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Kültürtage in Augsburg sind der Renner

(Foto: Kültürverein Augsburg e.V.)
 
Von links nach rechts: Moses Okile Ebokorait, Christian Weiblen, Moses Kiberu, Fikret Yakaboylu und Petra-Leonie Pichler, (Foto: Kültürverein Augsburg e.V.)

Die bereits zum dritten Mal stattfindenden Kültürtage in Augsburg sind im Moment der Geheimtipp und gleichzeitig ein voller Erfolg geworden. Die Veranstaltungen sind zum Bersten gefüllt mit Besucherinnen und Besuchern jeglichen Alters und jeglicher Nationalität.

Einen Monat lang Kültür

Der Kültürverein Augsburg e.V. ist auch im Jahr 2012 Veranstalter der Kültürtage. Fast einen Monat lang, vom 27.Oktober bis 23. November 2012, stehen dieses Mal "Die Anderen", im Mittelpunkt. Das Thema wird unter anderem mit Lesungen, Konzerten, Kabarett, Pantomimetheater, Märchen, Filmvorführungen, Poetry-Slam und einer Fotoausstellung auf vielfältige Weise dargestellt.

Die Kültürtage möchten den bedeutenden Aspekt der kulturellen Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger mit oder ohne Einwanderungsgeschichte als wesentliche Voraussetzung für den Zugang zu Kunst und Kultur in den Mittelpunkt stellen, heißt es auf der Webseite des Vereins. Die Veranstaltungen kosten keinen Cent Eintritt, daher verzichten auch die Künstlerinnen und Künstler komplett auf ihre Gage, der Qualität scheint der Geldverzicht jedoch keinen Abbruch zu tun.

Die Disco Neruda bebt

Den Auftakt bildete eine Veranstaltung im Neruda Kulturcafé, ein Konzert mit Livemusik, Tanz, Lesungen und dem "Kültürchor", begleitet von Hüseyin Cömert an der Saz. Das kleine Kulturcafé in der alten Gasse wurde kurzerhand zu einer Minidiskothek. "Die Disco Neruda bebt", freut sich ein Besucher. Es folgte eine Weltreise mit einem Zauberer in der Augsburger Stadtbücherei, der auf einen anatolischen Geschichtenerzähler traf, welcher mit seiner Poesie das Leben des Magiers veränderte. Fikret Yakaboylu und Fabio Esposito entführten mit Musik und Zauberei in eine andere, magische Welt. Vor allem Kinder besuchten gemeinsam mit ihren Eltern dieses, am Nachmittag stattfindende, Event und lauschten eifrig dem szenischen Theater.

Eine Woche später eröffnete Nina Hortig ihre perfekt in Szene gesetzte Fotoausstellung „Die Anderen“, deren Vernissage sehr gut besucht war. Im Grandhotel Cosmopolis lasen wenige Tage später Moses Okile Ebokorait und Moses Kiberu eigene Texte über ihr Leben und ihre Träume, die sie während der ICH BIN unSICHTBAR-Kampagne entwickelt hatten. Übersetzt wurden ihre Texte von Mitgliedern des Theaterensembles Bluespots Productions.

Döner mit Sauerkraut

Die Augsburger Multikultitruppe Döner mit Sauerkraut präsentierte Comedy und Kabarett in der Kresslesmühle. Die Veranstaltung war so überlaufen mit Menschen, die dass Stück sehen wollten, dass dieses am selben Abend - nach längerem Protest des Publikums - spontan noch ein zweites Mal in einem gut gefüllten Saal stattfand. Tage später traten in der neuen Stadtbücherei, in einem "Pantomimetheater", zwei von Grund auf verschiedene Theatergruppen gegeneinander an, um herauszufinden, wer die Bessere ist. Am Ende gewannen beide Gruppen unter begeistertem Applaus.

Leben verboten!

Im Kino Liliom wurden drei Kurzfilme aus Augsburg zum Thema Flucht und Asyl präsentiert. Gezeigt wurden die Filme „Leben verboten“, von Mathias Fiedler und Astrid Nave, „Heimat“ von Pierre-Yves Dalka und „Together“ von Ufuk Calisici. Über zweihundert Besucherinnen und Besucher verfolgten die Filme und das anschließende Publikumsgespräch. Sie wollten nach den aufrüttelnden und eindrucksvollen Kurzfilmen von Darstellerin Awa Kebe wissen, wie es um die Flüchtlingssituation in Augsburg und Bayern steht. Diese stand Rede und Antwort und der Regisseur des Dokumentarfilms erklärte die, zum Teil schwierigen, Bedingungen während des Drehs.

Kommenden Montag steht die Veranstaltungen „Bist du anders?“ mit Musik und Literatur an, die unter anderem von Barbara Friedrichs, Michael Friedrichs, Alina Yakaboylu und Heidemarie Brosche gelesen und Evi Heigl (Geige), Haydar Acarsoy (Gitarre), Devrim Eren (Saz), Uwe Rachuth (Klarinette), Yasar Dogan (Persussion), Harald Bender (Kontrabass) begleitet werden. Zum Abschluss der ereignisreichen Tage wird es auch noch einen Poetryslam geben, der von Horst Thieme moderiert wird. Die genauen Veranstaltungsorte können hier nachgelesen werden. Zudem gibt es einen Fotowettbewerb, bei dem Fotos zum Thema "die Anderen" eingesendet werden können. Der Gewinn für das schönste Foto ist ein Menü für zwei Personen im Kulturcafé Neruda.

Stadt verzichtet auf Förderung

Auch wenn die letzten beiden Veranstaltungen noch nicht vorbei sind, kann ein eindrucksvolles Fazit gezogen werden. Überfüllte Veranstaltungen und ein begeistertes Publikum sprechen für sich, so dass es die Veranstaltung im nächsten Jahr hoffentlich nochmal geben wird. Kritik könnte man am Kulturreferat der Stadt Augsburg üben, die das Programm bisher ebenso mit keinem Cent unterstützt hat. Der Onlineredaktion der Augsburger Allgemeinen Zeitung waren die Kültürtage 2012 bis jetzt nur einen einzigen Artikel wert.
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