Anzeige

Filmkritik zu „Zwei Zimmer, Balkon“

Kathrin (Lena Dörrie), Tom (Gabriel Raab) und Nola (Karolina Horster) (Foto: Promofoto)
"Zwei Zimmer, Balkon" bildete den Abschluss des Wettbewerbs 1 beim 17. Augsburger Kurzfilmwochenende. Die romantische Komödie ist der Abschlussfilm von Enno Reese an der HFF München.

Inhalt
Literaturstudent Tom ist verzweifelt. Seine Freundin Kathrin hat ihn ausquartiert, damit er sich endlich auf die Suche nach einer gemeinsamen Wohnung macht. Doch schon bei der ersten Besichtigung merkt Tom, dass er als studentischer Single nicht viel zu bieten hat. Als er auf Nola trifft, die ihn kurzum als ihren Verlobten ausgibt, fassen die beiden einen Plan. Sie suchen gemeinsam als „Paar“ - eine Wohnung für Nola und eine für Tom und Kathrin. Tatsächlich finden sie als eingespieltes Paar eine Wohnung, doch ihre Gefühlswelt gerät dabei durcheinander.

Kritik
Er, Gabriel Raab, Schauspieler des Protagonisten Tom, erinnert optisch ein kleines bisschen an Harry Potter (Daniel Radcliffe). Doch in „Zwei Zimmer, Balkon“ geht es nicht um Zauberei. Wohnungssuche ist harte Arbeit und die tollen Wohnungen in München kann sich ein junger Mensch nicht leisten. Regisseur Enno Reese hat viel von dem, was er in „Zwei Zimmer, Balkon“ zeigt, selbst erlebt. Immobilienmakler in München sind „herzlos“, lässt er seine weibliche Hauptrolle Nola sagen. Auch einen Seitenhieb auf Isarsteuer, Haustiere und WG-Tücken hält sein Abschlussfilm an der HFF München parat.

Zwei Preise hat sein Werk schon gewonnen. Den Studio Hamburg Nachwuchspreis 2010 in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ und „Das goldene Glühwürmchen“. Kein Wunder, denn die zwei Jahre Arbeit, die von der Ideenfindung bis zum finalen Schnitt in dem von „Voila Film“ produzierten Streifen stecken, machen sich in vielen Details bemerkbar.

Die Szene, als Tom und Nola sich auf dem Viktualienmarkt eine Suppe gönnen, ist so ein Detail. Wie schwer sich Tom doch darin tut, Entscheidungen zu treffen und wie amüsant das doch ist. Genauso die Szene in der hellen Wohnung mit Isarsteuer, in der Barbara de Koy die bayerische Maklerin so authentisch gut spielt. Überhaupt – die Schauspieler! Karolina Horster versprüht als Nola Charme, erobert die Gunst der Zuschauer mit ihrer Spielkunst auf Anhieb und auch Michael Kranz als Toms Freund Niklas verleiht seiner Rolle Liebenswürdigkeit und sorgt für viele Schmunzel-Momente. Es macht einfach Spaß, den Schauspielern zuzusehen. Selbst in kleinen Nebenrollen haben die Macher auf Qualität geachtet. Die Namen sind zwar weitgehend unbekannt, doch sie alle wirken mindestens glaubwürdig. Genauso wie der Film selbst. Amüsant, realitätsnah und doch ist es ein Spielfilm. Mit Herz, mit Wahrheit und mit Liebe zum Detail.

Hintergrund
„Es war nicht so ganz einfach mit dem Frettchen zu drehen“, meint Reese und spielt damit auf eine WG-Szene an. Die Augsburger Produzentin Kiri Trier enthüllt, dass sogar vorgesehen war, das WG-Frettchen am Schluss von einem Auto überfahren werden sollte, da es das Pech im Leben von Nola und Tom symbolisiert. Doch das Frettchen wird verschont, schließlich gibt’s ein Happy End.

Doch nicht nur das Frettchen bereitete dem Regisseur Kopfzerbrechen. Er warnt davor, mit Tieren zu drehen. „Auch Katzenbabys – ne ne ne“, mahnte er. Da hüpft schon mal eines aus dem Körbchen, da kann man drehen so oft man will. Macht aber nichts, ist doch süß!

Entgegen der Ankündigung lief im Mephisto die 32-minütige Version von „Zwei Zimmer, Balkon“ und nicht die 25-minütige.

Wertung
Regisseur Enno Reese rechnet in „Zwei Zimmer, Balkon“ einerseits mit dem schwierigen Wohnungsmarkt in München ab. Andererseits entwickelt er eine glaubwürdige Liebesgeschichte, die aus einer „Geschäftsbeziehung“ entsteht. Eine sehr gelungene Komödie mit Herz. Anschauen!

Mehr zum 17. Augsburger Kurzfilmwochenende.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.