königin der Nacht nicht gelungen: sie ist auf ihre Arie "Der Hölle Rache" zusammengekürzt. Davor und danach kommt sie nicht mehr vor. Damit werden Fragen aufgeworfen, die sich für die Kinder nicht klären: Warum ist die Mutter von Pamina böse? Warum will sie Sarastro töten? Warum ist Sarastro gut? Was passiert mit der Mutter?

Warum nicht einen Erzähler durch die Geschichte führen lassen?
Erschwerend hinzu kam, dass nicht alle Darsteller klar und deutlich zu verstehen waren, und das Deutsch des Librettos für Kinder auch nicht gerade einfach ist in den oft antiquierten Fomulierungen oder im Vokabular. Die anfängliche Aufmerksamkeit der vielen Kinder im vollbesetzten Martinipark ließ mit Dauer der Vorführung nachvollziehbarer Weise deutlich nach und die Unruhe im Saal wuchs.

Hier hätte etwa ein Erzähler helfen können, der den Kindern zwischen den Szenen Hinweise gibt. Auch Papageno hätte man diese Aufgabe zuschreiben können, da er ohnehin in dieser Kurzfassung von den Kindern eher als Hauptfigur wahrgenommen wurde. Oder warum nicht eine Einführung vor die Oper stellen?

Langanhaltender Applaus
Dennoch langanhaltender begeisterter Applaus. Völlig berechtigt: Das Orchester unter der Leitung von Lancelot Fuhry präsentierte sich mit Schwung und sicherer Präzision. Der Chor ebenfalls sehr ausgewogen und klangvoll.
Von den Sängern stach besonders Daniel Pataky als Tamino heraus mit seinem klaren Tenor. Die drei Damen Sally du Randt, Kate Allen und Natalya Boeva überzeugten mit exaktem, kristallenem Zusammenklang und viel Witz im Spiel.
Etwas fiel leider meinem Eindruck nach die Arie der Königin der Nacht (Olena Sloia) ab - war hier die Tempoabstimmung mit dem Orchester nicht ganz gelungen oder lag es an der Akustik? Es schien, als sei hier die Sopranistin oftmals hinter dem Orchester. Hier fehlte mir stimmlich auch ein wenig die Power und der rasende Zorn, zumal auch für die Kinder schwierig war, dass die Königin in Gestalt und Feengewand so klein und zart erschien, als sie da neben ihrer Tochter Pamina im massiven Petticoat-Kleid stand. "Wie, das ist ihre Mutter?"
Pamina mit silbernem Sopran und ebensolcher Pagenkopfperücke (Jihyun Cecilia Lee), begeisterte die Kinder: "So eine schöne Prinzessin!" Papageno (Wiard Witholt) darstellerisch stark, seine dynamische Papagena (Sandra Schütt) kam im Duett stimmlich nicht immer ganz gegen ihren Papageno und das Orchester an, da hörte man sie teilweise nicht heraus. Tobias Pfülb gab einen soliden Sarastro.

Nehmt die Kinder mit!
Insgesamt gab es mehr Lacher aufseiten der erwachsenen Besucher als aufseiten der Kinder. Für die Kinder würde man sich wünschen, dass für die weiteren Vorführungen noch etwas an der Verständlichkeit gearbeitet wird - ob nun Erzähler oder anderswie. Für richtigen Spaß an der Oper.


 Die nächsten Aufführungen: 
18.2.2019 10:00 – ca.11:00 
24.2.2019 15:00 – ca.16:00 
22.4.2019 15:00 – ca.16:00 

Karten unter https://staatstheater-augsburg.de/zauberflote_fur_kinder
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